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Alte Regeln machen nach der Krise wieder Sinn

Wie Videosprechstunden helfen können und wo die Grenzen liegen

Dipl.-Psych. Dr. Johanna Thünker - Vorsitzende des Verbandes Psychologischer Psychotherpeutinnen und Psychotherapeuten im BDP e.V. Quelle: Thomas Rosenthal Dr. Johanna Thünker Vorsitzende Verband Psychologischer Psychotherpeutinnen und Psychotherapeuten im BDP e.V. 26.05.2020
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Die Chancen von Videosprechstunden liegen für Dr. Johanna Thünker auf der Hand, "Distanzen können leichter überbrückt werden, das ist gerade in ländlichen Regionen, bei immobilen Personen, Alleinerziehenden usw. von Vorteil." Die Psychologische Psychotherapeutin und Verbandsvorsitzende ist dennoch dafür, nach der Krise zur alten 20-Prozentregel zurückzukehren - und nennt dafür die Gründe.







Anbieter von Telemedizin-Lösungen Video verzeichnen vor allem im Bereich der Videosprechstunden in der aktuellen Corona-Krise einen starken Nachfrage-Zuwachs. Welchen Beitrag können Videosprechstunden zur Entlastung des Gesundheitswesens leisten?
Videosprechstunden können überall da helfen, wo aufgrund der Corona-Pandemie ein persönlicher Kontakt nicht möglich bzw. nicht zu verantworten ist. Also insbesondere da, wo Therapie nicht unter Einhaltung der notwendigen Abstandsregeln durchgeführt werden kann oder auch der Weg zur Praxis hin ein Risiko für Patientinnen und Patienten bedeuten würde. Insbesondere wenn eine der beiden Seiten Vorerkrankungen hat und das Risiko besonders hoch ist, kann ohne die Möglichkeit der Fernbehandlung per Video eine Therapie oft nicht fortgesetzt werden.

Für welche Krankheitsbilder und Patientenkreise sind Videosprechstunden besonders gut geeignet?
Videosprechstunden sind besonders gut geeignet für Patientinnen und Patienten, die sich a) auf diese Form der Kommunikation einlassen können und b) nicht auf direkte persönliche Zuwendung angewiesen sind. Umgekehrt nicht so gut geeignet ist sie bei sehr jungen Menschen (Kindern) und ältere Menschen sowie Menschen in akuten Krisensituationen.

Im Zuge der Corona-Krise wurden Beschränkungen für Videosprechstunden gelockert. Wie sollten die Regeln nach einem möglichen Ende der Corona-Krise gestaltet werden?
Die Regel vor der Corona-Krise besagte seit einiger Zeit, dass bis zu 20% der Behandlungen per Videosprechstunde durchgeführt werden können. Dazu gab es die Auflage, dass zu Beginn mindestens ein persönlicher Kontakt stattgefunden hat. Es macht Sinn, zu einem solchen Vorgehen auch nach der Corona-Krise wieder zurückzukehren. Der Goldstandard bleibt der persönliche Kontakt.

Nach dem MLP-Gesundheitsreport aus dem Jahr 2019 kamen hatten nur 10 % Prozent der Ärzte Videosprechstunden im Angebot oder in Planung und nur für 33 % der Patienten kämen solche Angebote in Frage. Kann die Corona-Krise helfen, die Skepsis gegenüber solchen Angeboten zu verringern?
Mit Sicherheit. Beide Seiten mussten sich nun mit diesem "neumodischen Kram" beschäftigen und viele haben gemerkt, dass es einfacher geht, als gedacht. Aber auch die Limitationen wurden deutlich, weswegen die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen sowie der Patientinnen und Patienten den persönlichen Kontakt auch weiterhin als primäre Behandlungsform wählen werden.

Welche Chancen und Herausforderung für die Arbeit mit digitalen Daten entstehen durch den häufigeren Einsatz von Telemedizin-Lösungen?
Die Chancen liegen auf der Hand, Distanzen können leichter überbrückt werden, das ist gerade in ländlichen Regionen, bei immobilen Personen, Alleinerziehenden usw. von Vorteil. Die Krankenkassen spekulieren darüber hinaus natürlich auch darauf, durch automatisiertere Formen der Behandlung (sogenannte Therapie-Apps) viel Geld zu sparen. Die Herausforderung in der Psychotherapie ist sicherlich, auch über die Distanz eine therapeutische Beziehung herzustellen, die für den Behandlungserfolg essenziell ist. Und genau hier liegen auch die Limitationen der Videotherapie und insbesondere von textbasierten oder gar automatisierten Therapieweisen.

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