Regional gibt es ein dauerhaftes Wasserbilanz-Risiko. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Maßnahmen, um eine nachhaltige Versorgung und gerechte Verteilung von Wasser sicherzustellen?
Aktuelle Klimaanalysen von Land und Bund gehen davon aus, dass Sachsen-Anhalt – wie weite Teile Ostdeutschlands – in den kommenden Jahrzehnten vergleichsweise stark vom Klimawandel betroffen sein wird. Diese Entwicklung kündigt sich an. So war auch das Frühjahr in Sachsen-Anhalt wieder deutlich zu warm und zu trocken. Nach aktuellen Prognosen werden wir die trockenste Region in Deutschland bleiben, zudem soll die Zahl der Hitzetage und tropischen Nächte bei uns überdurchschnittlich steigen. Gleichzeitig rechnen wir mit mehr und intensiverem Starkregen. Sachsen-Anhalt gehört also bundesweit zu den Klimawandel-Hotspots. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wasserbilanz: Zwar dürfte sich die Gesamtmenge der Niederschläge übers Jahr gesehen kaum ändern. Es werden aber feuchtere Winter und deutlich trockenere Sommer erwartet. Auf diese Veränderungen haben wir bereits reagiert. Mit der Novelle unseres Wassergesetzes stellen wir die Weichen für ein klimaangepasstes Wassermanagement. Der Gesetzentwurf soll nach der Sommerpause vom Landtag beschlossen werden. Kernpunkt ist der Wasserrückhalt. In Zeiten mit viel Niederschlag soll Wasser in der Fläche zurückgehalten werden, um die Grundwasserstände zu stabilisieren und für trockene Sommermonate vorzusorgen. Dafür wollen wir unter anderem Stauanlagen aktivieren oder die Versickerung von Niederschlagswasser stärken. Rückhalt statt Abfluss ist unsere Devise. Außerdem wird der Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung vor anderen Nutzungen, etwa in Wirtschaft oder Landwirtschaft, festgeschrieben.
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Zugleich warnen Experten vor Extremregen-Ereignissen. Wie lässt sich den Auswirkungen dieser Ereignisse begegnen?
Infolge des fortschreitenden Klimawandels rechnen auch wir in Sachsen-Anhalt mit mehr Starkregen. Dagegen wollen wir uns bestmöglich wappnen. Ende 2024 haben wir deshalb eine Hinweiskarte zu Starkregengefahren für unser Land veröffentlicht. Damit können Kommunen nun abschätzen, wo genau Starkregen zu Überflutungen führen kann – und entsprechend vorsorgen, um Menschenleben zu schützen und Schäden zu verhindern. Das gefährliche am Starkregen ist, dass er fast überall auftreten kann. Bisher gingen die starken Hochwassergefahren vor allem von großen Fließgewässern. Hier hat Sachsen-Anhakt in den vergangenen Jahrzehnten mit kräftigen Investitionen in Deiche und Polder gut vorgesorgt. Nun wollen wir unser Land auch fit machen für die kommenden Starkregengefahren. Das ist ein ganz wichtiger Baustein zur Anpassung an den Klimawandel. Dafür haben wir ein millionenschweres Förderprogramm aufgelegt. Mit „Klima III“ unterstützen wir unsere Kommunen unter anderem bei Starkregenmanagement und Investitionen in die entsprechende Vorsorge.
Insbesondere Städte bemühen sich vielfach um Klimaresilienz - wie unterstützt Ihr Haus die Kommunen dabei?
Die Kommunen spielen bei der Anpassung an den Klimawandel eine ganz zentrale Rolle. Hier leben schließlich die Menschen, die mit steigenden Temperaturen, längeren Trockenphasen und zunehmendem Starkregen klarkommen müssen. Deshalb haben wir Mitte 2024 unser Förderprogramm „Klima III“ für Kommunen aus der Taufe gehoben. Aus EU-Mitteln stellen wir insgesamt 35 Millionen Euro für Projekte und Investitionen zur Anpassung an den Klimawandel bereit. Dazu zählt Starkregenmanagement ebenso wie die Erstellung von Hitzeaktionsplänen, die Entsiegelung öffentlicher Flächen oder die Begrünung von Dächern, Fassaden und Straßen. Der Bedarf bei unseren Kommunen ist riesig. Schon in der ersten Förderrunde im vergangenen Jahr waren die zur Verfügung stehenden Mittel mehrfach überzeichnet. Deshalb suchen wir jetzt mit Hochdruck nach Möglichkeiten, die Gelder aufzustocken.
Welche Rolle können digitale Tools und KI künftig für ein effizientes Wassermanagement spielen?
Das tun sie schon jetzt! Die schon erwähnten Hinweiskarten zu Starkregengefahren in Sachsen-Anhalt sind natürlich ebenso online verfügbar wie die Karten zu generellen Hochwasserrisiken im Land. Zudem wollen wir mit der Novelle des Wassergesetzes auch ein digitales Deichregister sowie ein entsprechendes Verzeichnis der oberirdischen Gewässer etablieren. Bereits jetzt bietet das Online-Portal des Gewässerkundlichen Landesdienstes Zugang zu Umweltdaten aus Fließgewässern, Seen und dem Grundwasser. Verfügbar sind auch hydrologische Daten von gut 250 Pegeln und Untersuchungsergebnisse von landesweit fast 3.000 Messstellen. Um die Datenverfügbarkeit weiter zu verbessern, werden in den nächsten Jahren sukzessive rund 60 Pegel modernisiert. Zudem haben wir mit Blick auf die Stärkung des Wasserrückhalts in den vergangenen Jahren Projekte zur Digitalisierung der Unterhaltungsverbände im Land gefördert. Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht. Wie in vielen anderen Bereichen bietet die Nutzung von KI auch beim Wassermanagement große Chancen, die wir nutzen wollen.



