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Digitalisierung an Schulen scheiterte meistens nicht am Können, sondern am Wollen

Was die Schüler Union für die Zukunft fordert

Louis Ulrich - Bundesgeschäftsführer, SCHÜLER UNION DEUTSCHLANDS Quelle: CDU/ Tobias Koch Louis Ulrich Bundesgeschäftsführer SCHÜLER UNION DEUTSCHLANDS 27.05.2020
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"Binnen weniger Wochen haben viele Landesregierungen die Versäumnisse der letzten Jahre zu spüren bekommen", sagt Louis Ulrich, Bundesgeschäftsführer der Schüler Union mit Blick auf den Stand der Digitalisierung an Schulen. Auch nach der Krise braucht es aus seiner Sicht große Anstrengungen, denn: "Digitalisierung ist keine Einmalinvestition, es ist ein fortschreitender Prozess."







Mit den Erfahrungen aus mehreren Wochen Corona-bedingtem Home Schooling – was könnte für die Zeit nach der Krise mit normalisierten Schulbetrieb an digitalen Lernangeboten für Zuhause fortgeführt werden?
Binnen weniger Wochen haben viele Landesregierungen die Versäumnisse der letzten Jahre zu spüren bekommen: Die Digitalisierung an Schulen scheiterte meistens nicht am Können, sondern am Wollen. Die Kommunikation der Schüler mit den Lehrern ist dabei ein sehr guter Anhaltspunkt: Vielerorts gab es für Lehrkräfte nicht einmal dienstliche E-Mail-Adressen. Der Einsatz privater Adressen – vielerorts durch Datenschutzregelungen verboten. Einige Länder rüsten deshalb die Maßnahmen, die für die nächsten Jahre geplant waren, binnen weniger Wochen auf. Bei einem Gespräch mit CDU-Generalsekretär Ziemiak sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien „Vieles was vorher nicht ging, geht auf einmal.“ Diese Gunst der Stunde müssen wir nutzen, und vor allem in Sachen Schulcloud weiterhin nachbessern.

Im Moment sind es überwiegend Provisorien, die eingerichtet wurden. Später müssen dann die „richtigen“ Systeme eingesetzt werden. NRW z.B. hat die Schulcloud Logineo entwickeln lassen. Der Ansatz ist gut – an der Umsetzung scheitert es noch. Über diese Clouds soll die Verbindung zwischen der Schularbeit und der eigenen Arbeit zu Hause verbessert werden. Von der simplen digitalen Erreichbarkeit von Aufgaben, bis hin zu weiteren Zoom-Meetings zur Klausurvorbereitung, die Lernangebote müssen genauso dynamisch sein wie unsere Arbeitswelt.

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Digitale Angebote stellt auch die Lehrerschaft vor Herausforderungen – wie müssen die Lehrer bei der Arbeit mit digitalen Hilfsmitteln begleitet werden?
Die Pandemie bringt die Lehrkräfte unserer Republik ins Schwanken: Oftmals können die jungen Lehrer naturgemäß besser mit den digitalen Hilfsmitteln und Plattformen umgehen, bei den älteren Kollegen hingegen sieht es oft anders aus. Insbesondere für diese benötigen wir auch zwingend mehr verpflichtende Fortbildungen im digitalen Bereich. Vielerorts wird dieser Fortbildungsbereich mehr oder weniger gar nicht angeboten – und meistens nicht wahrgenommen. Einige Lehrkräfte schaffen es auch im Jahr 2020 noch nicht, sich im Schulnetzwerk an Rechnern einzuloggen oder Materialien per E-Mail zu versenden, für eine digitale Welt im 21. Jahrhundert, ist das tödlich. Auch nach dem Referendariat dürfen die Lehrkräfte das Benutzen digitaler Anwendungen und Plattformen nicht verlernen und müssen stetig auf den neusten Stand gebracht werden.

Digitale Angebote brauchen Technik - wie lässt sich einer zunehmenden digitalen Spaltung der Schülerschaft entgegenwirken?
Für die Lösung des Technikbedarfs gibt es mehrere Ansätze. Zum einen ist die „Bring-your-own-Device“ (BYOD), also das Nutzen vorhandener Geräte der Schüler, eine beliebte Möglichkeit. Für Schüler, die keine entsprechenden Ressourcen haben, gibt es hier oft Unterstützungsmöglichkeiten. Andere Kommunen fangen an, iPads klassensatzweise zu kaufen. Beide Ansätze haben jeweils Vor- und Nachteile. Bei der BYOD-Methode kommt es vor allem auf die Software an: Notwendige Systeme müssen kompatibel mit diversen Betriebssystemen sein. Bei den iPads kommt man hingegen sehr schnell in eine komplexe Abwicklungsfrage: iPads halten schließlich auch nicht unendlich lange, können kaputt gehen und müssen regelmäßig ausgetauscht werden – eine weitere Frage der Finanzierung. Persönlich bin ich der Ansicht, dass nahezu jeder Schüler heutzutage die dafür notwendige Technik besitzt und es aus Gründen der Finanzierung und Nachhaltigkeit auch sinnvoll ist, diese einzusetzen – unter Rücksichtnahme der Schwächeren.

Digitalisierung erfordert Investitionen, brauchen die Schulen in den Ländern nach dem gerade erfolgten Digitalisierungsschub zusätzliche Unterstützung vom Bund - und welche Potenziale sehen Sie in länderübergreifender Zusammenarbeit?
Zusätzliche Unterstützung: Definitiv! Der DigitalPakt Schule, mit einem Volumen von 5 Mrd. Euro, hat die Grundsteine gelegt. Aber Digitalisierung ist keine Einmalinvestition, es ist ein fortschreitender Prozess. Technik kann zwar einmal angeschafft werden, muss jedoch erneuert und gewartet werden. Systeme bedürfen ebenfalls intensiver Wartung und Pflege. All das kostet weiter Geld. Eine grundlegende Frage hierbei ist, wie weit man in den Bildungsföderalismus eingreifen kann und darf. Klar muss sein, dass die Grundkompetenz immer noch bei den Ländern liegt. Daher kann der Bund mehr oder weniger „nur“ finanziell unterstützen – und den Ländern organisatorische Unterstützungen bieten. Gerade da muss sich die KMK auch auf Standards einigen. Eine länderübergreifende Zusammenarbeit erhöht die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und reduziert die Probleme, die bei Schulwechseln oder dem Übergang zum Studium entstehen können.

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