Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview17.07.2019

Nutzerverhalten lässt sich nicht zwangsweise umpolen

Was für DAB+ spricht - und was für IP-basierte Radio-Verbreitung

Dr. Jörg Mielke,  Chef der Staatskanzlei Niedersachsen Quelle: Staatskanzlei Dr. Jörg Mielke Chef der Staatskanzlei Landesregierung Niedersachsen
INITIATORIN DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Der Beschluss des niedersächsischen Landtags gegen DAB+ hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Zukunft des digitalen Übertragungsstandards", sagt der Dr. Jörg Mielke, Chef der Staatskanzlei Niedersachsen. Er weiß um eine Reihe von Vorteilen der digitalen Terrestrik - allerdings spricht aus seiner Sicht auch einiges für IP-basierte Übertragung.





DIESE FACHDEBATTE WIRD PRÄSENTIERT VON



Welche Auswirkungen hat der Beschluss des Niedersächsischen Landtag gegen DAB+ auf die Zukunft des digitalen Übertragungs-Standards in Deutschland?
Der Beschluss des niedersächsischen Landtags gegen DAB+ hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Zukunft des digitalen Übertragungsstandards. Sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Rundfunkanbieter entscheiden im Rahmen ihrer betrieblichen Konzepte selbständig über die von ihnen gewählten Übertragungswege.

Laut dem Beschluss ist DAB+ nur eine Übergangslösung und digitales Radio werde künftig über breitbandiges Internet wie den Mobilfunkstandard 5G übertragen. Welche Vor- und Nachteile hat IP-basierte Verbreitung von Radioprogrammen gegenüber Broadcast aus Ihrer Sicht?
Aufgrund ihrer unterschiedlichen Vor- und Nachteile bedienen die Übertragungswege DAB+ und Internet unterschiedliche Nutzerbedürfnisse und Gewohnheiten. Vorteile von DAB+ können z.B. sein:
•    DAB+ gewährleistet eine störungsfreie mobile Massenkommunikation und wird daher besonders im Auto genutzt. DAB + kann von beliebig vielen Endgeräten zeitgleich ohne Qualitätsverlust empfangen werden.
•    Die Übertragung via DAB+ ist stabiler als die Übertragung über Mobilfunknetze oder das Internet. Sie funktioniert auch dann noch, wenn bei Blitzeinschlag oder Überlastung im Krisen- oder Katastrophen andere Netze zusammenbrechen oder abgeschaltet werden.

Vorteile des Internetradios können z.B. sein:
•    Über das Internet wird ganz erheblich mehr Vielfalt an Hörfunkprogrammen verbreitet. Diese globale Vielfalt kann DAB+ nicht bieten. Insbesondere fehlen viele kommerzielle Sender, die die UKW-Hörerinnen und Hörer gewohnt sind.
•    Während der Nutzer in der Regel im Besitz internetfähiger Empfangsgeräte ist, müssten DAB+-Empfangsgeräte erstmal beschafft werden. Je nachdem wie viele Radios zu ersetzen sind, entstehen mehr oder weniger hohe Anschaffungskosten.

Der Beschluss verweist darauf, dass die Finanzierung der DAB+-Verbreitung der öffentlich-rechtlichen Radiostationen aus dem Rundfunkbeitrag die privaten Stationen benachteilige. Inwieweit sehen Sie hier eine Schieflage und ggf. Möglichkeiten diese zu beseitigen?
Inwieweit sich Standards durchsetzen, ist regelmäßig eine Marktfrage. Bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern besteht die Besonderheit, dass seit ca. 20 Jahren sowohl Aufbau als auch Parallelbetrieb von DAB+ nicht am Markt erwirtschaftet werden mussten, sondern beitragsgestützt erfolgt sind. Gleichwohl hat sich die Technik am Markt nicht etabliert, weshalb Investitionen in die Technik für die Privaten bisher unwirtschaftlich waren. Sollte DAB+ zwangsweise eingeführt werden, müssten die Privaten aus eigenen Betriebsmitteln teure Investitionen nachholen.

In Österreich sind gerade Ende Mai eine ganze Reihe Privatradios auf DAB+ on Air gegangen, in Norwegen ist UKW abgeschaltet. Wie bewerten Sie den Niedersächsischen Vorstoß im europäischen Kontext?
Namentlich in Norwegen ist die Radionutzung nach der UKW-Abschaltung signifikant zurückgegangen. Das macht deutlich, dass sich das Nutzerverhalten völlig unabhängig der Sinnhaftigkeit einer Technologie nicht beliebig zwangsweise umpolen lässt. Hierauf liegt der Fokus der niedersächsischen Entschließung.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Georg Plattner
Direktor
RAS Rundfunkanstalt Südtirol

Dr. Georg Plattner, Direktor RAS Rundfunkanstalt Südtirol
DAB+ | Europa

Warum Südtirol mit der UKW-Abschaltung ■ ■ ■

RAS-Direktor Dr. Georg Plattner über den Umstieg

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Georg Plattner
Direktor
RAS Rundfunkanstalt Südtirol

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dipl.-Inf. Olaf Korte
Gruppenleiter Broadcast Applications
Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS

Olaf Korte, Gruppenleiter Broadcast Applications, Fraunhofer IIS
DAB+ | Europa

Einsame Entscheidung des ■ ■ ■

Wem der Beschluss zu DAB+ schadet - und wer profitiert

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dipl.-Inf. Olaf Korte
Gruppenleiter Broadcast Applications
Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Stefan Raue
Intendant
Deutschlandradio

Stefan Raue, Intendant Deutschlandradio
DAB+ | Europa

In einem historischen Kontext ist ■ ■ ■

Wo DAB+ in Deutschland und Europa steht

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Stefan Raue
Intendant
Deutschlandradio

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.