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20.05.2019
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STAU AM HIMMEL SEHR UNWAHRSCHEINLICH

Wie Airbus die Entwicklung beim innerstädtischen Luftverkehr vorantreibt

Jörg Müller, Programm- und Strategieleiter für Urban Air Mobility, Airbus

Jörg Müller, Programm- und Strategieleiter für Urban Air Mobility, Airbus [Quelle: Airbus]


"Unser Ziel ist es nicht, den Verkehr von der Straße in die Luft verlegen", betont Jörg Müller, Programm- und Strategieleiter für Urban Air Mobility bei Airbus. Urban Air Mobility sei eine zusätzliche Option zu den vorhandenen öffentlichen und privaten Transportmitteln. Mit spektakulären Aktionen wie jüngst in Ingolstadt wolle man ein Zeichen setzen und die Öffentlichkeit frühzeitig in die Diskussion über neue Technologien einbeziehen.


Mit viel Tamtam wurde kürzlich in Ingolstadt der City-Airbus vorgestellt. Wann hebt der Personenverkehr für normale Verbraucher ab?
Ein Personenverkehr auf kommerzieller Basis wird erst dann stattfinden, wenn es rechtliche Normen für die Zulassung und den Betrieb von autonomen, elektrischen, senkrecht startenden Luftfahrzeugen im städtischen Luftraum gibt. Entsprechende Technologien und Fluggeräte rund um das elektrische Fliegen sind momentan in der Entwicklung, bei Airbus zum Beispiel in Donauwörth und in Silicon Valley, USA. Sie müssen erst beweisen, dass sie die entsprechenden Kostenziele sowie geringe Geräuschemissionen und hohe Zuverlässigkeit erreichen. Wir gehen davon aus, dass das nicht vor der Mitte des nächsten Jahrzehnts der Fall sein wird. Die ersten Einsätze werden in denjenigen Regionen der Welt stattfinden, wo aufgrund extremer Verkehrsprobleme am Boden ein großer Bedarf nach städtischem Luftverkehr besteht. Elektrisch betriebene Luftfahrzeuge für den innerstädtischen Verkehr sind keine Spielerei. Sie sollen den Menschen einen echten Mehrwert bringen. Megacities in Asien und Lateinamerika werden sicher zu den Pionieren gehören. In Europa und Deutschland haben wir zum Glück nur wenige Städte, die vor dem Verkehrskollaps stehen. Aber auch hierzulande sehen wir Möglichkeiten für einen nachhaltigen und kommerziell erfolgreichen Betrieb. Dazu ist es notwendig, die Öffentlichkeit frühzeitig in die Diskussion über die neuen Technologien einzubeziehen. Hierfür wollten wir in Ingolstadt ein Zeichen setzen. Unsere Experten haben den ganzen Tag mit interessierten Bürgern gesprochen und die Möglichkeiten eines innerstädtischen Luftverkehrs erläutert.

Insbesondere der Versandhandel forscht an Lastendrohnen. Wie dicht könnte der Verkehr in direkt über unseren Köpfen bald werden?
Ob Personen- oder Frachttransport – der innerstädtische Luftverkehr wird nur dort wirtschaftlich betrieben werden, wo er einen klaren Mehrwert bietet im Sinne von Geschwindigkeit, Planbarkeit, oder Kosten im Vergleich zu den bestehenden Alternativen. Bei zeitkritische Lieferungen, zum Beispiel von menschlichen Organen für eine Transplantation, von Blutproben oder Medikamenten, sind Frachtdrohnen sicher eine Option. Wenn Fracht ohne Probleme per Auto oder Fahrrad geliefert werden kann, dann wird das auch in Zukunft geschehen. Unser Ziel ist es nicht, den Verkehr von der Straße in die Luft verlegen. Urban Air Mobility ist eine zusätzliche Option zu den vorhandenen öffentlichen und privaten Transportmitteln. Einen Stau am Himmel halten wir daher für sehr unwahrscheinlich. Dennoch werden neue und automatisierte Systeme für das Luftraummanagement über den Städten notwendig sein, und die Luftfahrzeuge mit Anti-Kollisions-Systemen ausgestattet sein, die Zusammenstöße vermeiden. Das ist schon heute technisch möglich.

Flugtaxis und Lastendrohnen setzen häufig auf elektrischen Antrieb, sie müssen starten und landen – welche Infrastruktur brauchen die kleinen Fluggeräte?
Solche Luftfahrzeuge können nicht einfach überall starten und landen, dazu sind feste Plätze mit einer gewissen Infrastruktur notwendig. Das hat einerseits rechtliche, aber auch praktische Gründe. Nur Polizei und Rettungsdienste im Einsatz dürfen heute in Deutschland in Städten fliegen und dort landen, wo sie benötigt werden. Lufttaxis sollen auf festen Routen wichtige Punkte in Großstädten verbinden. An diesen Punkten werden sogenannte „Vertiports“ entstehen, dort werden die Vehikel auch aufgeladen, die Passagiere können einchecken, Gepäck aufgeben etc. Je näher diese Infrastruktur am Reiseziel der Passagiere liegt, zum Beispiel in Geschäftszentren oder an Verkehrsknotenpunkten, desto wettbewerbsfähiger wird das Fliegen, da keine letzte Meile mit traditionellen Verkehrsmitteln benötigt wird.

Welchen rechtlichen Regelungsbedarf sehen Sie in absehbarem Zeitraum?
Für einen kommerziellen Betrieb brauchen wir sowohl Normen für den Bau und die Zulassung der Luftfahrzeuge als auch Verkehrsregeln für den Betrieb in der Stadt. Diese gibt es heute noch nicht. Um die Zulassung der Luftfahrzeuge kümmert sich in Europa die EASA (European Aviation Safety Agency) in Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden (in Deutschland das Luftfahrt-Bundesamt). Für die Regulierung des Luftraums ist die Luftaufsichtsbehörde Eurocontrol zuständig. EASA und Eurocontrol unterstützen die Initiative für städtischen Luftverkehr und arbeiten als Partner daran mit. Aber auch weitere Behörden rund um Transport, Verkehr, und Stadtplanung müssen mit eingebunden werden. Wir wollen uns von Anfang an mit allen beteiligten Partnern austauschen, um entsprechende Rahmenbedingungen gemeinsam vorzubereiten.