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Interview19.06.2024

Digitales Kompetenzzentrum für Schulen in Rheinland-Pfalz

Wie das Land die Transformation vorantreibt

Dr. Stefanie Hubig - Ministerin für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz Quelle: BM.PLP/Peter Bajer Dr. Stefanie Hubig Bildungsministerin Landesregierung Rheinland-Pfalz
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Wir haben allein in den vergangenen fünf Jahren Landesmittel von fast 100 Millionen in die Digitalisierung der Schulen gesteckt", betont die rheinland-pfälzische Bildungs-Ministerin Dr. Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin sieht weiteren Investitionsbedarf und dabei auch den Bund in der Pflicht.





Der Digitalpakt Schule hatte das Ziel, eine „leistungsfähige digitale Bildungsumgebung“ zu schaffen – wo stehen die Schulen in Ihrem Bundesland nun diesbezüglich?
Digitale Bildung spielt in Rheinland-Pfalz schon lange eine große Rolle. Wir haben allein in den vergangenen fünf Jahren Landesmittel von fast 100 Millionen in die Digitalisierung der Schulen gesteckt: in den Aufbau unserer Plattformen Bildungsportal und Schulcampus RLP für vernetztes und interaktives Arbeiten, in die digitale Infrastruktur, in das KI-Tool „fobbiz“ oder in das Digitale Bücherregal.

Der DigitalPakt hat eine entscheidende und wichtige Rolle gespielt, damit wir unseren Weg weitergehen, Maßnahmen ausbauen und beschleunigen konnten. Die Mittel, die
uns aus dem DigitalPakt zustehen, sind komplett gebunden und zum größten Teil auch schon in den Schulen angekommen – in Form von Beamern und interaktiven Boards, aber auch in Form von 46.000 Leihgeräten für Lehrkräfte und 57.000 Tablets und Laptops für bedürftige Schülerinnen und Schülern. Weil wir das Erreichte auf Dauer sichern wollen, unterstützen wir auch mit rund 24 Millionen Euro die Schulträger bei Support und Administration. Wir haben heute insgesamt ein enorm hohes Ausbauniveau erreicht, dazu passt auch eine WLAN-Ausleuchtung von rund 97 Prozent. Insgesamt hat der DigitalPakt mehr als 300 Millionen Euro nach Rheinland-Pfalz gebracht. Das ist viel Geld, aber es ist gerechtfertigt und gut angelegt. Das zeigen uns die vielen positiven Rückmeldungen von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern.

Welche Anstrengungen – und welche Unterstützung vom Bund - sind künftig nötig?
Da gilt dasselbe wie im Fußball: In die Bundesliga aufzusteigen ist schwer. In der Bundesliga zu bleiben, ist noch schwerer. Wir müssen weiter kräftig in unsere Bildungsinfrastruktur investieren, ihre Pflege, ihre Wartung, ihre Weiterentwicklung. Dafür brauchen die Länder zwingend Unterstützung vom Bund im Rahmen eines DigitalPakts 2.0. Ein Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr halten die Länder hier für angemessen. Denn es geht ja nicht nur darum, die Technik auf dem neuesten Stand zu halten. Digitale Bildung ist viel mehr als Einsen und Nullen, es geht auch um gute Inhalte. Wir müssen zum Beispiel die Lehreraus- und -fortbildung forcieren, wir müssen die curricularen Standards für Medienkompetenz immer wieder anpassen – ich sage nur das Stichwort: KI! Und wir müssen bei der Verteilung der Mittel noch schneller und effizienter arbeiten, dabei auch über Ländergrenzen hinweg gut kooperieren. Sie sehen: Es geht hier um viel mehr als IT-Administration oder Investitionen in Technik. Es geht um den Auf- und Ausbau eines Gesamtpakets digitale Bildung.

Mit neuer Technik wachsen auch die Anforderungen an das Lehr-Personal. Wie wird die Lehrerschaft für diese Herausforderung fit gemacht?
Damit unsere Lehrkräfte mit den immer schnelleren digitalen Entwicklungen Schritt halten können, sind Fort- und Weiterbildungen enorm wichtig. Bei dem neuen KI-Tool „fobizz“ zum Beispiel, das unsere Schulen seit Februar haben, sind sie ein integraler Bestandteil, denn gerade auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz ist der Fortschritt rasant. Zudem haben wir in Rheinland-Pfalz ein bundesweit einzigartiges Digitales Kompetenzzentrum gegründet. Es bündelt die Unterstützung und Beratung in allen digitalen Fragen. Schon im Jahr 2007 wurde in Rheinland-Pfalz digitale Bildung fest in der Lehramtsausbildung verankert. Heute haben wir eines der umfangreichsten Fortbildungsangebote bundesweit und sehen, dass das Interesse daran sehr groß ist. Die Teilnehmerzahlen an den Digitalfortbildungen steigen und die Lehrkräfte sind mit der Qualität sehr zufrieden. In einer Umfrage dazu hat Rheinland-Pfalz vor drei Jahren die besten Werte aller Länder erreicht. Und was man nicht vergessen sollte: Damit Lehrkräfte die Kapazitäten haben, sich fortzubilden, entlasten wir sie und die Schulträger beim IT-Support – mit rund sechs Millionen Euro im Jahr und mit digitalen Koordinatoren in jeder Schule.

Wissenschaftler befürchten, dass digitale Medien sogar negative Auswirkungen auf das Lernen haben könnten. Welches Maß und welche Art der Digitalisierung ist an den Schulen überhaupt sinnvoll?
Digitale Medien begleiten Kinder von Anfang, deshalb müssen wir auch die Kinder begleiten. Uns leitet dabei keine blauäugige Digitalgläubigkeit. Die Entwicklung und der schulische Einsatz aller Tools werden daher wissenschaftlich begleitet und datenschutzkonform abgesichert. Das gilt für die Plattform Schulcampus RLP ebenso wie für den KI-Einsatz bei „fobizz“ oder ganz aktuell für den „Schulchat“, unseren neuen landeseigenen Messenger-Dienst für schnelle und geschützte Kommunikation innerhalb von Klassen und Kursen. Wir wollen junge Menschen zu einem souveränen, verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit Medien erziehen. Dank altersgerechter Projekte wie „medienBUNT-rlp“ können wir mit Medienerziehung schon in den Kitas beginnen, mit „Medienkompetenz macht Schule“ setzen wir das in der Schule nahtlos fort. Über allem steht: Digitale Medien werden in Rheinland-Pfalz weder verteufelt noch glorifiziert. Kinder und Jugendliche sollen lernen, ihre Chancen zu erkennen, sie sinnvoll zu nutzen und zugleich Risiken kritisch hinterfragen können. Und natürlich wird es auch künftig eine ausgewogene Mischung aus analogen und digitalen Lernmethoden geben. Das Schreiben mit der Hand und das Lesen von Büchern bleiben wichtige Kulturtechniken und werden in Rheinland-Pfalz ganz bestimmt nicht abgeschafft.

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