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21.07.2018
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VDA WILL SICHERHEIT FÜR DEUTSCHLAND

Warum hierzulande nur gut erprobte Technologien auf die Straße kommen

Bernhard Mattes, Präsident des VDA

Bernhard Mattes, Präsident des VDA [Quelle: VDA/Friedrich Stark]


"Für die deutschen Hersteller und Zulieferer gilt ein klarer Grundsatz: Wir bringen Technologien nur auf die Straße, wenn Sie sicher sind und auch im Testbetrieb müssen die Risiken für Unbeteiligte sicher beherrscht werden können." Das sagt der VDA-Präsident Bernhard Mattes. "Alle die am automatisierten Fahren forschen, sollten nach diesem Grundsatz handeln. Alles andere gefährdet das Vertrauen in diese noch junge Technologie. Und das wäre absolut unbegründet. Denn automatisierte Fahrzeuge bringen einen Quantensprung an Sicherheit, weil etwa 90 Prozent der Unfälle Folgen menschlicher Fehleinschätzungen sind."


Welche Rolle spielt das Thema pilotiertes und autonomes Fahren für die deutsche Autowirtschaft? Welche Entwicklungen der Hersteller gibt es aktuell?
Das vernetzte und automatisierte Fahren ist neben alternativen Antrieben der wichtigste Entwicklungsschwerpunkt für das Auto der Zukunft. Denn es kann den Straßenverkehr künftig noch sicherer, effizienter und komfortabler machen. Fast jedes zweite weltweite Patent beim vernetzten und automatisierten Fahren kommt von der deutschen Automobilindustrie. Deutschland ist in diesem Bereich Patentweltmeister. In den nächsten drei bis vier Jahren investieren deutsche Hersteller und Zulieferer bis zu 18 Mrd. Euro in dieses Zukunftsfeld.

Verspielt die Industrie gerade unser Vertrauen für das autonome Fahren, nach dem tödlichen UBER-Unfall?
Für die deutschen Hersteller und Zulieferer gilt ein klarer Grundsatz: Wir bringen Technologien nur auf die Straße, wenn Sie sicher sind und auch im Testbetrieb müssen die Risiken für Unbeteiligte sicher beherrscht werden können. Alle die am automatisierten Fahren forschen, sollten nach diesem  Grundsatz handeln. Alles andere gefährdet das Vertrauen in diese noch junge Technologie. Und das wäre absolut unbegründet. Denn automatisierte Fahrzeuge bringen einen Quantensprung an Sicherheit, weil etwa 90 Prozent der Unfälle Folgen menschlicher Fehleinschätzungen sind.

Was können Verband und Hersteller tun, damit wir neuen Technologien wirklich vertrauen?
Sicherheit hat für uns höchste Priorität. Es kommt darauf an, den Kunden immer genau  darzustellen, was das System derzeit schon kann und was nicht. Diese Tranparenz stärkt Vertrauen. Unsere Strategie liegt in der stufenweisen Einführung des automatisierten und vernetzten Fahrens. So können sich die Menschen Schritt für Schritt daran gewöhnen, dass Autos immer mehr Fahrsituationen selbst beherrschen. Bis der Fahrer eines Tages selbst gar nicht mehr fahren muss – wenn er das möchte.

Braucht es einen gesellschaftlichen Diskurs über die Folgen neuer Verkehrstechnologien?
Selbstverständlich, und wir führen diesen Diskurs ja bereits! Die Chancen und Risiken der neuen Technologie werden intensiv besprochen und diskutiert. Nur so kann Akzeptanz für das automatisierte Fahren geschaffen werden. Fragen von Recht und Ethik sind zu klären, die sich beim Übergang des Entscheidungsprozesses vom Fahrzeugführer auf das automatisierte System bzw. den Fahrzeugentwickler ergeben. Hierzu hat ja eine Ethikkommission bereits Leitlinien erarbeitet. Die Automobilindustrie führt einen Dialog mit deutschen Städten. Es geht darum, wie wir mit neuen Technologien urbane Mobilität zukunftsgerecht gestalten. Wichtig ist, dass wir in der Debatte ein klares Ziel im Auge behalten: Deutschland soll Marktführer für die Mobilität der Zukunft sein.

Inwieweit sollte sich die Politik in Tempo und Durchsetzung neuer Technologien einmischen? Oder sollten solche Prozess zwar moderiert aber marktgetrieben laufen?
Um die digitalen Potenziale auf der Straße nutzen zu können, müsse Gesetze mit dem technologischen Fortschritt im Gleichklang und chancenorientiert weiterentwickelt werden. Denn die neue Technologie wirft natürlich auch rechtliche Fragen auf, die zu beantworten sind. Es braucht also einen klugen politischen Rahmen, mit dem Rechtssicherheit gewährleistet wird.