Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview10.10.2023

Warum Kunststoffe Zukunft haben können

Effizienzkriterien und Prioritäten definieren

Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des GKV Quelle: GKV/BerlinBlick Jens Ochmann Dr. Oliver Möllenstädt Hauptgeschäftsführer GKV
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

Eine produkt- und materialbezogenes Recyclingsystem für Kunststoffe wird nach Meinung von Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV), eine überragende Rolle spielen, um die wertvollen Rohstoffe lange in der Nutzung zu halten.





Wie kann man sicherstellen, dass alternative Kunststoffe wirklich nachhaltig sind?
Aktuell bestehen drei unterschiedliche Optionen für Alternativen zu fossil-basierten Kunststoffen: Kunststoffe aus dem mechanischen und dem chemischen Recycling von Kunststoff-Abfällen, biobasierte Kunststoffe sowie Kunststoffe auf Basis von CO2.

Das Konzept der Nachhaltigkeit wird durch die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) operationalisiert. Zielkonflikte zwischen einzelnen SDG sind möglich. In Bezug auf mögliche Alternativen zu fossil-basierten Kunststoffen spielen viele Aspekte eine Rolle. Insbesondere der CO2-Fußabdruck und die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen in der Erzeugung sollten bei der Nachhaltigkeitsbewertung unbedingt beachtet werden. Zudem spielt eine Rolle, ob andere schädliche Wirkungen von der Produktion alternativer Kunststoffe ausgehen und wie sich diese im Lebenszyklus auf die Umwelt auswirken. So wird bei bioabbaubaren Kunststoffen die Ressourcennutzung möglicherweise nicht in jedem Fall optimal sein, da der Lebensweg der Produkte in einer Kompostieranlage endet, ohne Möglichkeit zum Recycling.

JETZT HERUNTERLADEN

DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

DIE DOKUMENTATION ENTHÄLT

alle Debattenbeiträge ungekürzt im Original
Übersicht aller aktiven Debattenteilnehmer
Summary für Ihr Top-Management
MEHR ERFAHREN


Stehen wir in Sachen Biokunststoffe vor einer neuen Tank-oder-Teller-Diskussion?
Biokunststoffe haben ihren Platz im Markt. Es muss ausgeschlossen sein, dass die Erzeugung von Rohstoffen für die Kunststoff-Produktion in einen Wettbewerb zur Nahrungsmittelerzeugung gestellt werden. Andernfalls wäre die Akzeptanz von Biokunststoffen gering. 

Wie steht es bei Biokunststoffen um das Prinzip der Kaskadennutzung, das in ihrem Fall bedeuten würde, sie zunächst stofflich in langlebigen und reparierbaren Produkten einzusetzen, später zu recyceln und zuletzt energetisch zu verwerten?
Die Kaskadennutzung ist generell eine interessante Option für den Lebensweg von Kunststoffen. Das beschränkt sich nicht auf Biokunststoffe. Mit der Kaskadennutzung kann es gelingen, den Nutzen, welchen einmal erzeugte Kunststoffe stiften, um ein Vielfaches zu steigern. Gleichzeitig werden Ressourcen besser geschont. Auch eine vermehrte Kaskadennutzung sollte ihren Platz in einer zirkulären Wirtschaft haben und darf nicht per se als „Downcycling“ abgetan werden.

Muss in diesem Zusammenhang die Frage eines effizienten und umfassenden Recyclingsystems stärker in den Vordergrund rücken?
Die Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen kommt auch deshalb teilweise nur langsam voran, weil zum Teil sehr unterschiedliche Zielvorstellungen, d.h. Effizienzkriterien, formuliert werden. Hierzu zählen beispielsweise: Verminderung von Treibhausgasemissionen im einzelnen Unternehmen oder in der gesamten Wertschöpfungskette, eine möglichst geringe Inanspruchnahme der natürlichen Ressourcen, eine möglichst hohe Zahl von Kreisläufen der eingesetzten Materialien, Einsatz möglichst langlebiger Produkte, ein möglichst geringer Anteil von Schadstoffen im Materialkreislauf u.v.a.m. Diese unterschiedlichen Effizienzkriterien leiten Unternehmen und Gesetzgeber zu unterschiedlichen Entscheidungen. Daher ist es m.E. wichtig, sich zunächst über die Effizienzkriterien und Prioritäten hinreichend klar zu werden, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Im Ergebnis werden wir nicht zu einem einheitlichen Recyclingsystem gelangen, sondern zu angemessenen Lösungen für bestimmte Produkte bzw. Branchen. Ein Recyclingsystem für PET-Getränkeflaschen wird eine andere Gestalt haben als eines für PVC-Fenster, für Landwirtschaftsfolien oder für Industriefässer.

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Janine Korduan
Referentin Kreislaufwirtschaft
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Janine Korduan, Referentin für Kreislaufwirtschaft beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Kunststoff | Biokunststoff

Bio-Plastik weckt falsche Hoffnungen

Warum neuartige Kunststoffe nur eine ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Janine Korduan
Referentin Kreislaufwirtschaft
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Jasmin Boße
wissenschaftlich-technische Mitarbeiterin
Umweltbundesamt (UBA)

Jasmin Boße, wissenschaftlich-technische Mitarbeiterin am Umweltbundesamt (UBA)
Kunststoff | Biokunststoff

Über das Potential von Biokunststoffen

Effizientes Recycling ist unabdingbar für ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Jasmin Boße
wissenschaftlich-technische Mitarbeiterin
Umweltbundesamt (UBA)

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Ron Brinitzer
Geschäftsführer
Kunststoffland NRW

Dr. Ron Brinitzer, Geschäftsführer von kunststoffland NRW
Kunststoff | Biokunststoff

Recyclingmengen müssen drastisch ■ ■ ■

Wie Kunststoffe zu mehr Nachhaltigkeit beitragen ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Ron Brinitzer
Geschäftsführer
Kunststoffland NRW

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.