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23.05.2022
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LAV SACHSEN-ANHALT SIEHT VERBESSERUNG DES LEBENSRAUMES WASSER ALS EINE KERNAUFGABE

Wie Angler für Nachhaltigkeit sorgen

Martin Schwabe - Naturschutz & Öffentlichkeitsarbeit, Landesanglerverband Sachsen-Anhalt e.V.

Martin Schwabe - Naturschutz & Öffentlichkeitsarbeit, Landesanglerverband Sachsen-Anhalt e.V. [Quelle: LAV Sachsen-Anhalt]


"Lediglich 3 % unserer Oberflächengewässer befinden sich in einem „guten ökologischen Zustand/Potential“", sagt Martin Schwabe vom Landesanglerverband Sachsen-Anhalt e.V.. Er vertritt den größten anerkannten Naturschutzverband in Sachsen-Anhalt. An die Politik hat er klare Erwartungen.


In das traditionelle Angeln hat in den letzten Jahren vermehrt (digitale) Technik Einzug gehalten. Wie verändert das die Freizeitfischerei aus Ihrer Sicht?
Das Angeln ist ein traditionsreiches Hobby, welches sich stetig weiterentwickelt und dennoch die grundlegende Methodik beständig beibehält. Rute, Rolle, Schnur und Haken sind die fundamentalen Bestandteile aller Angelmethoden und vollkommen ausreichend für den erfolgreichen Fischfang. Alle heute bekannten Methoden zum Angeln sind Abwandlungen dieser Grundausrüstung und dienen der Spezialisierung oder der Erleichterung des Fangs. Neue Technik und auch digitale Helfer können Teil dieser Weiterentwicklung sein und so manchen Angelausflug bequemer gestalten. All der Komfort durch neue Technik wird dennoch nie eine Fanggarantie bieten, weil der Fangerfolg von zu vielen Faktoren abhängig ist.

Ein nicht zu verachtender Vorteil der Digitalisierung liegt jedoch auch in der verbesserten Produktqualität der Angelgeräte. Eine hohe Produktqualität hilft nicht nur dem Angler, sondern bietet auch dem Fisch insofern Schutz, dass das Maß an Verletzungen so gering wie möglich gehalten wird.

Das Angeln gilt auch als bedeutend für die ökologische Entwicklung der Gewässer. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie diesbezüglich in Ihrer Region?
Der Landesanglerverband Sachsen-Anhalt e.V. ist der größte anerkannte Naturschutzverband in Sachsen-Anhalt. In der Rolle als Naturschützer, wie auch der Rolle als Vertreter der Anglerschaft, sind wir an der Förderung und dem Erhalt eines artenreichen und naturnahen Fischbestandes in sauberen Gewässern interessiert. Dieser Verantwortung kommen wir nach, indem wir den Schutz und die Verbesserung des Lebensraumes Wasser als eine unserer Kernaufgaben sehen.

Die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit, die Zielerreichung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und die Umsetzung der Aalschutzverordnung sind dauerhaft aktuelle Themen für uns. Querverbauungen, wie beispielsweise Wasserkraftanlagen, blockieren einerseits eine freie Durchwanderbarkeit unserer Fließgewässer und verhindern damit u.a. die Reproduktion und somit die Wiederansiedlung einiger Langstreckenwanderer, und andererseits stirbt in etwa jeder fünfte Fisch beim Passieren einer Wasserkraftanlage weltweit. Gleichzeitig ist die Forderung der Wasserrahmenrichtlinie nach einem „guten ökologischen Zustand/Potential“ und einem „guten chemischen Zustand“ in unserem Bundesland längst nicht erreicht: Lediglich 3 % unserer Oberflächengewässer befinden sich in einem „guten ökologischen Zustand/Potential“ (siehe: Gewässerrahmenkonzept für das Land Sachsen-Anhalt 2022-2027)! Die Verbesserung dieser Zustände stellt eine große Herausforderung nicht nur für uns, sondern für die gesamte Gesellschaft, dar.

Welchen Beitrag kann digitale Technik beim Angeln für nachhaltige Qualität der Gewässer leisten?
Viele Bootsangler nutzen heutzutage Echolote, um die Gewässer besser kennenzulernen und um mögliche Fangplätze zu finden. Die Erfassung der Gewässerstruktur und der Tiefenkarten schafft umfangreiches Wissen zu einem Gewässer, welches wiederum genutzt werden kann um entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen zielgerichtet ableiten zu können. Somit wird beispielsweise ein Fehlbesatz mit falschen Fischarten oder eine nicht dem Gewässer entsprechende Menge vermieden. Langfristig trägt dieses Wissen somit zur Entwicklung bzw. Sicherung eines natürlichen Zustandes eines Gewässers bei.

Indirekt profitiert die Natur beispielsweise durch die Digitalisierung unseres Gewässerverzeichnisses. Mit Hilfe der digitalen Karten ist es einfacher und eindeutiger möglich, auf die Grenzen von Schonbezirken oder Naturschutzgebieten hinzuweisen, sodass die Betretungsverbote eingehalten werden. Änderungen oder aktuelle Hinweise können digital außerdem sehr viel zeitnaher mitgeteilt werden, was ebenso bei der Umsetzung hilft. Auch die schnelle Weiterleitung von Informationen kann von Nutzen sein, beispielsweise im Falle von Havarien. Je schneller ein Havariefall wahrgenommen und gemeldet wird, umso schneller kann darauf reagiert werden und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Welche Unterstützung von der Politik wünschen Sie sich und Ihren Mitgliedern vonseiten der Politik bei Ihrer Arbeit?
Der Koalitionsvertrag der Ampelparteien formuliert bereits eine Anerkennung der Leistung, welche unsere Anglerinnen und Angler für den Natur- und Artenschutz leisten – eine erfreuliche Wertschätzung die so bisher nicht festgehalten wurde. Dennoch wird das Angeln in vielen Bereichen des Naturschutzes weiterhin als negativer Einfluss gewertet, was bis hin zum vollständigen Ausschluss aus vielen Gewässerabschnitten führt. Das Schützen und Pflegen unserer Umwelt zählt zu unseren Grundwerten und sichert die Möglichkeit für gesunde Ökosysteme und eine nachhaltige Nutzung. Diese Einstellung werden wir weiterhin gegenüber der Politik vertreten, um die Wahrnehmung dieser Leistung noch zu stärken.

Zusätzlich gilt: Die oben genannten Herausforderungen lassen sich nur bewältigen, wenn die Bedingungen dafür geschaffen werden und auf politischer Ebene die Weichen entsprechend gestellt werden. Die EU hat die WRRL bereits im Jahr 2000 verabschiedet und dennoch geht die Umsetzung dieser Vorgaben auf nationaler Ebene nur schleppend voran. Wir fordern daher die konsequente Umsetzung der WRRL in Verbindung mit der Umsetzung des Wasserhaushaltsgesetzes.