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Interview24.09.2020

Über den Sog des 2. DAB+ Bundesmux

Warum das lineare Radio eine digitale Zukunft hat

Carsten Zorger - Leiter, Digitalradio Büro Deutschland Quelle: Deutschlandradio - Bettina Straub Carsten Zorger Leiter Digitalradio Büro Deutschland
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Radio wird sich mit digitaler Programmvielfalt und der in Krisenzeiten auch hochgeschätzten Linearität gegenüber Online-Inhalten behaupten können", sagt Carsten Zorger vom Digitalradio Büro Deutschland. In der Digitalisierung des Rundfunks sieht eine Win-Win-Situation für alle und im 2. Bundesmux eine große Chance.





Nach dem aktuellen Digitalisierungsbericht Audio können beinahe zwei Drittel aller Deutschen über alle Gerätegruppen hinweg Radio digital empfangen. Wie lange braucht es noch welche Distributionswege für Radioprogramme?
In der Tat ist diese hohe Digitalisierungsquote bei der Rundfunknutzung ein gutes Zeichen und aus unserer Sicht eine Bestätigung unserer Arbeit – die aber jetzt erst so richtig anfängt. Die Digitalisierung des Rundfunks ist ein komplexer Prozess, der viele, nicht immer homogene Interessenlagen zu vereinen hat. Er kann erst dann als abgeschlossen betrachtet werden, wenn kein Radioprogramm mehr analog, also über UKW, verbreitet wird. Radio wird sich mit digitaler Programmvielfalt und der in Krisenzeiten auch hochgeschätzten Linearität gegenüber Online-Inhalten behaupten können. Und genau deshalb löst DAB+ UKW einmal ab. Wir überlassen es den Hörerinnen und Hörern zu entscheiden, wann das der Fall sein soll.

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Besonders stark ist DAB+ in Bayern und Sachsen - dort gibt es nicht zuletzt auf lokaler Ebene eine besondere Programmvielfalt. Inwieweit ist DAB+ aus Ihrer eine Chance für lokale Anbieter?
Ich denke da an: „Support your local dealer.“ In einer Welt, in der fast alles nur noch einen Mausklick entfernt zu sein scheint, wird regionale und lokale Verankerung immer wichtiger. Das erkennen auch die Programmmacher:

- Das UKW Netz ist augereizt. Neue Inhalte sind nur über DAB+ möglich

- Der technische und damit finanzielle Aufwand zur Verbreitung eines regionalen Radioprogramms über DAB+ macht je nach Sendegebiet nur bis zu einem Zehntel der UKW-Kosten aus

- Nur Radio generiert bei einem erfolgreich gestalteten Programm eine besondere und nachhaltige Kunden- bzw. Publikumsbindung

IP-basiertes Radio wird häufig auf dem Smartphone genutzt. Welches Potenzial für den digitalen Radioempfang steckt in modernen Handys?
Als Universal-Gadget sind Mobiltelefone etabliert. Als Portemonnaie, ID, Auto- und Haustürschlüssel etc. bieten Smartphones auch für den Zugang zu vor allem non-linearen Radio-Inhalten. Theoretisch wäre es den Herstellern von Mobiltelefonen sogar möglich, die Geräte mit einer Option zum digital-terrestrischen Empfang auszustatten. Dann wären Handys gleichzeitig vollwertige Radiogeräte, auch ohne aktiven Mobilfunkvertrag. Allerdings: Den technischen Möglichkeiten stehen die wirtschaftlichen Interessen der Mobilfunkanbieter gegenüber, die über Tarife viel Geld verdienen wollen. An nicht profitablen Diensten und Nutzungskonzepten haben sie kein Interesse. Das Smartphone für den Podcast und das DAB+ Radio für das lineare Hören: eine ideale Ergänzung!

Was bedeutet der Start des zweiten DAB+ Bundesmux für die deutsche Radiolandschaft?
Das ist eine einmalige Chance auf einmalige Reichweiten. Nach dem ersten, bundesweiten Ensemble markiert das zweite und komplett private Bouquet die letzte Chance im grundsätzlich föderal aufgestelltem Deutschland national zu senden. Für Programmanbieter bedeutet das: Allein mit dem Viertel der bundesweiten Haushalte, das bereits jetzt DAB+ empfangen kann, erreichen Sie mehr als zehnmal so viele Haushalte als beispielsweise ein landesweiter Privatsender in Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen. In bestimmten Regionen wächst allein das nationale Programmangebot auf bis zu 29 Programme und übertrifft das jeweils lokale und/oder regionale Angebot. Dort, wo die Vielfalt des Radioangebote noch Luft nach oben hat, wird die steigende Attraktivität der bundesweiten Angebote auch auf regionale und lokale Anbieter wirken. Wir setzen auf diesen Sog. Denn am Ende ist die Digitalisierung des Rundfunks eine Win-Win-Situation für alle: für Hörerinnen und Hörer, Hersteller und Herstellerinnen sowie für Hörfunkmacherinnen und -macher.



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