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07.12.2019
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EINE EIGENE VERBREITUNGSSTRATEGIE FÜR JEDEN DISTRIBUTIONSWEG

Über die multimediale Marke - und die Vorteile des gute alten Radios

Ulrich Manitz - Wellenchef von MDR JUMP

Ulrich Manitz - Wellenchef von MDR JUMP [Quelle: MDR/ Jens Borghardt]


"MDR JUMP ist schon lange keine reine Radiomarke mehr", betont Wellenchef Ulrich Manitz. Inzwischen habe sich das öffentlich-rechtliche Programm zu einer multimedialen Marke mit vielfältigen Ausspielwegen gerade im digitalen Bereich weiterentwickelt. Eine eigene App konzentriert sich im Wesentlichen auf das Kerngeschäft.


In Programmaktionen und Gewinnspielen werden On-Air-Programm und digitale Dienste häufig miteinander verknüpft. Welche Rolle spielen digitale Angebote zur Hörerbindung in Ihrer Programmstrategie?
MDR JUMP ist schon lange keine reine Radiomarke mehr, in den letzten Jahren hat sie sich zu einer multimedialen Marke mit vielfältigen Ausspielwegen gerade im digitalen Bereich weiterentwickelt. Wo früher die Postkarte oder der Anruf im Studio die einzigen Feedbackkanäle waren, gibt es heute ungleich mehr Kontaktmöglichkeiten zwischen Marke und Konsumenten. Das macht die Entwicklung von Programmaktionen nicht einfacher, bietet aber phantastische Möglichkeiten, die Menschen spielerisch und unterhaltsam noch enger und nachhaltiger an die Marke MDR JUMP zu binden. Für jeden Distributionsweg muss dabei eine eigene Verbreitungsstrategie entwickelt werden. Bei der detaillierten Planung fließen die Stärken und Schwächen der einzelnen Ausspielwege, die dort erreichbaren Zielgruppen sowie die inhaltlichen und technischen Rahmenbedingungen mit ein. Wichtiger Baustein jeder multimedialen Programmaktion, der zugleich einen deutlich höheren Ressourceneinsatz bedeutet, ist ein übergreifendes Kommunikationskonzept. Wie mobilisieren wir die Menschen gerade im digitalen Bereich, schaffen möglichst hohe Aufmerksamkeit für die Aktion in den Netzwerken und kommunizieren dort mit ihnen direkt und auf Augenhöhe.

Wenn es gelingt, neben dem klassischen Ausspielweg Radio auch die digitalen Ausspielwege effektiv in das Gesamtkonzept der Programmaktion einzubinden, dann sehen wir eine deutliche höhere Refundierung bei Reichweite, Bindung und Image.
 
Apps für mobile Geräte können der Hörerbindung oder als eigenständiges digitales Angebot dienen- Welche Apps bieten Sie an?
Zu unserem digitalen Portfolio gehört die MDR JUMP App für Android und iOS. Wir haben sie so konzipiert, dass sie im Wesentlichen unser Kerngeschäft, also das Radioprogramm transportiert. Dem Streamingkonzept folgend, bieten wir neben unserem Livestream noch weitere musikalische Themenchannels an. Da ein großer Teil unserer Hörer und Nutzer mobil ist, steht ihnen mit unserer App ein umfangreicher Verkehrsdienst zur Verfügung, der sie auf und von dem Weg zur Arbeit mit den wichtigsten Informationen von den Straßen versorgt. Viele Nutzer melden uns über die App Verkehrsstörungen, die direkt im MDR JUMP Verkehrszentrum eingehen, dort bearbeitet und autorisiert werden. Zusammengefasst kann man sagen, die App ist klar positioniert auf dem App-Markt mit den Bereichen Musik und Service, wesentliche Merkmale des traditionellen Radios, die bereits digitalisiert wurden.

Viele Sender nutzen Social-Media-Plattformen oder Streaming-Plattformen für die Hörerbindung – Kritiker wenden ein, dass so die Hörer (und ihre Daten) an Dritte übergeben werden. Was sagen Sie dazu?
In erster Linie muss man sagen, dass hier in Deutschland strenge Richtlinien im Datenschutz gelten und das ist auch wichtig und gut so. Die Plattformen, die unter unserer eigenen Hoheit und Verantwortung stehen, sind so aufgebaut, dass ohne die Zustimmung des Nutzers keine Daten an Dritte übergeben werden. Bei allen anderen Plattformen entscheiden die Nutzer allein darüber, was mit ihren Daten geschieht. Es lassen sich auf nahezu jeder Plattform Einstellungen zum Thema Datenschutz vornehmen. Die Nutzer können die Weitergabe ihrer persönlichen Daten sogar ganz reglementieren, in dem sie die Plattform überhaupt nicht nutzen. Hier greift aus meiner Sicht das immens wichtige Thema Medienkompetenz und die Aufklärung der Nutzer über die Wichtigkeit des Schutzes der persönlichen Daten im digitalen Raum. Gerade die jungen Menschen gehen viel zu leichtfertig mit eigenen Daten um. Politik und Medien sind hier gleichermaßen in der Verantwortung, schon frühzeitig eine persönliche Sensibilität beim Datenschutz aufzubauen, dafür umfangreiche Schulungsressourcen bereitzustellen, Wissen zu vermitteln, Antworten und Hilfestellung zu geben.
 
Welche Rolle wird der „Hörer On Air“ im klassischen Radioprogramm in Zukunft noch spielen?
Im klassischen Radioprogramm spielt er natürlich die Hauptrolle, denn wir machen dieses Programm ja für ihn. Es gibt aber nur sehr wenige Menschen, die ausschließlich das Radioprogramm hören, die meisten unserer Menschen springen zwischen den Welten, hören zum Beispiel Radio, während sie mit uns über soziale Netzwerke interagieren oder aber nutzen unsere unterschiedlichen Angebote passend zu ihrem Tagesablauf. Ziel ist es, möglichst viele Menschen an unsere Marke MDR JUMP und damit an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu binden und sie Teil einer großen Gemeinschaft werden zu lassen. Unser Anspruch ist aber auch, dass Menschen, die nur das Radioprogramm nutzen, alles, was für sie relevant ist in diesem Programm bekommen. Zudem hat das klassische Radio einen sehr großen Vorteil: Es ist überall verfügbar und leicht nutzbar.