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Interview13.11.2020

Anteil der Telearbeit muss klar geregelt sein

Welche Quote eine Gewerkschaft in Österreich empfiehlt

Michael Huber - Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Salzburg Quelle: GPA Michael Huber Landesgeschäftsführer Gewerkschaft der Privatangestellten Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Salzburg
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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In Sachen Homeoffice und Mobile Arbeit ist für Michael Huber von der Gewerkschaft der Privatangestellten Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) das zentrale Element "die Freiwilligkeit und die gilt es auch weiterhin zu bewahren". Er sieht einige Vorteile bei neuen Arbeitsformen aber auch noch offene Fragen in rechtlicher Hinsicht.





Nach aktuellen Erhebungen wollen viele Unternehmen und die Mitarbeiter das zur Corona-Krise eingeführte Homeoffice dauerhaft stärker etablieren – was sind die wichtigsten Vorteile davon?
Hier muss man gleich anmerken, dass Homeoffice eine Form der Telearbeit ist. Meiner Meinung nach, wird nicht nur Homeoffice stärker und dauerhaft etabliert werden, sondern Telearbeit allgemein. Unter dem Stichwort „Mobile Working“ fand diese Form der Arbeitsgestaltung schon vor Corona immer breiteren Zuspruch. Die Vorteile von Telearbeit in Form von Homeoffice für den/die ArbeitnehmerIn können dabei sein:
- Entfall oder starke Reduzierung der Fahrtkosten und –zeiten zum und vom Betriebsstandort.
- Hohe Zeitsouveränität, sofern eine für Telearbeit/Homeoffice passende Gleitzeitvereinbarung abgeschlossen wurde.
- Möglichkeit berufliche Anforderungen mit privaten Interessen zu koordinieren.

Vorteile für den/die ArbeitgeberIn können sein:
- Kostensenkung durch Verringerung von unnötigen, zeitaufwendigen und unproduktiven Fahrten zwischen Einsatzort und Betriebsstandort, wenn der Heimatort näher liegt.
- Arbeiten im Homeoffice ermöglicht in vielen Berufsfeldern konzentrierteres Arbeiten ohne Ablenkung.
- Steigerung der MitarbeiterInnenzufriedenheit um 10 – 20 % wodurch die Einsatzbereitschaft und Identifikation mit dem Unternehmen zunimmt.

Daneben dürfen aber auch die Nachteile nicht vergessen werden.
- Sinkende Kommunikation der ArbeitnehmerInnen untereinander kann Unzufriedenheit auslösen und die Produktivität wieder senken.
- Höhere Selbstausbeutung der ArbeitnehmerInnen und dadurch eine höhere Gefahr von gesundheitlichen Einschränkungen und Spätfolgen.
- Die Gefahr, dass der/die ArbeitnehmerIn bei Krankheit nicht in den Krankenstand geht, sondern von Zuhause aus arbeitet.

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Untersuchungen zeigen, dass individuelle Arbeit im Homeoffice besser als Teamarbeit funktioniert. Was bedeutet das für das Management?
Diese Ansicht kann ich so nicht bestätigen. Es gibt auch Studien, die belegen, dass reines Homeoffice schlechter funktioniert. Vor allem in Bereichen in denen eine Kommunikation unter den Abteilungen bzw. MitarbeiterInnen notwendig ist. Ich denke, dass es den nötigen Mix aus Telearbeit und Anwesenheiten im Betrieb benötigt. Für das Management bedeutet das, dass der zeitliche Anteil an der Wochenarbeitszeit, an denen sich die Beschäftigten in Telearbeit befinden, klar geregelt sein muss. Ein Lösungsvorschlag könnten generelle Anwesenheitstage sein. Auf alle Fälle raten wir zu einer maximalen Telearbeitsquote von 50%.

Inwieweit lassen sich Büroflächen und Dienstreisen durch Homeoffice-, Hybrid-Modelle und Online-Meetings einsparen einsparen?
Es gibt heute bereits Desk Sharing Modelle, die manchmal gut funktionieren und manchmal weniger gut. Auf alle Fälle ist die Umstellung der Büroarbeitsplätze ein längerer Prozess, der auch professionell begleitet werden muss. Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin, die jahrelang ein eigenes Büro hatte, wird nicht so einfach auf ein Desk Sharing Modell umsteigen wollen. Dienstreisen die von Zuhause angetreten werden, können den positiven Effekt haben, dass die Fahrzeit kürzer ist. Hier ist eine flexible eigenverantwortliche Entscheidung des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin wohl die effektivste und einfachste Lösung.
Im Bereich der Online Meetings hat die digitale Berufswelt in den letzte sechs Monaten wohl einen riesigen Sprung gemacht. Viele wurden in Online Meetings „gezwungen“ und haben bemerkt das es funktioniert. Hier ist ebenfalls ein Einsparungspotential im Hinblick auf Dienstreisen möglich.

In der Politik werden die Regeln für Homeoffice-Arbeit disktuiert. Welche sollten aus Ihrer Sicht gelten?
Das aktuelle Recht liefert schon jetzt viele brauchbare Regeln die zu berücksichtigen sind. Das zentrale Element ist aber die Freiwilligkeit und die gilt es auch weiterhin zu bewahren. Weder ArbeitnehmerInnen noch AbeitgeberInnen haben einen einseitigen Anspruch auf Telearbeit. Aus meiner Sicht sind die derzeit noch offenen Themen im Unfallversicherungsschutz und im ArbeitnehmerInnenschutz zu finden. Es muss im Gesetz klar geregelt werden, was bei der Telearbeit/Homeoffice als Arbeitsunfall zu werten ist. Vor allem wenn es eine Mischung zwischen den privaten und den beruflichen Bereich gibt, ist die rechtliche Abgrenzung derzeit sehr schwierig. Beim ArbeitnehmerInnenschutz sind die Themen vor allem die ergonomische Ausgestaltung des Arbeitsplatzes im eigenen Heim. Nicht jeder/jede hat ein eigenes Büro daheim. Viele müssen ihre Homeoffice Tätigkeit vom Küchentisch oder Wohnzimmertisch aus erledigen. Hier braucht es klare Regelungen und auch finanzielle Unterstützungen. Und es benötigt ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit und den Rechtsanspruch auf einen eigenen Büroarbeitsplatz am Betriebsstandort.

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