Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview08.03.2024

KI und maschinelles Lernen machen diagnostische Anwendungen genauer

Wie digitale Akten den Behandlungspfad als Prozesskette ermöglichen

Dr. Guido Schütte, Siemens Healthineers. Leiter Labordiagnostik Deutschland und Niederlande Quelle: Siemens Healthineers AG Dr. Guido Schütte Leiter Labordiagnostik Deutschland und Niederlande Siemens Healthineers
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"In den vergangenen Jahren hat sich die Diagnostik im medizinischen Bereich deutlich fortentwickelt", sagt Dr. Guido Schütte von Siemens Healthineers. Der Leiter Labordiagnostik in Deutschland und den Niederlanden kennt aber auch die Herausforderungen des Themas.





Wie bewerten Sie die Fortschritte der diagnostischen Anwendungen in den letzten Jahren und welche Ursachen gibt es dafür?
In den vergangenen Jahren hat sich die Diagnostik im medizinischen Bereich deutlich fortentwickelt. Dabei verfügt die In-vitro-Diagnostik in Deutschland über die effizientesten Strukturen weltweit. Über 60 Prozent der Therapieentscheidungen beruhen auf Laborergebnissen, obwohl diese weniger als 3 Prozent der Gesundheitskosten ausmachen. Man hat also erkannt, welches Potenzial durch Automationslösungen und Automatisierung erschlossen werden kann. Und das ist auch notwendig: der demografische Wandel fordert nicht nur uns als Hersteller, weiterhin Lösungen zu entwickeln, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Inwiefern hat die Corona-Pandemie dieses Tempo als zusätzlichen Booster erhöht?
Die Pandemie hat verdeutlicht, welche Veränderungen im Gesundheitswesen und in der Labordiagnostik möglich sind. Innerhalb kurzer Zeit wurden Strukturen geschaffen, die es den Laboren ermöglichten, das Robert Koch-Institut bei der Überwachung des Pandemiegeschehens zu unterstützen. Während der Pandemie spielte die In-vitro-Diagnostik eine entscheidende Rolle dabei, das Geschehen einzuschätzen und die empfohlenen Maßnahmen zu überwachen bzw. zu validieren. Plötzlich war der PCR-Test fast allen Bevölkerungsgruppen bekannt. Die Selbsttestung trug dazu bei, die Bekanntheit und das Ansehen der In-vitro-Diagnostik weiter zu steigern. Während und nach der Pandemie wurde deutlich, dass der Fachkräftemangel ein drängendes Problem bleibt, das sich eher weiter verschärft. Als Anbieter suchen wir ständig nach Lösungen, um unseren Kunden dabei zu helfen, den wachsenden Anforderungen im Labor und der Lücke im Bereich der Fachkräfte gerecht zu werden. Unsere Robotik-Lösung beispielsweise unterstützt Krankenhauslabore dabei, rund um die Uhr Ergebnisse zu liefern. Insbesondere während der Nacht und am Wochenende stellt die Robotik eine wertvolle Ergänzung zur routinemäßigen Diagnostik dar.

Welche Rolle spielen bei der Entwicklungsbeschleunigung die Digitalisierung bzw. der Einsatz von Künstlicher Intelligenz?
Durch die Implementierung elektronischer Patientenakten hat das medizinische Personal jetzt oftmals rund um die Uhr Zugriff auf Bild- und Laborbefunde. Dadurch können sich Personen, die an der Behandlung beteiligt sind, jederzeit ein umfassendes und aktuelles Bild über den Gesundheitszustand ihrer Patient*innen verschaffen. Durch die Einführung digitaler Akten besteht inzwischen die Möglichkeit, den Behandlungspfad als Prozesskette abzubilden. Bereits jetzt hat die Integration von KI und maschinellem Lernen in diagnostische Anwendungen zu einer erhöhten Genauigkeit und Effizienz bei der Auswertung von Labordaten und der Diagnoseerstellung geführt. Basierend auf vorhandenen Befunden in der elektronischen Patientenakte und dem Vergleich mit anonymisierten, ähnlichen Fällen kann die KI dem behandelnden Personal mögliche Behandlungsoptionen vorschlagen. Die letztliche Entscheidung liegt dabei stets beim medizinischen Personal. Patient*innen können allerdings von diesen Fortschritten profitieren.

Welche medizinischen Fortschritte erwarten Sie im Ergebnis dieser Prozesse in der Diagnostik?
Wenn Behandlungsoptionen auf Basis von validierten Daten vorliegen, kann das medizinische Personal schneller zu einer präzisen Diagnose gelangen, eine geeignete Therapie empfehlen und diese rascher umsetzen. Der Einsatz digitaler Lösungen und künstlicher Intelligenz ermöglicht dem medizinischen Personal und den informierten Patient*innen also eine genauere Diagnostik. Insgesamt tragen technische Lösungen zu einer effizienteren und wirksameren Gesundheitsversorgung bei, was zu einem verbesserten Gesundheitsmanagement der Bevölkerung führt. Dennoch bleiben Herausforderungen wie die Validierung neuer Technologien, die Sicherheit der Daten und die Integration dieser Technologien in das Gesundheitssystem bestehen.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Katharina Fox
Clustermanagement
Stadt Mannheim

Katharina Fox, Clustermanagement Gesundheitswirtschaft der Stadt Mannheim
Diagnostik | KI

Wie sich das Gesundheitswesen ■ ■ ■

Und welche Rolle KI und Big Data dabei spielen

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Katharina Fox
Clustermanagement
Stadt Mannheim

WERBUNG

EMPFEHLUNGEN FÜR ENTSCHEIDER

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Timo Burkhardt
Kaufmännischer Geschäftsführer, Department für Diagnostische Labormedizin
Uniklinik Tübingen

 Timo Burkhardt Kaufmännischer Geschäftsführer, Department für Diagnostische Labormedizin am Uniklinikum Tübingen
Diagnostik | KI

Neue Entwicklungen in der Diagnostik ■ ■ ■

Warum die Industrie zunehmend auf ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Timo Burkhardt
Kaufmännischer Geschäftsführer, Department für Diagnostische Labormedizin
Uniklinik Tübingen

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Elisabeth Pachl
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Fraunhofer IKS

Elisabeth Pachl, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Trustworthy Digital Health am Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS
Diagnostik | KI

Ganzheitliche Gesundheitsversorgung ■ ■ ■

Wie diagnostische Verfahren optimiert werden

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Elisabeth Pachl
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Fraunhofer IKS

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.