Suchen und durch das Internet surfen mit KI – das klingt einfach und bequem, kann aber für die Anbieter von Inhalten zum Problem werden. Klassische Nachrichtenportale, Online-Magazine, Blogs und Publisher bekommen weniger Klicks von den Suchmaschinen und erlösen weniger mikt Werbung. Der Kölner Medienwissenschaftler Prof. Dr. Martin Andree spricht in der Fachdebatte auf Meinungsbarometer.info für die Inhalte-Anbieter deswegen von einer Lose-Lose Falle. Einerseits seien sie aufgrund der Monopolisierung des Traffics existenziell darauf angewiesen, dass Verteilstationen wie Google oder ChatGPT Links auf ihre Inhalte ausweisen. Doch dieselben monopolistischen Plattformen seien es, die ihre Inhalte auslesen und dann aggregiert als gratis-Zusammenfassungen anbieten. „Wenn sie ihre Inhalte also gegen die Crawler blocken, verlieren sie, weil ihr Traffic noch stärker einbricht. Wenn sie die Inhalte nicht gegen die Crawler blocken, beschleunigen sie dagegen nur ihren eigenen Untergang – weil dann alle Informationen auch direkt über die KI-Texte verfügbar sind.“
Ruth Meyer, Direktorin der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) und bei der Gemeinschaft der Landesmedienanstalten die Themenbeauftragte für Künstliche Intelligenz, nennt Studien, nach denen die Traffic-Verluste für Inhalteanbieter in einer Spanne von 18 % bis über 50 % liegen. Dies bedrohe die Refinanzierung der Inhalteproduktion, die für eine vielfältige Informationslandschaft unerlässlich ist. Doch nicht nur das: „Zudem verstellt die prominente Platzierung KI-generierter Antworten in den Suchergebnissen die Sichtbarkeit etablierter journalistischer Quellen und verschärft die Konkurrenz durch KI-basierte Technologien. Recherchetiefe, Quellentreue und die Wahrung der Vielfalt in der Medienlandschaft sind in Gefahr.“
Für die Rostocker Forscherin Prof. Dr. Alke Martens gleicht der Einsatz von KI in Suchmaschinen gleicht aktuell einem großen Experiment, das zwei Seiten hat: erstens werde untersucht, ob und wie sich das Suchverhalten und die Suchanfragen im Internet durch Einsatz von KI verändert und zweitens werde geschaut, wie auf der Basis dieser Erkenntnisse neue Marketingstrategien eingeführt werden können und wie Menschen gezielt auf Produkte gelenkt werden können. Alerdings warnt sie: „Wer nur mit KI sucht, kriegt keine korrekten Informationen.“
Deswegen fordern die Betroffenen Konsequenzen „Zum einen muss die Politik dafür sorgen, dass sich private Medien hinreichend refinanzieren können, indem ihnen Spielraum für ihre unternehmerische Tätigkeit gelassen und so ein echtes Level-Playing-Field im Verhältnis zu den Gatekeeper-Plattformen geschaffen wird“, sagt Dr. Matthias Försterling vom VAUNET Verband Privater Medien e.V., „maßgeblich hierfür ist die Sicherstellung ihrer Auffindbarkeit auf den Plattformen“. Zugleich sollte sich die Politik aus seiner Sicht sowohl auf Landes-, Bundes- als auch EU-Ebene für einen gleichberechtigten Zugang zu den Werbemärkten einsetzen. Zum anderen bedürfe es der konsequenten Durchsetzung und Weiterentwicklung bereits vorhandener Regulierungsvorgaben.
Für Holger Kansky vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) drohen ohne klare Regeln drohen Desinformation, Polarisierung und Ausbeutung journalistischer Inhalte – ohne Vergütung, ohne Zustimmung. „Das gefährdet nicht nur Geschäftsmodelle, sondern in der Folge auch die Demokratie.“ Er fordert daher: Vorrang für journalistische Inhalte auf Plattformen, Transparenzpflicht zu Trainingsdaten und Algorithmen, ein Verfügungsrecht der Medien über die Nutzung ihrer Inhalte und eine faire Vergütung journalistischer Inhalte.
Danica Bensmail vom Journalistenverband dju in ver.di fordert neben einer Vergütungspflicht auch Transparenzpflichten für Algorithmen, eine eindeutige Haftung auch für KI-generierte Inhalte. Und „Google, Meta oder TikTok verhalten sich längst nicht mehr wie neutrale Intermediäre, sondern wie redaktionell steuernde Medienakteure. Sie beeinflussen, welche Inhalte sichtbar werden, und damit auch den gesellschaftlichen Diskurs.“ In einer Demokratie dürfe diese Macht nicht unreguliert bleiben.
Dr. Michael Graßl von der Hochschule Magdeburg-Stendal möchte neben der Regulierung noch ein zweites Aktionsfeld stärker in den Fokus rücken: Förderung. „Förderung von Innovationen, Förderung von europäischen Ideen, Angeboten, Infrastruktur und Förderung von Journalismus und somit von Demokratie. Dies kostet Geld, aber dieses Geld muss es uns wert sein.“ All das wäre aus seiner Sicht auch schnell ooder schneller umzusetzen, auch auf einem nationalen Level. Hier sollte die Politik stärker in die Pflicht genommen werden.



