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Kreislaufwirtschaft nicht nur mit Recycling gleichsetzen

Wie digitale Systeme zur nachhaltigen Ressourcennutzung beitragen können

MSc Andreas Van-Hametner, Geschäftsführer Ressourcen Forum Austria Quelle: Privat MSc Andreas Van-Hametner Geschäftsführer Ressourcen Forum Austria 21.02.2022
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Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Erst wenn ordnungspolitische Rahmenbedingungen lineares Wirtschaften benachteiligen, wird sich Kreislaufwirtschaft für Unternehmen richtig lohnen", konstatiert Andreas Van-Hametner, Geschäftsführer vom Ressourcen Forum Austria, der 2013 gegründeten österreichischen Plattform für effiziente Ressourcennutzung und Nachhaltigkeit. Er erläutert auch, was das konkret bedeutet.







Welche Aufgaben stehen generell zur Lösung an, um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in Deutschland bzw. Europa zu etablieren?
Die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft an sich ist ja bereits ein Konzept zur Lösung eines Problems: unseres zu großen Ressourcenverbrauchs. Nicht nur in Deutschland und Europa, sondern global verbraucht die Menschheit zu viele Ressourcen. Dies führt zu all jenen Umweltproblemen, an die wir täglich in den Medien erinnert werden: Klimakrise, Artenverluste, Flächenversiegelung, Versauerung der Meere und einige mehr. Aber neben dieser ökologischen Problematik bestehen auch wirtschaftliche Probleme durch den steigenden Materialverbrauch: Knappheiten, Lieferengpässe und hohe Marktpreise durch global starke Nachfrage setzen Betriebe unter Druck. 

Die Transformation unserer Ökonomie zu einer Kreislaufwirtschaft kann zur Lösung beider Problemkreise beitragen. Denn, wenn wir als Gesellschaft Produkte und Dienstleistungen produzieren und konsumieren, die weniger Material verbrauchen, längere Lebensdauer aufweisen, repariert und aufbereitet werden können und am Ende möglichst ohne Verluste recycelt werden können, dann nimmt das Druck von Umwelt und Rohstoffmarkt. Damit das klappt, brauchen wir aber noch Wissen und Bewusstsein in den Köpfen von Konsumenten wie Produzenten, neue Technologien, geänderte Kooperationsformen und Geschäftsmodelle entlang der einzelnen Wertschöpfungsketten sowie adaptierte steuerliche und ordnungspolitische Rahmenbedingungen.

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Kann die Digitalisierung der Informations- und Distributionswege allein schon die Recyclingwirtschaft effektiver und effizienter machen?
Wichtig ist, die Kreislaufwirtschaft nicht nur mit Recycling gleichzusetzen, sondern ein differenzierteres Bild zu zeichnen, in dem der wahre Hebel das möglichst lange Nutzen von Produkten und Produktkomponenten (vor dem Recycling) ist. Zentral dafür ist Transparenz auf allen Ebenen und die Verfügbarkeit von Produktinformationen inklusive Materialien und Materialeigenschaften. Hier können digitale Systeme einen wesentlichen Beitrag leisten. Auf betrieblicher Ebene können sie klassisch zur Optimierung des Produktionsprozesses beitragen, betriebsübergreifend können sie zur Visualisierung und Rückverfolgbarkeit von Lieferketten beitragen und dadurch  Wiederverwendung, Reparatur und zu guter Letzt das Recycling deutlich vereinfachen. Aktuell aber fehlt noch bei vielen Unternehmen die Datenerfassung bzw. die Verknüpfung mit Informationen der Lieferkette. Ohne digitale Systeme, die eine genaue Kenntnis der im Umlauf befindlichen Produkte samt ihrer Komponenten und Materialien und Wege ermöglichen, sind Kreislaufschließungen eine große Herausforderung.

Inwiefern, wenn überhaupt, benötigt die Branche auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit den Druck bzw. die Unterstützung von Politik und Gesellschaft?
Ob eine Kreislaufwirtschaft funktioniert, hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab: Auf der einen Seite bedarf es technologischer Lösungen und unternehmerischer Innovationen. Das beginnt bei einem Produktdesign, welches geringen Ressourcenverbrauch, Langlebigkeit, Zerlegbarkeit, Reparierbarkeit, Schadstoffarmut und Recyclingfähigkeit bedenkt, sowie Herstellungsprozesse, die optimiert und ressourceneffizient ablaufen, Geschäftsmodelle, die das volle Potential der Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten Produktlebensdauer auch ökonomisch nutzbar machen lassen. Auf der anderen Seite braucht es gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die das Umsetzen von Kreislaufwirtschaft im Betrieb ökonomisch sinnvoll machen. Noch konkurrieren Kreislaufwirtschaftsprodukte mit konventionellen Produkten (und deren nicht-eingepreisten externen Umwelteffekten) zu ungleichen Bedingungen. Erst wenn ordnungspolitische Rahmenbedingungen lineares Wirtschaften benachteiligen, wird sich Kreislaufwirtschaft für Unternehmen richtig lohnen. Und erst wenn sich auch die Konsummuster der Gesellschaft so transformieren, dass alternative Geschäfts- und Nutzungsmodelle nicht Ausnahme sondern Regel werden, wird sich die Kreislaufwirtschaft vollständig durchsetzen.

Bekommen wir mit einem umfassenden Kreislaufwirtschaftssystem die Umweltprobleme, die sich aus dem Abfall ergeben, schon in den Griff?
Eine tatsächliche umfassende Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft auf ein zirkuläres System kann in der Tat große Teile der menschgemachten Umweltprobleme lösen und gleichzeitig ressourcenschonendes und zukunftsfähiges Leben und Wirtschaften in Wohlstand ermöglichen. Dies allerdings nur, wenn wir ein differenziertes Bild einer Kreislaufwirtschaft haben, welches nicht nur auf das Wiederverwerten von Materialien setzt (Recycling), sondern eben auch auf die intelligene Nutzung und Herstellung von Produkten und Infrastruktur (Refuse, Rethink, Reduce) sowie deren verlängerte Lebensdauer (Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture etc). Wenn wir das schaffen, und damit wirtschaftlich erfolgreich sind, werden uns andere auf diesem Weg folgen!

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