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Interview11.12.2020

Welche Ladengeschäfte in der digitalen Welt gebraucht werden

Und wie die Corona-Krise die Defizite im Einzelhandel gnadenlos offenlegt

Christoph Wenk-Fischer - Hauptgeschäftsführer Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) Quelle: bevh Christoph Wenk-Fischer Hauptgeschäftsführer Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"25 Jahre Abwarten lassen sich nicht so einfach aufholen", sagt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh). Nun müssen sich die Händler aus seiner Sicht auf die anderen Prozesse im E-Commerce einstellen. Er sieht bei den vorhandenen Strukturen und vor allem Infrastrukturen aber auch die Politik gefragt.





Aktuelle Studien bescheinigen dem Einzelhandel verstärkte Bemühungen beim Aufbau digitaler Vertriebskanäle. Wo steht der hiesige Einzelhandel auf dem Weg der Digitalisierung aus Ihrer Sicht?
25 Jahre Abwarten lassen sich nicht so einfach aufholen! Die "katalytische Wirkung" der Corona-Krise legt dieses Defizit gerade gnadenlos offen. Hinzu kommt, dass die Prozesse im E-Commerce ganz andere sind als im traditionellen Einzelhandel: Keine Kundin, kein Kunde denkt in sogenannten "Vertriebskanälen", sondern nutzt selbstverständlich die Möglichkeiten zum Einkaufen, die am besten zum eigenen Leben, zum Arbeiten und der Freizeit passen. Die Herausforderung ist für Händler, dem gerecht zu werden und genau dort vor Ort oder im Netz mit dem entsprechenden Angebot präsent zu sein, wo auch die Kundinnen und Kunden sind. Das Wissen dafür ist jedenfalls da: Man kann nicht zuletzt dank unserer Initiative seit drei Jahren eine duale Berufsausbildung als E-Commerce Kaufleute machen, seit letztem Jahr auch E-Commerce Fachwirtin oder -wirt auf andere Ausbildungen aufsetzen oder schon lange E-Commerce an vielen Hochschulen studieren. Und, um eine Lanze für den Handel zu brechen: Die vorhandenen Strukturen und vor allem die Infrastrukturen aufzubrechen, die viele Städte zu monotonen, autolastigen und abends toten Einkaufszentren gemacht haben, ist eine planerische und politische Aufgabe.

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Inwieweit können Kooperationen und Verbundlösungen bei den Online-Angeboten dem hiesigen Einzelhandel gegen die Übermacht der großen Internetkonzerne helfen?
Kooperation und Vernetzung ist eine Möglichkeit im Internet erfolgreich zu sein. Nehmen Sie das erfolgreiche Unternehmen unseres bevh-Präsidenten, das aus einer Verbundgruppe von Inneneinrichtungsgeschäften schon vor einiger Zeit weise und vorausschauend gegründet wurde. Der Zusammenschluss ermöglicht es die Expertise der einzelnen Händler zu bündeln und die Vielfalt des Warenangebotes viel breiter verfügbar und damit attraktiver zu machen. Aber eine andere Möglichkeit ist es, die Lücke, die Nische, das spezielle Segment zu finden, in dem ich mich durch mein individuelles Waren- und Serviceangebot von den Großen durch Individualität abgrenzen und meine durch stationäre Präsens erworbene lokale oder regionale Bekanntheit nutzen kann. Auch der traditionelle Handel war und ist geprägt von einigen wenigen Großkonzernen und vielen kleinen Händlern. Warum sollte man also darauf bauen, dass die großen Internetkonzerne verschwinden, um dann erst mit E-Commerce zu starten?

Digitalisierungs-Projekte erfordern oft erhebliche Investitionsmittel, wie sollte der Staat die Einzelhändler dabei unterstützen?
Direkte finanzielle Zuschüsse sind marktwirtschaftlich und politisch das falsche Signal. Es würde damit das Nichtstun einiger in den letzten 25 Jahren belohnen, während andere mit erheblichem eigenem Aufwand und der Reinvestition von Erlösen den Hebel in Richtung Digitalisierung schon umgestellt haben. Die Aufgabe des Staates ist primär eine planerische und steuernde. So kann er die Entwicklung der notwendigen neuen Infrastrukturen, fördern und lenken, in Bildung und Wissen und dessen Vermittlung investieren, Modellprojekte der Digitalisierung aufsetzen und unterstützen und er kann steuerliche Anreize setzen.  

Zuletzt ein Blick nach vorn: Welche Zukunft hat das klassische Ladengeschäft dauerhaft noch?
Es muss und wird auch in Zukunft noch Ladengeschäfte geben. Aber diese sind entweder lokal oder regional in einer stabilen Nische beheimatet. Oder, sie sind einer der Anlaufpunkte, die ein digitaler Händler ganz bewusst seinen Kundinnen und Kunden bietet, um die beiden einzig relevanten Motive, warum stationär eingekauft wird, zu bedienen: Die sofortige Verfügbarkeit der Ware und die haptische Erfahrung, also das Anfassen, fühlen, riechen oder schmecken können. Alle anderen immer wieder in der öffentlichen Diskussion genannten Argumente pro Laden, wie das Einkaufs- oder Beratungserlebnis, das Soziale, das Kulturelle, die Verbindung von Shopping mit weiteren Aktivitäten, spielen für die Kunden eine untergeordnete Rolle. Das hat erst eine von uns im Juli durchgeführte repräsentative Befragung eindeutig ergeben.

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