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Interview08.07.2020

Synthetische Kraftstoffe als letztes ergänzendes Mittel

Was die Klima-Allianz von der Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung hält

Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland Quelle: Simone M. Neumann Dr. Christiane Averbeck Geschäftsführerin Klima-Allianz Deutschland
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Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
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"Ein nachhaltiger Ausbau von grünem Wasserstoff wird nur dann gelingen, wenn man sich auf wenige Anwendungen beschränkt, in denen die direkte Elektrifizierung nicht möglich ist", erklärt Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland. In dem Bündnis arbeiten über 130 zivilgesellschaftliche Organisationen zusammen.





Mit Förder-Milliarden soll Deutschland zur führenden Wasserstoffnation werden. Inwieweit ist das mit der nationalen Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung erreichbar?
Für die Fördersumme von 7 Milliarden Euro soll Deutschland laut Wasserstoffstrategie bis 2040 10 Gigawatt Elektrolysekapazität im Inland aufbauen. Diese finanzielle Größenordnung entspricht etwa einem Drittel der jährlich aufgewendeten EEG Umlage (24,7 Mrd.). Im Vergleich zum EEG-vergüteten Strom (voraussichtlich 225 TWh in 2020) resultieren daraus bis zum Jahr 2030 aber nur 6 Prozent der Energie (14 TWh). Sowohl ökonomisch als auch klimapolitisch ist das ein sehr bescheidenes Ergebnis.

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Insbesondere im Verkehrssektor könnte Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen - in welchem Verhältnis stehen Wasserstoff-Technologien in diesem Bereich zur batteriebasierten Elektromobilität?
Die Herstellung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ist energieaufwändig und deutlich ineffizienter als die direkte Nutzung von Ökostrom. Wasserstoff sollte daher nur dort Anwendung finden, wo es keine Alternativen gibt. Ein nachhaltiger Ausbau von grünem Wasserstoff wird nur dann gelingen, wenn man sich auf wenige Anwendungen beschränkt, in denen die direkte Elektrifizierung nicht möglich ist. Dafür kommen vor allem Teile der Industrie sowie die Schifffahrt und die Luftfahrt auf der Langstrecke infrage. Aber auch hier kann der Einsatz synthetischer Kraftstoffe nur ein letztes ergänzendes Mittel zur Emissionsminderung sein – wenn zuvor alle Potenziale der Bedarfsreduktion und Effizienzsteigerung ausgeschöpft wurden. Im Pkw-Bereich muss der Einsatz synthetischer Kraftstoffe hingegen konsequent ausgeschlossen werden und darf nicht in die nationale Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) integriert werden. Batterie-elektrische Antriebe sind hier deutlich effizienter. Der Schwerpunkt muss ohnehin auf einer umfassenden Verkehrswende mit Verkehrsvermeidung und dem Ausbau von Schiene und öffentlichem Verkehr liegen.

Bei der Erzeugung von Wasserstoff können auch fossile Rohstoffe zum Einsatz kommen - wie "sauber" ist Wasserstoff-Energie angesichts dessen?
Fossile Energieträger dürfen im Energiesystem der Zukunft keinen Platz mehr haben. Sogenannter blauer und türkiser Wasserstoff aus Erdgas schadet dem Klima, da prozessbedingt weiterhin CO2 entsteht. Wasserstoff auf Basis fossiler Rohstoffe darf daher nicht öffentlich gefördert werden. Der Einsatz von Wasserstoff ist klimapolitisch nur dann sinnvoll, wenn er vollständig aus zusätzlich erzeugten erneuerbaren Energiequellen produziert wird. Dabei müssen die Reduktion des Energieverbrauchs und die Steigerung der Effizienz grundsätzlich die ersten Mittel der Wahl sein.

Die Strategie setzt auch auf den Import von Wasserstoff, etwa aus afrikanischen Ländern. Wie bewerten Sie das?
Mindestens 85 Prozent des bis 2030 erwarteten Bedarfs an grünem Wasserstoff müssten laut Wasserstoffstrategie aus Importen gedeckt werden. Diese Wasserstofflücke gilt es dringend zu verringern. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die lokale Bevölkerung in den Herstellungsländern, besonders im Globalen Süden, vom Wasserstoffexport profitiert. Das heißt, sie sollte den Import an klare Nachhaltigkeitskriterien knüpfen. Dazu gehört unter anderem, den Zugang zu Energie und Wasser vorrangig sicherzustellen, vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen, die Zivilgesellschaft in die Wasserstoff-Planungen einzubeziehen und Landnutzungsrechte zu beachten.

Auch in den Exportländern muss der Energiebedarf für den grünen Wasserstoff aus zusätzlichen Kapazitäten an erneuerbaren Energien gedeckt werden. Diese müssen über den Ausbau hinausgehen, der für die Dekarbonisierung der eigenen Energieversorgung nötig ist. Wenn Kohlekraftwerke in Afrika oder Australien länger laufen, weil erneuerbare Energien für den Export von grünem Wasserstoffs genutzt werden, ist das kontraproduktiv für den Klimaschutz und für die regionale Entwicklung. Die Bundesregierung hat eine globale Verantwortung und darf den eigenen Ausbau erneuerbarer Energien nicht in andere Weltregionen auslagern, wenn das dort zulasten einer nachhaltigen Entwicklung geht.

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