Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview02.01.2020

Kostenlose Daten für Landwirte

Wie das Saarland die Digitalisierung der Branche unterstützt

Reinhold Jost - Minister für Umwelt und Verbraucherschutz im Saarland Quelle: Ministerium fuer Umwelt und Verbraucherschutz/ S. Bauer Reinhold Jost Umweltminister Landesregierung Saarland
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"In der Digitalisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse sehe ich ein erhebliches Innovationspotenzial für eine effiziente, nachhaltige, ressourcen- und klimaschonende Landbewirtschaftung und für Tierwohl fördernde Haltungsverfahren", sagt der saarländische Umweltminister Reinhold Jost. Deswegen setzt er bei der Untersttützung der Landwirte auf Landes-Programme und länderübergreifende Zusammenarbeit.





Experten sehen die Landwirtschaft in einer digitalen Transformation hin zum Smart Farming. Wie unterstützen Sie die Betriebe in Ihrem Land auf diesem Weg?
In der Digitalisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse sehe ich ein erhebliches Innovationspotenzial für eine effiziente, nachhaltige, ressourcen- und klimaschonende Landbewirtschaftung und für Tierwohl fördernde Haltungsverfahren. Wir wollen im Saarland zukünftig der landwirtschaftlichen Praxis nutzerfreundliche GeoBasis- und GeoFach-Daten (Wetter, Boden, Erosion etc.) an die Hand geben.

Der von Rheinland-Pfalz entwickelte GeoBox-Viewer geht da genau in die richtige Richtung. Er trägt dazu bei, dass die Betriebe schnell und einfach auf staatlich bereit gestellte Daten zugreifen können. Die Idee dieser GeoBox-lnfrastruktur werden wir auch im Saarland umsetzen,  ein digitales Agrarportal einrichten.

Als erster Schritt werden wir in diesem Jahr einen GeoBox-Viewer etablieren, um den Landwirten kostenlos relevante Daten  anzubieten. In einem weiteren Schritt wird ein GeoBox-Messenger entwickelt, damit all diese Daten auch mobil über den Messenger direkt vor Ort abrufbar sind.

Selbstfahrende landwirtschaftliche Maschinen, Drohnen über den Feldern, Roboter im Stall – wie kann sichergestellt werden, dass kleinere Betriebe in solche Zukunftstechnologien angemessen investieren können?
Selbstverständlich müssen wir dafür sorgen, dass unsere kleineren Betriebe bei der Digitalisierung nicht abgehängt werden. Insbesondere von der geplanten kostenlosen Dienstleistung durch den erwähnten GeoBox-Viewer und -Messenger sollen alle Betriebsgrößen profitieren.

Außerdem haben wir derzeit ein zweijähriges Pilotprojekt zum autonomen Fahren mit Traktoren auf landwirtschaftlichen Flächen laufen. Im Rahmen des Projektes können saarländische Landwirte kostenfrei auf die hochpräzisen Satellitendaten (SAPOS-Daten) zur autonomen Steuerung ihrer Traktoren und Landmaschinen zugreifen. Die nötigen Korrekturdaten zur zentimetergenauen Navigation der landwirtschaftlichen Fahrzeuge werden von der saarländischen Vermessungsverwaltung bereitgestellt. Satellitengestützte Maschinensteuerung macht die Bewirtschaftung von Flächen einfacher, präziser und ermöglicht einen effizienten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Mit der kostenlosen Bereitstellung der SAPOS-Daten wollen wir einen Anstoß geben, um das Precision Farming auch im Saarland zu etablieren. In der Testphase werden nun Erfahrungen gesammelt, wie das System von den Landwirten angenommen wird und welchen Beitrag es für den Umweltschutz liefert.

Wir unterstützen unsere Betriebe auch im Rahmen unseres Agrarinvestitionsförderungsprogramms (AFP) bei der Digitalisierung. Hier besteht die Möglichkeit einer finanziellen Förderung von Pflanzenschutzgeräten mit Sensorsteuerung, von Geräten zur mechanischen Unkrautbekämpfung mit elektronischer Reihenführung mittels optischer Sensoren oder von Satellitentechnologie. Auch bei Investitionen im Bereich Tierhaltung können Technologien der Innenwirtschaft wie Melkroboter, Spaltenroboter, Fütterungsroboter oder Anlagen zur Tiererkennung gefördert werden.

Welchen Beitrag kann die Digitalisierung auf dem Weg zu nachhaltigerer Landwirtschaft leisten?
Die Digitalisierung nimmt eine Schlüsselrolle ein bei dem Vorhaben, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz in der Landwirtschaft der Zukunft zu kombinieren. Die Landwirtschaft arbeitet in der Natur und mit der Natur. Wenn es darum geht, Pflanzenschutzmittel zu reduzieren, kommen wir an moderner digitaler Technik nicht vorbei. Precision Farming kann dazu beitragen, dass Kraftstoff, Dünger und Pflanzenschutzmittel effizienter eingesetzt und so eine klima- und ressourcenschonendere Landwirtschaft betrieben werden kann. Für die integrierte Wirtschaftsweise, aber auch für den ökologischen Landbau werden digitale Technologien zur punktgenauen Applikation von Pflanzenschutzmitteln oder zur digital mechanischen Kulturpflege eine wichtige Rolle spielen.

Insbesondere eine effiziente mechanische Unkrautbekämpfung ist für den weiteren Ausbau des Ökolandbaus wichtig. Daher leistet die Digitalisierung auch einen Beitrag zu unserem angestrebten Ziel - den ökologischen Landbau im Saarland bis 2025 auf einen Flächenanteil von 25 % zu steigern.

Wie lässt sich sicherstellen, dass genügend Fachkräfte für Smart Farming zur Verfügung stehen?
Sowohl im Rahmen der Beratung als auch in der berufsbezogenen Aus-, Fort- und Weiterbildung muss das Wissen über Digitalisierung an die landwirtschaftlichen Betriebe weitergegeben werden.

Um Kompetenzen und Know-how der unterschiedlichen Akteure zu bündeln und Synergien im Bereich der Digitalisierung zu nutzen, haben die vier Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland vor einem Jahr das „Kompetenznetzwerk  Digitale Landwirtschaft - West (K-West)“ gegründet.

Durch die länderübergreifende Zusammenarbeit konnten wir Spezialisten gewinnen, und es ist auch gelungen, ein vom Bund gefördertes Projekt im Südwesten zu starten: „Experimentierfeld Südwest - Förderung des branchenübergreifenden und überbetrieblichen Datenmanagements zur Unterstützung landwirtschaftlicher Wertschöpfungssysteme.“

Dieses Experimentierfeld für digitale Landwirtschaft hat auch zum Ziel, als Schaufenster für die Anwendungen von Smart Farming für die Landwirte zu dienen. Dadurch soll ein Wissenstransfer in die Beratung sowie in die landwirtschaftliche Praxis stattfinden.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Barbara Otte-Kinast
Landwirtschaftsministerin
Landesregierung Niedersachsen

Barbara Otte-Kinast - Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Smart Farming

Praxis-Labor Digitaler Ackerbau ■ ■ ■

Welche Chancen digitale Technologien auf dem ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Barbara Otte-Kinast
Landwirtschaftsministerin
Landesregierung Niedersachsen

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Ursula Heinen-Esser
Landwirtschaftsministerin
Landesregierung NRW

Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Smart Farming

NRW steckt Millionen in die digitale ■ ■ ■

Wie die Digitalisierung die Landwirtschaft im ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Ursula Heinen-Esser
Landwirtschaftsministerin
Landesregierung NRW

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Bernhard Krüsken
Generalsekretär
Deutscher Bauernverband

Bernhard Krüsken - Generalsekretär Deutscher Bauernverband
Smart Farming

Landwirtschaft braucht die ■ ■ ■

Warum der Bauernverband ein länderübergreifendes ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Bernhard Krüsken
Generalsekretär
Deutscher Bauernverband

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.