In Unternehmen aller Branchen und Bereiche finden gewaltige Transformationsprozesse statt. Gerade für den Mittelstand bringt das erhebliche Herausforderungen mit sich. Allerdings gibt es allerorten große Fortschritte. So erkennt die NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur in der Fachdebatte auf meinungsbarometer.info, dass mehr und mehr mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer aller Branchen die digitale Transformation anpacken und ihr Geschäftsmodell zukunftsfest aufstellen. Besonders die Corona-Pandemie habe eine große Dynamik ausgelöst und die Vorteile der Digitalisierung aufgezeigt. „So konnten viele Unternehmen ihren Betrieb dank Homeoffice aufrechterhalten und so die Zukunft des Betriebs sichern.“ Geblieben sei insbesondere der Trend, sich auch über das eigene Unternehmen hinaus digital etwa mit Lieferanten und Kunden zu vernetzen.
Für Baden-Württemberg nennt Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut beeindruckende Zahlen. Allein das Handwerk habe mit seinen circa 140.000 Betrieben, über 800.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 110 Milliarden Euro eine große Bedeutung für Beschäftigung und Wohlstand in Baden-Württemberg. Im Rahmen der Zukunftsinitiative Handwerk 2025 wurde im Jahr 2020 ein Digitalisierungsbarometer für das Handwerk erstellt. Auf Basis der Ergebnisse werden in Baden-Württemberg zielgenaue Unterstützungsmaßnahmen zur Bewältigung der digitalen Transformation entwickelt. „Die Studie zeigt auf, dass sich das Handwerk mit dem Thema Digitalisierung durchaus befasst. Was vielen Betrieben jedoch noch fehlt, ist eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie.“ Auch im Einzelhandel sieht sie die Digitalisierung bereits in der Breite angekommen.
In Bayern hat der Mittelstand aus Sicht von Wirtschatsminister Hubert Aiwanger die Zeichen der Zeit erkannt und gehandelt. „Dies zeigt auch die konstante große Nachfrage nach unseren Unterstützungsangeboten wie beispielsweise dem Digitalbonus mit bisher über 27.000 Anträgen und über 270 Millionen Euro an beantragten Zuschüssen.“ Dabei stelle das Handwerk mit knapp 29 Prozent die meisten Anträge.
In Hessen zeigt ein im Mai 2022 veröffentlichter Digitalindex zeigt auf Grundlage einer Selbsteinschätzung von KMU zu ihrem Digitalisierungsgrad, dass der Grad der Digitalisierung im Zuge der Pandemie für die Mehrheit der befragten KMU etwas (ca. 48 Prozent) oder sogar deutlich (ca. 16 Prozent) zugenommen hat. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus sieht aber auch noch Potenzial und erklärt: „Während hierbei Cloud-Anwendungen in fast der Hälfte der befragten Unternehmen (45 Prozent) im Einsatz sind und das Internet der Dinge schon in über 40 Prozent Anwendung findet, sind eingekaufte KI-Anwendungen bislang jedoch nur in jedem zehnten Unternehmen in Gebrauch. Technologien wie Cloud-Anwendungen, 3-D-Druck und Robotik wurden 2021 in knapp 19 Prozent der hessischen KMU eingesetzt.“
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen Minister sieht in kleinen Unternehmen häufig noch viel Beratungsbedarf. Deshalb sei das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Mittelstand-Digital-Zentrum Schleswig-Holstein hier in Kiel für uns von großer Bedeutung. Hier finden mittelständische Wirtschaft die Ansprechpartner, die ihnen Lösungen zeigen, die ihrem Unternehmen in der Digitalisierung weiterhelfen. Zudem sei die betriebliche Innovationsförderung für Digitalisierung offen, richte sich aber an eher größere Innovationsvorhaben. Neu war der letztes Jahr geschaffene Digibonus. „Mit Sondermitteln, die wir von der EU zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise bekommen haben, haben wir ein sehr kleinteiliges, unbürokratisches Förderprogramm mit der Höchstfördersumme 17.000 Euro aufgelegt. Dies ist sehr rege nachgefragt worden und es gab positive Rückmeldungen z.B aus dem Handwerk.“
Saarlands Wirtschaftsminitser Jürgen Barke berichtet von Umfragedaten, nach denen knapp drei Viertel der befragen antragstellenden KMU die wichtige Bedeutung digitaler Projekte für ihr eigenes Unternehmen betonen. „Wir stellen ebenfalls fest, dass in vielen Unternehmen ein Umdenken stattgefunden hat: Gut drei Fünftel der befragten Unternehmen haben ihre Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse digitalisieren bzw. in die Verbesserung ihrer IT-Sicherheit investieren können.“ Es zeige sich aber auch, dass die Mehrheit der Befragten ihre Digitalisierungsziele nicht derart festlege, dass man sie tatsächlich messen könne. Hier sieht es Verbesserungspotential, um den Digitalisierungsprozess des Mittelstands der Saarwirtschaft mit gezielten Impulsen nachschärfen zu können.
Sachsens Martin Dulig erläutert mehrere Programme, mit denen der Freistaat KMU unterstützt, etwa Mitte für das Netzwerk Logistik Mitteldeutschland e.V. oder im Rahmen der „Förderrichtlinie Digitalisierung Zuschuss": Dieses führt Kleinstunternehmen an Themen der digitalen Transformation sowie komplexe Projekte zur digitalen Transformation in KMU heran. „Förderfähige Projekte können zum Beispiel neben der Einführung oder Verbesserung digitaler Geschäftsmodelle und der digitalen Vernetzung von Unternehmensprozessen auch die Verbesserung der IT-Sicherheit und des Informationsschutzes in KMU sein.“
Sein Amstkollege Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt berichtet von umfangreichen Bundes-, Landes- und auch EU-geförderten digitalen Unterstützungsprogramme für die Förderung der digitalen Weiterentwicklungen der KMU. In Planung ist nach seinen Worten das Programm „Digital And Creative Economy" geplant. „Es wird 2023 starten und die Förderschwerpunkte „Digital Creativity", „Digital Innovation" und „Cross Innovation" in überarbeiteter Form unter einem Dach vereinen.“ Über die Innovationsförderung des Landes gebe es weiterhin Zuschüsse für die Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren, insbesondere auch bei der Förderung von Forschung und Entwicklung.
Allerdings wendet Markus Jerger, Vorsitzender Bundesverband Der Mittelstand. BVMW, ein: „Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Investitionen in Informationstechnologien gegenüber anderen Ländern wie den USA, Frankreich oder dem Vereinigten Königreich deutlich zurück.“ Man brauche Unterstützung auf vielen Ebenen - nicht nur in Form finanzieller Förderprogramme, die Unternehmen bei der digitalen Umsetzung erleichtern. Ganz grundlegend sollten auch Hürden wie der Fachkräftemangel, Einschränkungen bei der Finanzierung sowie Mängel bei der digitalen Infrastruktur bewältigt werden. Gefragt sei auch ein anderes Mindset, das die Vorteile der Digitalisierung stärker betont und fördert.
Für Simon Nentwich vom Deutschen Mittelstands-Bund (DMB) zeigt sich auch, dass der Digitalisierungsgrad sehr branchenabhängig ist und vor allem kleinere Unternehmen hinterherhinken. Der Nachholbedarf im deutschen Mittelstand gründe sich jedoch nicht ausschließlich auf endogene Faktoren. Vielmehr seien es regulatorische, politische und standortspezifische Rahmenbedingungen, die Fortschritt und Innovation ermöglichen oder ausbremsen - darunter die digitale Infrastruktur, finanzielle und steuerliche Anreize für Digitalinvestitionen, Kreditzugang und Finanzierungsmöglichkeiten oder die Verfügbarkeit von Fachkräften. „Auch der Digitalisierungsgrad der öffentlichen Verwaltung oder der Regulierungsrahmen für neue Technologien entscheiden über die digitale Entwicklung der hiesigen Unternehmen.“
Verena Fink, Vorstand für Digitalisierung Bundesverband DIE KMU-BERATER, gibt zu Bedenken, dass die digitale Transformation für viele kleine und mittlere Unternehmen hohe finanzielle und personelle Belastungen bedeutet - und dies zu einer Zeit, in der viele Unternehmen durch die sich überlagernden Krisen (z. B. Corona, Krieg in der Ukraine, Klimawandel, demografischer Wandel) ohnehin mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen haben. „KMUs sehen natürlich die Notwendigkeit von Investitionen in die Digitalisierung, müssen vor dem Hintergrund jedoch abwägen, wo sie investieren.“ Umso wichtiger seien in dieser Phase Förderprogramme für die Digitalisierung von KMU. Oft seien bestehende Fördermittel nicht ausreichend nutzerzentriert und nicht niedrigschwellig genug.
Aus Österreich berichtet der Tiroler Wirtschafts-Landesrat Mario Gerber von großen Fortschritte im Bereich der Digitalisierung. Dies bescheinige auch der DESI (Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft) 2022, der die EU-Länder diesbezüglich miteinander vergleicht: Demnach verfügen 64 Prozent der österreichischen KMU zumindest über eine grundlegende digitale Intensität (europaweit 55 Prozent). „Dies zeigt, dass bereits wichtige Schritte im Zuge der digitalen Transformation gesetzt wurden – nichtsdestotrotz sind weitere Investitionen in diesem Bereich notwendig.“ Mit gezielten Unterstützungsleistungen wie der Tiroler Digitalisierungsförderung, der digital.tirol – KMU Förderung, der Beratungsförderung oder der Förderung von Leuchtturmprojekten will die Tiroler Landesregierung den Unternehmen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten unterstützen und so zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft beitragen. Auch die Tiroler Digitalisierungsoffensive mitsamt dem Breitbandausbau, in die das Land Tirol 150 Millionen Euro investiert, soll die Weichen für die digitale Zukunft stellen.
Sein Amtskollege Jochen Danninger aus Niederösterreich auf konkrete Maßnahmen und Aktivitäten seit 2015. Die Entwicklung der vergangenen beiden Jahre habe die Richtigkeit der Anstrengungen bestätigt. Die Pandemie habe der Digitalisierung in allen Lebensbereichen und vor allem auch in der Wirtschaft einen enormen Schub verpasst - auch bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen. „In den vielen Gesprächen, die ich tagtäglich mit Unternehmerinnen und Unternehmern im ganzen Land führe, gibt es so gut wie keinen Betrieb, der nicht erkannt hat, wie wichtig es ist, sich mit Digitalisierung zu beschäftigen und digitale Tools im eigenen Unternehmen zu implementieren und zwar so schnell als möglich.“
Der Vorarlberger Landesrat Marco Tittler verweist auf das Problem des Fachkräftemangels. Sein Bundesland sei seit jeher ein Land der Fachkräfte, der Bedarf sei durch ein erfreulich dynamisches Wirtschaftswachstum jedoch derzeit höher als das Angebot. Die Antwort darauf könne nur eine mehrdimensionale Strategie sein, die im Land selbst die bestmögliche Ausbildung sowie hervorragende Weiterbildungsmaßnahmen zum Ziel hat, um vorhandenes Arbeitskräftepotential bestmöglich zu nutzen. „Darüber hinaus sollen mittels Recruiting-Strategien zusätzliche heimische Fachkräfte mobilisiert, abgewanderte zurückgeholt und überregional neue angezogen werden.“



