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Interview20.07.2023

Die Halbleiterindustrie als Schlüsselindustrie

Wie Sachsen die Chipindustrie fördert

Martin Dulig, Minister im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Quelle: SMWA, www.ronaldbonss.com Martin Dulig Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Staatsregierung Sachsen
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Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Wir benötigen Halbleiter, um die brennenden Herausforderungen unserer Zeit zu meistern", konstatiert der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig. Bei Ansiedlungen gilt es für ihn, im internationalen Wettbewerb gegen konkurrierende Programme zu bestehen.





Inwieweit sind Subventionen der richtige Weg, um den Anteil in Europa produzierter Mikrochips substanziell zu erhöhen?
Die Halbleiterindustrie ist eine Schlüsselindustrie. Kaum ein Teil unseres Lebens kommt ohne sie aus – vom Auto bis hin zur Waschmaschine. Wir benötigen Halbleiter, um die brennenden Herausforderungen unserer Zeit zu meistern: Digitalisierung, Energiewende, Elektromobilität, Künstliche Intelligenz. Dieser Industriezweig ist damit entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft und angesichts der aktuellen geopolitischen Umwälzungen letztlich ebenso für unsere Sicherheit.

Wenn die Halbleiterhersteller für ihre neuesten Chip-Generationen Fertigungsstandorte suchen und dafür sogar Neuansiedlungen planen, erwarten sie angemessene öffentliche Unterstützung. Hier gilt es, auch im internationalen Wettbewerb gegen konkurrierende Programme zu bestehen – etwa mit den USA und den dortigen Förderangeboten. Ansiedlungen, die jetzt außerhalb von Europa geschehen, können wir später nicht nachholen. Das umfasst insbesondere auch die Mitansiedlung oder den denkbaren Verlust vor- und nachgelagerter Wertschöpfungsstufen und Dienstleister. So schaffen wir nicht nur Arbeitsplätze in der Halbleiterindustrie, sondern sichern und erhalten unser aller Zukunft und Wohlstand.

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Können neuerliche Investitionen sowie der avisierte EU-Chips-Act die erhofften Ziele wie etwa umfassende Stärkung der Forschungs- und Technologieführerschaft, Ausbau der Kapazitäten Europas und Entkopplung von globalen Halbleiterlieferketten erreichen?
Jeder dritte in Europa produzierte Chip kommt bereits aus dem Silicon Saxony mit seinen mehr als 70.000 Beschäftigten. Nach der Bosch-Ansiedlung in Dresden investiert nun auch Infineon fünf Milliarden Euro in ein neues Werk in Dresden und will etwa 1.000 neue Jobs schaffen. In Sachsen ist ein komplettes Halbleiter-Ökosystem entstanden, welches neben den Herstellern auch ein sehr großes Portfolio von Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen aufweist.

Zusätzlich ist Sachsen mit seiner engen Verflechtung der Industrie mit der Spitzenforschung und Entwicklung einmalig in Europa aufgestellt. Die geplante Intel-Ansiedlung in Magdeburg wird auch das länderübergreifende ostdeutsche Chip-Cluster stärken. Das zeigt eindeutig, dass die langjährigen Bemühungen zum wiederholten Male Früchte tragen.
Die Entwicklung der Chiptechnologie in und um Dresden erhält gerade den nächsten Innovations-Schub. Im Rahmen eines IPCEI – das ist ein wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse – sollen auch neun sächsische Vorhaben für technologischen Vorsprung Europas sorgen. Der Bund und Freistaat werden sie mit voraussichtlich rund 877 Millionen fördern.

Ist die Strategie, mittel- bis langfristig eine Führungsrolle der EU in diesem Bereich gewährleisten, überhaupt sinnvoll und notwendig, oder sollte der Fokus nicht eher auf Kooperationen liegen?
Die Halbleiterindustrie kooperiert untereinander weltweit und grundsätzlich sind Kooperationen, die auf Transparenz, Fairness und sozialen Standards beruhen, zu begrüßen. Gegenwärtig geht es aber vor allem darum, sich aus der hohen Abhängigkeit vom amerikanischen und insbesondere vom asiatisch/chinesischen Markt zu lösen. Und dafür bedarf es einer starken heimischen Produktion. Sachsen fördert auch aktiv und gezielt Kooperationen innerhalb Europas: So hat Sachsen gemeinsam mit zwölf Mikroelektronik-Standorten aus neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Union für 2024 die Gründung einer Allianz der Halbleiter-Regionen initiiert.

Inwiefern kann der aktuelle Fachkräftemangel ausgerechnet in dieser Branche gebrochen werden?
Wir müssen zum einen die inländischen Potenziale besser heben, vor allem durch eine massiv gestärkte Aus- und Weiterbildung. Zum anderen brauchen wir qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland. Um Menschen aus aller Welt für den Freistaat zu begeistern, zählt jedoch nicht allein das Herkommen. Es zählt vor allem das richtige Ankommen, um nachhaltige Integration zu schaffen. Das ist nicht nur eine Unternehmens-, sondern auch und vor allem eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Vor diesem Hintergrund hat der Freistaat 2022 das Zentrum für Fachkräftesicherung und Gute Arbeit (ZEFAS) in Chemnitz eröffnet. Es steht als erster Ansprechpartner für kleine und mittlere Unternehmen in Sachsen bereit. Bei einem Fachkräftegipfel im April 2023 haben die Sächsische Staatsregierung, die Vertreter der Fachkräfteallianz Sachsen und weitere Partner einen Pakt zur Gewinnung internationaler Fachkräfte unterzeichnet. Der Schulterschluss zeigt, dass sich alle der Verantwortung für eine gelebte Willkommenskultur bewusst sind. Fokussieren werden wir unsere Bemühungen in nächster Zeit besonders auf Vietnam, Zentralasien, Brasilien, Ägypten und Indien.

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