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Kolumne16.12.2015

Leichte Sprache als Schlüssel zur Teilhabe

Wie die Bundesvereinigung Lebenshilfe Sprachbarrieren abbauen will

Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Quelle: Laurence Chaperon Ulla Schmidt Vizepräsidentin Deutscher Bundestag
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Ulla Schmidt, setzt sich vehement für eine leicht verständliche Sprache ein. In ihrer Kolumne erklärt sie, warum einfache Formulierungen für die Teilhabe an demokratischen Prozessen nötig sind.





Inklusion heißt: Alle Menschen gehören dazu – und zwar von Anfang an. Das ist eine riesige Aufgabe, die alle etwas angeht: die Politik und die Zivilgesellschaft. Denn es gibt ein Recht auf Teilhabe, das in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert ist. Der Schlüssel zur Teilhabe ist für mich Barrierefreiheit. Viele denken dabei zuerst an Rampen und Aufzüge. Doch genauso wie eine Treppe eine Barriere für einen Rollstuhlfahrer ist, ist schwere Sprache ein Hindernis für Menschen mit einer geistigen Behinderung, für viele alte Menschen und Menschen aus anderen Ländern. Schwere Sprache ist eine Barriere, die wir abbauen müssen. Um seine Rechte wahrzunehmen,  muss man diese auch verstehen können. Nur so kann jeder Mensch an unserer Gesellschaft teilhaben.

Um vor allem auch die politische Teilhabe sicher zu stellen, brauchen wir mehr Leichte Sprache. Das ist eine leicht verständliche Sprache, die mit kurzen Sätzen und einfachen Wörtern arbeitet. Als Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages setze ich mich sehr für Leichte Sprache ein. So bietet die Zeitung Das Parlament inzwischen Nachrichten in Leichter Sprache an. Außerdem gibt es Führungen und Informationen in Leichter Sprache zum Reichstagsgebäude.

Auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe, deren Vorsitzende ich bin, ist im Bereich Leichte Sprache aktiv. Gemeinsam mit anderen Lebenshilfen haben wir eine Genossenschaft für Leichte Sprache gegründet. Das Ziel ist, die Professionalisierung der Leichten Sprache voranzutreiben. Außerdem gibt die Lebenshilfe viermal im Jahr ein Magazin mit Leichter Sprache heraus. Aktuelle Themen stehen auf der Internetseite in Leichter Sprache, andere Texte zur Information und für Mitglieder werden übersetzt.

Natürlich ist das erst der Anfang. Wir müssen Angebote in Leichter Sprache fördern und so ein Bewusstsein dafür schaffen. Wenn heute bei großen Debatten kein Gebärdendolmetscher dabei ist, fällt das auf. Leichte Sprache muss genauso selbstverständlich werden.
Schon jetzt lassen viele politische Parteien ihre Wahlprogramme in Leichte Sprache übersetzen. Ich beobachte dabei, dass die Wahlprogramme in Leichter Sprache als erste vergriffen sind - weil viele Menschen Leichte Sprache gerne nutzen, auch wenn sie sie eigentlich gar nicht brauchen.

Für die, die sie brauchen, ist Leichte Sprache eine Grundvoraussetzung für Gleichberechtigung und Teilhabe. Langfristig muss Leichte Sprache daher ein einklagbares Recht werden. Das fordert auch die Lebenshilfe. Natürlich ist das ein langer Prozess, der Geld kostet. Die Leichte Sprache sollte so anerkannt sein, dass sie als Sprachdienst mit Dolmetschern wie alle anderen Sprachen dieser Welt zur Verfügung steht. Ganz aktuell ist dies im Deutschen Bundestag gelungen.

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