MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
18.06.2019
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

ALS URBANE VERKEHRSMITTEL BIETEN SEILBAHNEN VÖLLIG NEUE PERSPEKTIVEN

Wofür das Verkehrsmittel sich besonders gut eignet - und wo die Grenzen sind

Dipl-Ing. Peter Lorenz - Stv. Vorstand des VDS - Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte e.V. und Geschäftsführer der Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH

Dipl-Ing. Peter Lorenz - Stv. Vorstand des VDS - Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte e.V. und Geschäftsführer der Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH [Quelle: VDS]


"Seilbahnen sind seit jeher praktizierte E-Mobilität und verursachen keine bzw. nur geringe Emissionen", sagt Peter Lorenz - Stv. Vorstand des VDS - Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte. Lorenz ist zudem Geschäftsführer der Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH und kennt die Vorzüge und Grenzen der Technologie aus dem Arbeitsalltag.


Eine ganze Reihe von Städten prüft die Errichtung von Seilbahn-Linien für den Personennahverkehr. Welche Vorteile bieten Seilbahnen im innerstädtischen Verkehr?
Als urbane Verkehrsmittel bieten Seilbahnen völlig neue Perspektiven für den innerstädtischen Verkehr, da sie mit der Nutzung des Luftraums eine neue Ebene erschließen und damit über eine vom übrigen Verkehr unabhängige Linie verfügen. Außerdem können sie flexibel an bestehende Geländeverhältnisse angepasst werden und nicht nur größere Höhenunterschiede als andere Verkehrsmittel, sondern auch Hindernisse wie z.B. Flüsse oder Gebäude überwinden.

Seilbahnen weisen im Vergleich zu anderen Verkehrssystemen geringere Investitions- und Betriebskosten auf und sind aufgrund ihrer Bauweise deutlich schneller zu realisieren. Ein weiteres wichtiges Argument für Städte: Stationen und Stützen von Seilbahnen haben einen geringen Platzbedarf bzw. Flächenverbrauch. Seilbahnen sind seit jeher praktizierte E-Mobilität und verursachen keine bzw. nur geringe Emissionen. Im Hinblick auf das Unfallgeschehen sind Seilbahnen ein ausgesprochen sicheres Verkehrsmittel.

Seilbahnen legen i.d.R. nur begrenzte Strecken zurück und machen dann ein Umsteigen in andere Verkehrsmittel erforderlich. Wie lassen sich Seilbahn-Konzepte sinnvoll in ein modernes Verkehrsnetz einfügen?
Seilbahnen sind nicht die Standardlösung für jedes Verkehrsproblem. Wir sehen Seilbahnen auch nicht als Ersatz, sondern als sinnvolle Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Angebotes, vorrangig für kurze und mittlere Distanzen. Hier liegen die Stärken der Seilbahn vor allem darin, Lücken zu schließen oder auch tangentiale Verbindungen zwischen mehreren Achsen zu schaffen.

Kritiker wenden zudem ein, dass die Zugänge zu den Kabinen für ältere Menschen oder Menschen mit Handicaps Probleme bereiten könnten. Was sagen Sie dazu?
Diesen Kritikpunkt können wir – zum Teil - für den touristischen Einsatzbereich, oftmals in alpinem Gelände nachvollziehen. Für den Personennahverkehr ist die Barrierefreiheit eine unabdingbare Voraussetzung. Dies ist sowohl für die Stationsgebäude als auch für die Fahrbetriebsmittel planerisch zu berücksichtigen und entsprechend zu realisieren. Seilbahntechnisch ist das unproblematisch. Der Ein- und Ausstieg bei allen Kabinen erfolgt barrierefrei. Die Geschwindigkeit, mit der die Kabinen durch die Stationen fahren ist sehr gering. Mit Stop- and Go Technologie können die Kabinen auch kurzzeitig komplett angehalten werden.

Seilbahnen gelten nicht zuletzt als Attraktion für Besucher – inwieweit könnte der innerstädtische Verkehr dadurch zusätzlich ansteigen?
Seilbahnen üben zweifellos durch den Blick von oben einen großen Reiz für die Fahrgäste aus und verschaffen ein attraktiveres Reiseerlebnis als die Fahrt in anderen Verkehrsmitteln. Studien belegen auch seitens der Fahrgäste eine deutliche Präferenz für die Seilbahn. Ob sich dadurch insgesamt das Verkehrsaufkommen erhöht, ist sicher von Fall zu Fall unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig, unter anderem von der Streckenführung, der Einbindung in das Tarifsystem usw. Für eine valide Aussage hierzu fehlen aktuell noch Erfahrungswerte aus Deutschland.