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Summary17.10.2019

Was die Charts noch wert sind

Und wie sie geschützt werden

Uwe Schimunek, Freier Journalist Quelle: Meinungsbarometer.info Uwe Schimunek Freier Journalist Meinungsbarometer.info

Es hagelte Entsetzen und Häme: Nach einer Reportage des öffentlich-rechtlichen Y-Kollektivs über anonyme Charts-Manipulationen stellten sich mehrere Fragen: Hört überhaupt ein echter Mensch die neuen Deutschrapper, Was sind Charts wert, die systematisch manipuliert werden – und ganz grundsätzlich, ist die Entlohnung nach Abrufen bei den Streaming-Plattformen fair?

In unserer Debatte betont Dr. Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment, dessen Unternehmen die offiziellen wöchentliche Charts im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie ermittelt, "dass im erwähnten Fall der Versuch zu manipulieren nicht gelungen ist“. Die Prüfprozesse hätten gegriffen, ein Einzug in die Offiziellen Deutschen Charts sei nicht erfolgt. Auch in weiteren Fällen hätten Versuche zur Manipulation nicht funktioniert.

Überhaupt seien Manipulationsversuche - auch wenn sie nicht gelingen - ein Beleg für den hohen Stellenwert bei den Fans bzw. Konsumenten zur Orientierung und natürlich in der Branche. Zudem seien Manipulationsversuche nicht neu. „Deshalb hat eine breite Koalition internationaler Stakeholdern der Industrie unlängst einen 22 Punkte umfassenden „Code of Best Practice“ formuliert, um Manipulationen im Streaming-Bereich nachhaltig zu unterbinden.“

Prof. Dr. Christoph Jacke, Studiengangsleiter Populäre Musik und Medien (BA/MA) an der Universität Paderborn, erscheint es dementsprechend logisch, „dass auch im Digitalen gewissermaßen Gesetze unterlaufen oder gehackt werden“. Allerdings kommt er zu dem Ergebnis, dass durch Manipulation kultürlich das Vertrauen oder sogar der Glaube an sie schwindet. Hitlisten seien immer opak und ein Stückweit manipulierbar, intransparent vor allem für die Kunden selbst gewesen und insofern könne ein Bedeutungsverlust ebenso positiv als Befreiung von Vorgaben sowie negativ als Verlust von Orientierung gesehen werden. „Dieser Bereich kann hier geradezu typisch für aktuelle, größere gesellschaftliche Entwicklungen gelesen werden.“

Im Zuge der Debatte spricht sich Jörg Heidemann, Geschäftsführer beim Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V., "für ein nutzerbasiertes Abrechnungs-Modell aus, d.h. der für das Abonnement gezahlte Betrag geht direkt an die Künstler_innen, die von der_dem Abonnent_in angehört werden". Wenn ein Abonnen nur eine lokale Künstlerin während eines ganzen Monats höre, erhalte eben diese Künstler den gesamten Monats-Beitrag des Abonnenten. Denn das bestehende Modell stelle einen Bruch zwischen dem, der bezahlt wird und dem, dem man tatsächlich zuhört. Mehr Bewusstsein darüber, für wen das Publikum zahlt, werde auch zu einer höheren Zahlungsbereitschaft für Online-Musik beitragen. Ein nutzerbasiertes Modell wäre außerdem fairer für Künstler und Hörer „und würde gleichzeitig Manipulation erschweren“.

 

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