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21.09.2020
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RADIO WIRD ALS HYBRIDES ANGEBOT FUNKTIONIEREN

Wie Deuschlandradio die Digitalisierung seiner Angebote vorantreibt

Dr. Eva Sabine Kuntz, Leiterin der Intendanz und Unternehmenssprecherin Deutschlandradio

Dr. Eva Sabine Kuntz, Leiterin der Intendanz und Unternehmenssprecherin Deutschlandradio [Quelle: Deutschlandradio - Bettina Straub]


Für Dr. Eva Sabine Kuntz vom Deutschlandradio spielen digitale Angebote "eine wichtige Rolle für die Hörerbindung", sollen aber auch "neue Publika erschließen". Sie nennt beeindruckte Zuwächse bei der digitalen Nutzung und berichtet über die Denkfabrik, die große Themen der Zeit "in fairer Debatte und mit dem Publikum diskutieren will".


In Programmaktionen wie der Deutschlandradio-Denkfabrik werden On-Air-Programm und digitale Dienste miteinander verknüpft. Welche Rolle spielen digitale Angebote zur Hörerbindung in Ihrer Programmstrategie?
Das Bundesverfassungsgericht hat dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk attestiert, dass seine Bedeutung in Zeiten von Digitalisierung und sozialen Medien gestiegen sind. Es hat aber auch eine ganz klare Erwartungshaltung geäußert: Nur wenn wir es schaffen, unseren Auftrag auch in der digitalen Welt zu erfüllen, verdienen wir das Privileg der Beitragsfinanzierung. Digitale Angebote spielen dabei natürlich eine wichtige Rolle für die Hörerbindung. Sie wenden sich einerseits an das bestehende Publikum unserer drei Programme Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova, andererseits wollen wir damit neue Publika erschließen. Deswegen bieten wir zunehmend plattformgerecht aufbereitete Inhalte über thematische Zugänge an. Das tun wir auch bei der Denkfabrik, die die großen Themen der Zeit in fairer Debatte und mit dem Publikum diskutieren will: Wir bündeln und bereiten neu auf, was es in den Programmen zu den beiden diesjährigen Denkfabrik-Themen #ÜberMorgen. Klimawandel. Nachhaltigkeit und Sind wir in guter Verfassung? Recht .Gerechtigkeit,. 70 Jahre Grundgesetz gibt und versuchen auch so, neue Zugänge für ein Publikum zu eröffnen, das sich für ein Thema interessiert, unsere Inhalte dazu im Netz findet, und damit auf unsere Programme aufmerksam wird.
 
Apps für mobile Geräte können der Hörerbindung oder als eigenständiges digitales Angebot dienen- Welche Apps bieten Sie an?
In den Stores von Apple und Google sowie auf unseren Webseiten sind die Apps Dlf Audiothek und Dlf Nachrichten abrufbar. Die Dlf Audiothek, der zentrale Zugang zu unseren drei Programmen, wurde seit Anfang des Jahres fast 88 Millionen mal abgerufen. 58 Mio. davon entfliegen auf Livestreams, das ist ein Plus von 138 Prozent gegenüber dem Vorjahr, 30 Mio. entfielen auf Beiträge (Audio on demand), das entspricht einem Plus von 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unser Online-Anker trägt die Bildmarke aller drei Programme, das ‚D‘, die leichte Wiedererkennbarkeit hilft uns hoffentlich auch, dass Hörerinnen und Hörer immer wieder zu uns kommen.
 
Viele Sender nutzen Social-Media-Plattformen oder Streaming-Plattformen für die Hörerbindung – Kritiker wenden ein, dass so die Hörer (und ihre Daten) an Dritte übergeben werden. Was sagen Sie dazu?
Wir bieten alle Inhalte über die eigene Netzpräsenz an, also auf unseren Webseiten und Apps. Weil unsere Hörerinnen und Nutzer zu Recht davon ausgehen, dass sie uns dort finden, wo sie uns suchen, sind wir auch auf Drittplattformen vertreten. Dort bieten wir ausgewählte Inhalte in plattformgerechter Aufbereitung an, also u.a. mit visuellen Elementen angereichert. Wer nicht möchte, dass seine Daten von Drittplattformen ausgelesen werden, sollte sich über unsere eigenen Angebote im Netz informieren.
 
Welche Rolle wird der „Hörer On Air“ im klassischen Radioprogramm in Zukunft noch spielen?
Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen: Es wird lineares Radio noch eine ganz lange Weile geben. Die Nutzung ist erstaunlich konstant, auch wenn sie über lange Zeit gesehen langsam zurückgeht. Gleichzeitig nimmt die zeitsouveräne Nutzung von Audio-Inhalten kontinuierlich zu. Im Brennglas betrachten kann man diese Entwicklung bei jüngeren Menschen unter 35 Jahren. Mein Fazit: Radio wird als hybrides Angebot funktionieren.