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18.06.2019
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Wie im Saarland die Arbeitnehmer(innen) von der „digitalen Dividende“ profitieren sollen

Anke Rehlinger (SPD), Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr im Saarland

Anke Rehlinger (SPD), Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr im Saarland [Quelle: Peter Kerkrath]


"Im Saarland existiert ein vielfältiges Angebot an beruflicher Weiterbildung", betont Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). Programme gibt es für Großbetriebe aber auch für KMU. Insgesamt müsse das Bewusstsein bei Unternehmen, bei den Beschäftigten, aber gelegentlich auch in der Politik noch deutlich größer werden.


Nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums brauchen 54 % der Beschäftigten im Zuge der Digitalisierung eine Weiterbildung. Inwieweit sehen Sie unsere Gesellschaft darauf vorbereitet?
Die Digitalisierung verändert unsere Lebens- und Arbeitswelten grundlegend. Die Entwicklung bietet große Chancen zum Beispiel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch mobileres Arbeiten. Aber eben auch Risiken – etwa, weil Berufsbilder sich verändern, einzelne Berufe gar wegfallen, andere entstehen neu. Die Vorteile der Digitalisierung für Unternehmen werden von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erarbeitet. Deshalb müssen sie von der „digitalen Dividende“ auch profitieren. Der wesentliche Schlüssel für die Digitalisierung der Arbeitswelt ist Weiterbildung und Qualifizierung – nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für Arbeitgeber. Dafür muss das Bewusstsein bei Unternehmen, bei den Beschäftigten, aber gelegentlich auch in der Politik noch deutlich größer werden.

Welche diesbezüglichen Maßnahmen gibt es heute schon in Ihrem Bundesland?
Weiterbildung und Qualifizierung sind ein zentraler Baustein im Umgang mit der Digitalisierung. Im Saarland existiert ein vielfältiges Angebot an beruflicher Weiterbildung, zwei Beispiele: Das Zentrum für akademische Weiterbildung, das CEC Saar, unterstützt Studierende, Unternehmen und Berufstätige bei der akademischen Weiterbildung. Das Besondere ist der enge Praxisbezug, denn hier wird jeder Weiterbildungs-Studiengang mit Unterstützung von Unternehmen, Institutionen und Verbänden geplant und durchgeführt. Und die Akademie der Saarwirtschaft (ASW) wiederum hält ein wirtschaftsnahes Portfolio an fachlichen Weiterbildungsveranstaltungen bereit. Als führender IT-Standort ist uns wichtig, dass auch die Angebote selbst mit dem Wandel schritthalten – etwa werden E-Learning, Apps oder webbasierte Trainingsprogramme immer wichtiger. Wir fördern als saarländisches Wirtschaftsministerium zum Beispiel die digitale Lernplattform PiAd, die sowohl die technische Umsetzung als auch die Vermittlung von Fachwissen miteinander verbindet.

Lebenslanges Lernen nutzt den Einzelnen, den Unternehmen und der Gesellschaft. Inwieweit und ggf. mit welchen Maßnahmen sollte die öffentliche Hand
(Weiter-) Bildung finanziell künftig stärker unterstützen?
Genau. Und es gibt viele Möglichkeiten, das Bewusstsein in den Chefetagen aber auch bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu erhöhen. Und natürlich müssen auch die politischen Rahmenbedingungen dazu kommen, um lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Im Saarland gibt es bereits eine Reihe konkreter Maßnahmen, Projekte und Förderungen. Mit einem Landesprogramm bieten wir zum Beispiel großen Unternehmen einen finanziellen Anreiz, um die Beschäftigten fit zu machen für den technologischen Wandel. Ein europäisches ESF-Programm bietet einen Zuschuss für kleine und mittlere Unternehmen – explizit für externe Weiterbildungen und E-Learning. Auch haben wir Beratungsangebote insbesondere für kleinere Unternehmen, wir unterstützen die Arbeitnehmer durch das saarländische Bildungsfreistellungsgesetz, indem sie in einem bestimmten Rahmen für Weiterbildung von ihrer Arbeit freigestellt werden, mit dem Meisterbonus betonen wir die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung. In meinem Ministerium koordinieren wir außerdem das Zukunftsbündnis Fachkräfte Saar, das ebenfalls die berufliche Weiterbildung als Schwerpunktthema hat. Die Gründung des bereits genannten Zentrums für akademische Weiterbildung CEC Saar ist hier zum Beispiel eine der Maßnahmen des ZFS. Eine weitere ist die Bereitstellung einer digitalen Weiterbildungsplattform mit einem Überblick zu regionalen Weiterbildungsmöglichkeiten, Förderangeboten und Beratungsstellen.

Die Verantwortung für Weiterbildung ist teilweise zwischen Bund und Ländern verteilt. Kann das föderale System bei den nötigen Anpassungen für die Digitalisierung im Wege stehen?
Nein, nicht unbedingt. Aber sehr wohl braucht es hier eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Zum Thema Weiterbildung wurde zum Beispiel die Nationale Weiterbildungsstrategie durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen. Hierbei geht es genau um das Thema Fachkräftebedarf und Digitalisierung. Im Koalitionsvertrag auf Bundesebene haben sich die Parteien darauf verständigt, arbeitsmarkt- und bildungspolitische Instrumente besser zu verzahnen und Weiterbildungsprogramme von Bund und Ländern zu bündeln. Unser gemeinsames Ziel ist schließlich, alle Erwerbstätigen dabei zu unterstützen, ihre Qualifikationen und Kompetenzen im Wandel der Arbeitswelt zu erhalten, anzupassen und fortzuentwickeln. Außerdem wollen wir so natürlich auch Auf- bzw. Umstiege im Berufsleben ermöglichen. Diese Strategie baut zugleich auf bereits etablierten als auch auf geplanten Initiativen der Bundesregierung auf, berücksichtigt aber auch die Fördermaßnahmen der Länder. Auf Bundesebene sind das beispielsweise das Berufsbildungsgesetz, das Qualifizierungschancengesetz und das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz. Im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie gilt es jetzt, gemeinsam mit den Ländern und den Sozialpartnern die Maßnahmen zu bündeln und weiterzuentwickeln. Der technologische Wandel ist eine Herausforderung, die nur durch gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern zum Wohle der Unternehmen und der Beschäftigten gemeistert werden kann. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Chancen nutzen können und die Risiken abfedern.