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Produkte müssen kreislauffähiger werden

Warum die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick gehört

Christian Kitazume, Mitarbeiter des Umweltbundesamts (UBA) im Fachgebiet III 1.2 Quelle: UBA Christian Kitazume Mitarbeiter Umweltbundesamt (UBA) 16.02.2022
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Uwe Rempe
Freier Journalist
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Informationen sind eine der wichtigsten Ressourcen für eine effiziente und nachhaltige sowie digital fundierte Kreislaufwirtschaft. Wie und wozu diese erhoben und verarbeitet und welche Aufgaben noch gelöst werden müssen, haben Christian Kitazume sowie Dr. Ines Oehme, Hermann Keßler, Thomas Ebert, Katrin Hennwald und Susann Krause aus den entsprechenden Fachbereichen des Umweltbundesamtes (UBA) aufgeschrieben.







Welche Aufgaben stehen generell zur Lösung an, um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in Deutschland bzw. Europa zu etablieren?
Zur Etablierung einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft ist die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick zu nehmen. Mit hohen Treibhausgasemissionen einhergehende Primärrohstoffe müssen zunehmend substituiert und die Ressourceninanspruchnahme reduziert werden. Entsprechend der Abfallhierarchie sind Abfälle möglichst zu vermeiden, die Wiederverwendung zu stärken und hochwertige Sekundärrohstoffe zu produzieren. Produkte müssen kreislauffähiger gestaltet werden. Dies erfordert eine zunehmende Vernetzung verschiedenster Bereiche –und hier liegt ein Schlüssel in der Digitalisierung.

Eine große Herausforderung ist es, bestehenden Informationsdefiziten zu begegnen, beispielsweise zur stofflichen Zusammensetzung von Produkten und zu Nutzungs-, Gebrauchs- und Mengendaten. Ein wesentliches Instrument ist dabei die sowohl im European Green Deal als auch im Kreislaufwirtschaftspaket der EU vorgesehene Einführung des digitalen Produktpasses, der ganzheitliche Produktinformationen zur Herstellung, Reparatur und Entsorgung beinhalten soll. Auf europäischer und nationaler Ebene gibt es zahlreiche Aktivitäten, um zukünftig Umwelt- und Materialdaten zu erfassen, im Baubereich z.B. durch die Entwicklung des „Building Information Modelings“ (BIM) für eine softwareunterstützte vernetzte Planung, für Bau, Bewirtschaftung, Rückbau und Recycling von Gebäuden. Dabei werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst.

Das Umweltbundesamt führt derzeit ein Forschungsvorhaben zur Informationsweitergabe entlang des Lebenszyklus durch, um Informationsanforderungen für die Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln.

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Kann die Digitalisierung der Informations- und Distributionswege allein schon die Recyclingwirtschaft effektiver und effizienter machen?
Die Verfügbarkeit von Informationen über die stoffliche Zusammensetzung von Abfällen und enthaltene Schadstoffe ist notwendig zur Erreichung eines hochwertigen Recyclings. Dafür müssen die Informationen zu Schadstoffen vollständig sein. Zur Erreichung des Ziels müssen bestehende Informationspflichten weiter ausgebaut und die Abfalltechnik weiterentwickelt werden.

Für den Bau- und Gebäudebereich hat sich das Umweltbundesamt für die Einführung eines digitalen „Gebäuderessourcenpasses“ eingesetzt, wie er in den Koalitionsvertrag eingegangen ist. Dieser kann sich z.B. im Rahmen der Entwicklung des BIM in gebäudebezogene Materialinventare und regionale Materialkatastern unterscheiden, um Sekundärrohstoffe sowie Schad- und Störstoffe in Art, Menge und Qualität für ein zukünftiges Recycling zu dokumentieren.

Insofern leistet die Digitalisierung einen wichtigen Beitrag für eine effektive Kreislaufwirtschaft, jedoch sind auch weitere Maßnahmen nötig wie zum Beispiel die Steigerung der separaten Sammlung, die Optimierung der automatischen Sortierung bei welcher die Digitalisierung ebenfalls eine wichtige Rolle spielt und die Stärkung des hochwertigen Recyclings sowie der Nachfrage nach Rezyklaten.

Inwiefern, wenn überhaupt, benötigt die Branche auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit den Druck bzw. die Unterstützung von Politik und Gesellschaft?
Informationen zur stofflichen Zusammensetzung von Produkten sind für die Hersteller sensible Daten, da dies häufig Wettbewerbsvorteile von Marktteilnehmern begründet. Die Weitergabe der relevanten Informationen zur Verbesserung des Recyclings steht daher potenziell im Konflikt mit wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen. Die Abwägung dieser teils gegenläufigen Interessen ist eine Herausforderung für Politik und Gesellschaft. Zur Sicherstellung einer Wettbewerbsfähigkeit ist ein einheitlicher rechtlicher Rahmen erforderlich. 

Bekommen wir mit einem umfassenden Kreislaufwirtschaftssystem die Umweltprobleme, die sich aus dem Abfall ergeben, schon in den Griff?
Die negativen Auswirkungen unseres Konsum- und Produktionsstils können wir nur mit einem gut funktionierenden System zirkulären Wirtschaftens unter Berücksichtigung globaler Aspekte in den Griff bekommen. Eine wichtige Aufgabe der Kreislaufwirtschaft ist die Ausschleusung von Schadstoffen. Bislang sind nicht alle Abfälle so sortierbar, dass sie einem hochwertigen Recycling zugeführt werden können.  Wir müssen die negativen Umweltwirkungen und Ressourcenverluste im gesamten Lebenszyklus reduzieren. Dafür sind noch zahlreiche Anstrengungen in den verschiedenen Bereichen notwendig.

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