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07.07.2020
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BALD ARBEITEN 450 BRANDENBURGER SCHULEN MIT DER SCHUL-CLOUD

Was der Digitalsierungsschub auch nach der Krise bewirken kann

Britta Ernst, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Britta Ernst, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg [Quelle: MBJS]


"In Brandenburg haben wir die digitalen Lernangebote schon in „Vor-Corona“-Zeiten angeschoben", betont Bildungsministerin Britta Ernst. Doch mit der Krise sind wichtige Projekte noch einmal beschleunigt worden - etwa die landesweite Schul-Cloud. Aber auch Schüler/innen und Lehrkräfte stehen im Blickpunkt.


Mit den Erfahrungen aus mehreren Wochen Corona-bedingtem Home Schooling – was könnte für die Zeit nach der Krise mit normalisierten Schulbetrieb an digitalen Lernangeboten für Zuhause fortgeführt werden?
In Brandenburg haben wir die digitalen Lernangebote schon in „Vor-Corona“-Zeiten angeschoben. Gestartet sind wir mit unseren medienfit-Schulen und haben dort zuerst – in Kooperation mit dem Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) – die Schul-Cloud Brandenburg pilotiert, davon profitierten anfangs 54 Pilotschulen. Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir das Pilotprojekt kurzfristig ausgeweitet, inzwischen arbeiten über 300 Brandenburger Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft mit der Schul-Cloud Brandenburg. Zu Beginn des nächsten Schuljahrs werden es rund 450 sein und damit fast die Hälfte aller Brandenburger Schulen. Die Schul-Cloud Brandenburg ist eine leicht bedienbare digitale Lern- und Arbeitsumgebung, auf die Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler orts-, zeit- und endgeräteunabhängig zugreifen können. Die Grundidee der Schul-Cloud ist es, Bildungsinhalte webbasiert überall erreichbar zu machen. Sämtliche Programme und das Benutzerprofil werden via Internet zur Verfügung gestellt. Dadurch wird der Einsatz im Unterricht sowie im außerschulischen Lernen und zu Hause wesentlich erleichtert. Die Schul-Cloud zeichnet sich zudem durch eine einfache Bedienbarkeit und hohe Datenschutzstandards aus. Und das bleibt natürlich auch für die Zeit nach Corona.

Digitale Angebote stellt auch die Lehrerschaft vor Herausforderungen – wie müssen die Lehrer bei der Arbeit mit digitalen Hilfsmitteln begleitet werden?
Die Schulen haben in der aktuellen Situation kreative Möglichkeiten entwickelt, ihre Schülerinnen und Schüler beim Lernen zu Hause gut zu unterstützen, dafür bin ich sehr dankbar. Natürlich müssen die Lehrkräfte für den Umgang mit den digitalen Medien intensiv geschult werden. Damit haben wir begonnen, aber aktuell werden aufgrund der Aussetzung der Fortbildungen vor Ort Hotlines, Chats und Hilfe-Videos und Tutorials angeboten, um Lehrkräfte für ihre Arbeit für das Lernen zu Hause zu unterstützen.

Als zusätzliche Unterstützungsleistung für Lehrkräfte und zur Gewährleistung des Unterrichts auch während der Schulschließungen in Berlin und Brandenburg werden auf den Websites des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) Empfehlungen für niedrigschwellige Tools sowie für nützliche Informationsquellen zusammengetragen. Sie sollen eine Anregung insbesondere für diejenigen Lehrkräfte bilden, die bisher gar keine oder nur wenig Erfahrungen mit dem Einsatz von digitalen Anwendungen im Unterricht haben und auf kein Lernmanagement-System zurückgreifen können oder wollen. Der Fokus in der Auswahl liegt daher auf der Einfachheit der Werkzeuge.

Digitale Angebote brauchen Technik – wie lässt sich einer zunehmenden digitalen Spaltung der Schülerschaft entgegenwirken?
Wir wissen dank einer Zusatzerhebung der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) zur HBSC-Studie, dass drei Viertel von rund 3.000 befragten Schülerinnen und Schülern in ihren Familien über mehr als zwei Computer (einschließlich Laptops und Tablets) verfügen. Es gibt aber deutliche Unterschiede: In Familien mit Förderschulkindern besitzen fast ein Viertel keinen oder nur einen Computer; sie haben also die schlechtesten Bedingungen für das Lernen zu Hause und bedürfen am stärksten unserer Unterstützung. Seit Anfang Mai können Brandenburger Schulen den Schülerinnen und Schüler, die wir bislang nicht oder schlecht erreicht haben, verstärkt Präsenzangebote im Unterricht an der Schule anbieten.

Digitalisierung erfordert Investitionen, brauchen die Schulen in den Ländern nach dem gerade erfolgten Digitalisierungsschub zusätzliche Unterstützung vom Bund – und welche Potenziale sehen Sie in länderübergreifender Zusammenarbeit?
Die Investitionen an Schulen – auch zur Digitalisierung – sind Aufgabe der Schulträger. Land und Bund unterstützen sie dabei. Der Bund hat beispielsweise den „DigitalPakt Schule 2019-2024“ zur Verbesserung der IT- und Medienausstattung von Schulen aufgelegt, die Antragsfrist haben wir wegen Corona aktuell verlängert. Aus dem „Sofortausstattungsprogramm“ des Bundes bekommt Brandenburg ca. 15 Millionen Euro. Die Mittel sollen den Schulträgern zur Anschaffung von digitalen Endgeräten zur Verfügung gestellt werden. Das soll insbesondere Kindern und Jugendlichen aus Elternhäusern helfen, für die die Anschaffung eines digitalen Endgerätes eine finanzielle Hürde darstellt. Sobald die Mittel bereitstehen, werden wir das Programm in Brandenburg rasch umsetzen.

Durch die geplante Erweiterung des Digital-Paktes von Bund und Ländern um 500 Millionen Euro des Bundes werden gezielt Schülerinnen und Schüler digitale Endgeräte zur Verfügung gestellt werden, die bisher keinen Zugang hatten. Das ist eine sehr wichtige Initiative.