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21.07.2019
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NRW DYNAMISIERT MITTEL FÜR WEITERBILDUNG

Was mit dem Mehr an Geld passieren soll

Klaus Kaiser - Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Klaus Kaiser - Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. [Quelle: MKW/Christoph Meinschäfer]


"Wer sich nicht fortbildet, läuft Gefahr, gesellschaftlich abgehängt zu werden", sagt Klaus Kaiser, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes. Deswegen investiert NRW viel Geld Kaiser sieht die Weiterbildungslandschaft in NRW auf einem guten Weg.


Nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums brauchen 54 % der Beschäftigten im Zuge der Digitalisierung eine Weiterbildung. Inwieweit sehen Sie unsere Gesellschaft darauf vorbereitet?
Die Herausforderungen, die sich für unsere Gesellschaft durch die Digitalisierung stellen, sind groß. Ich sehe, dass viele Menschen der Digitalisierung mit teilweise großer Skepsis begegnen, bin aber heute davon überzeugt, dass die Digitalisierung mehr Chancen als Risiken bietet. Aber wichtig ist auch, dass wir die Sorgen der Menschen ernst nehmen, insbesondere auch die Beschäftigten in unseren Unternehmen und Verwaltungen. Trotz teilweise großen Nachholbedarfs sind wir in ganz Nordrhein-Westfalen jetzt intensiv und mit hoher Priorität an der Arbeit: Die Wirtschaft selbst stellt z. B. über ihre Kammern Weiterbildungsangebote zur Verfügung. Aber auch das Land ist daher angehalten, Infrastruktur und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich der Digitalisierung zu fördern. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat sich zur Aufgabe gemacht, die Weiterbildung zu stärken und sichtbarer zu machen. Durch Erhöhung der finanziellen Mittel auch mit Blick auf die Digitalisierung hat sie schon einen wichtigen Schritt getan. Aber auch die Verankerung der Weiterbildung in der Digitalisierungsstrategie der Landesregierung wird weitere Angebote ermöglichen.

Dazu gehört, dass wir uns mit den Risiken aber eben auch mit den enormen Chancen der Digitalisierung in der Weiterbildung auseinandersetzen. Zum einen für die Infrastruktur und Verwaltung, zum anderen als Teil neuer Unterrichtsansätze.

Welche diesbezüglichen Maßnahmen gibt es heute schon in Ihrem Bundesland?
Wir fördern spezielle Angebote der Landesorganisationen der allgemeinen gemeinwohlorientierten Weiterbildung, die das pädagogische Personal in den Weiterbildungseinrichtungen nicht nur für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht fortbildet, sondern auch in die Lage versetzt, mit Unternehmen hinsichtlich der Schulung von Fachkräften zu kooperieren. Wir werden darüber hinaus weitere spezielle Beratungsmöglichkeiten und Unterstützungssysteme für die Weiterbildungseinrichtungen schaffen, die sie für die Vermittlung von digitalen Kompetenzen stärkt.

Insgesamt sehe ich die Weiterbildungslandschaft in NRW auf einem guten Weg. Als ein Beispiel unter vielen möchte ich hier die Volkshochschule in Duisburg nennen. Als ich die Einrichtung besucht habe, war ich sehr angetan von der Vernetzung verschiedener Kultureinrichtungen wie etwa Bibliothek und VHS. Insbesondere hat mich beeindruckt, was im Bereich der Vermittlung digitaler Techniken mit 3D-Druck hier bereits genutzt wird. Auch der Einsatz neuer digitaler Möglichkeiten sorgt hier für einen noch stärker auf den Lernenden bezogenen und damit spannenderen Unterricht. Das ist wichtig, insbesondere in einem immer heterogeneren Lernumfeld, weil die Teilnehmenden höchst unterschiedliche Lernvoraussetzungen mitbringen.

Lebenslanges Lernen nutzt den Einzelnen, den Unternehmen und der Gesellschaft. Inwieweit und ggf. mit welchen Maßnahmen sollte die öffentliche Hand (Weiter-)Bildung finanziell künftig stärker unterstützen?
Bildung ist Aneignung von und Umgang mit Wissen. Dies sind Prozesse, Lernprozesse. Und weil sich die Gesellschaft und die Technik immer stärker und immer schneller entwickeln, ist lebenslanges Lernen ohne Alternativen. Wer sich nicht fortbildet, läuft Gefahr, gesellschaftlich abgehängt zu werden. Lernen kann uns niemand abnehmen. Auch keine Maschinen, mögen sie noch so digital, intelligent und autonom sein.

Deshalb gilt gerade auch im Zeitalter der Digitalisierung: Bildung ist immer auch Beziehungsarbeit. Bildung braucht den Menschen, den Lernenden und den Lehrenden. Die Digitalisierung kann auf  der einen Seite den Lehrenden unterstützen und sie kann es auf der anderen Seite dem Lernenden einfacher machen, sie kann das Lernen insgesamt interessanter und unabhängiger von einem bestimmten Lernraum gestalten. Sie kann aber die Dozentin oder den Dozenten nicht ersetzen. Das ist der Ausgangspunkt aller Überlegungen.
Daher macht es Sinn, dass wir in der Weiterbildung natürlich die Risiken, aber eben auch die enormen Chancen der Digitalisierung in der Weiterbildung erkennen. Zum einen für die Infrastruktur und Verwaltung, zum anderen als Teil neuer Unterrichtsansätze.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ist hier schon einen großen Schritt nach vorne gegangen: Die finanziellen Mittel für die allgemeine Weiterbildung werden seit dem Haushaltsjahr 2019 dynamisiert und steigen somit stetig.

Die Verantwortung für Weiterbildung ist teilweise zwischen Bund und Ländern verteilt. Kann das föderale System bei den nötigen Anpassungen für die Digitalisierung im Wege stehen?
Der Aushandelsprozess zwischen Bund und Ländern ist sicherlich zuweilen anstrengend.

Ich bin aber der festen Überzeugung, dass die Förderlinien und die dadurch gegebene Wettbewerbssituation zwischen den Ländern zu hoher Bildungsqualität beiträgt und sie nicht behindert. Dies gilt auch in besonderer Art und Weise für die technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen durch die Digitalisierung.