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08.08.2020
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IN DORTMUND FLIEGEN KEINE BRIKETTS MEHR DURCH DIE LÜFTE

Warum der Strukturwandel der City zu Gute kommt und neue Verkehrskonzepte in Entwicklung sind

Dirk Rutenhofer, Geschäftsführender Gesellschafter der Weckbacher Sicherheitssysteme und 1. Vorsitzender des Cityring e.V. Dortmund

Dirk Rutenhofer, Geschäftsführender Gesellschafter der Weckbacher Sicherheitssysteme und 1. Vorsitzender des Cityring e.V. Dortmund [Quelle: Cityring e.V. Dortmund]


Dortmund wird noch immer unterschätzt. "Viele Menschen in Deutschland glauben wirklich noch, dass hier die Briketts durch die Lüfte fliegen", so Dirk Rutenhofer, 1. Vorsitzender des Cityring Dortmund. "Unsere Stadt hat sich in den letzten 15 Jahren außergewöhnlich positiv entwickelt. Städtebauliche Maßnahmen, Strukturwandel wie sie keine andere Stadt im Revier gemeistert hat, immer noch ist der Westenhellweg eine der bestfrequentiertesten Einkaufsstraßen in Deutschland." Ein ganz wichtiges Thema für die Stadt sind jetzt neue Mobilitätskonzepte, damit Dortmund sich auch künftig weiter positiv entwickelt.


Wie attraktiv ist die Dortmunder City in Bezug auf das Einkaufserlebnis, was ist gut, was könnte noch besser sein?
Diese Antwort kann ja nur subjektiv sein. Letztendlich entscheiden das die Menschen, die zu uns nach Dortmund kommen um hier Zeit zu verbringen, um einzukaufen und etwas schönes erleben möchten. Auch wenn Dortmund immer noch unterschätzt wird (viele Menschen in Deutschland glauben wirklich noch, dass hier die Briketts durch die Lüfte fliegen) hat sich unsere Stadt in den letzten 15 Jahren außergewöhnlich positiv entwickelt. Städtebauliche Maßnahmen, Strukturwandel wie sie keine andere Stadt im Revier gemeistert hat, immer noch ist der Westenhellweg eine der bestfrequentiertesten Einkaufsstraßen in Deutschland. Weiterhin Viertel und Straßen die zum Entdecken, verweilen und natürlich zum Einkaufen einladen, viele inhabergeführte Fachgeschäfte (hier hat sie schon vor Jahren die Qualitätsroute Dortmund e.V. , ein Zusammenschluss von ausschließlich Inhaber geführten Fachgeschäften gegründet und zwar so erfolgreich, dass Sie zwischenzeitlich gerne und oft kopiert und in andere Städte übertragen wurde. Kinderfreundlichkeit, Aufenthaltsqualität in der City, Barrierefreiheit, durchdachte Angebote für Senioren sind Themen, die noch besser gemacht werden müssen.

Beim Thema Einkaufen geraten die Innenstädte durch das wachsende Onlinegeschäft unter Druck. Verschwinden schon bald Buchläden, Banken, Schuhgeschäfte aus den Innenstädten und drohen uns wahre Geistercities? Was kann der stationäre und mittelständisch geprägte Handel gegen die scheinbar übermächtige Webkonkurrenz überhaupt ausrichten und wie können sich die Städte gegenüber dem Internethandel behaupten?
Buchläden, Banken, Schuhgeschäfte und auch viele andere verschwinden nicht nur bald sondern sind bereits verschwunden! Und das wird weitergehen! Für die Dortmunder City als Oberzentrum bleibt uns noch etwas Zeit „Neues“ einzuleiten. Aber schauen wir doch einfach in die Nebenzentren unserer Stadt. Dort finden wir zum Teil das, was in Ihrer Frage als „Geistercity“ zu bezeichnen ist. Eine ganz traurige Entwicklung, die sich aus meiner Sicht erst einmal fortsetzen wird. Irgendwann wird es auch bei den Menschen in den Vorstädten (und auch kleinen Städten) ein böses Erwachen geben wird, verbunden mit der Erkenntnis, dass Sie mit der unaufhaltsamen Entwicklung des  online Handels in ihrem Lebensumfeld einen hohen Preis zu zahlen haben, nämlich den, der Verödung und dem Verlust der Lebensqualität in ihrem Wohnumfeld. Eine regelrechte Spirale, denn fallende Mieten sowohl für Gewerbeobjekte als auch für Wohnen. Gerne erzähle ich in Diskussionen davon, dass im Zeitalter der Kutscher als die ersten Autos auf unseren Straßen nur von ganz ganz  wenigen Gefahren wurden, die Entwicklung der Motorisierung nicht ernst genommen haben, schon alleine deshalb weil sie der Meinung waren, dass es gar nicht so viele Chauffeure geben kann, die diese Kraftfahrzeuge in der Lage sind zu beherrschen und zu fahren. Mit anderen Worten, die Kutscher waren wahrlich keine Befürworter der Automobile. Der Rest des Geschichte. Nur viel komplizierter und unfassbar tiefgreifender!

Welche Konzepte brauchen die Citys und die mittelständische Wirtschaft, um auch im Digitalzeitalter attraktiv zu bleiben?
Der Leitsatz unseres Vereins steht schon in der Bibel und wird auch von anderen oft zitiert: Suchet der Stadt Bestes, denn wenn's ihr Wohl geht, so geht's auch Euch wohl! Aktueller geht es nicht. Die Innenstädte brauchen mehr denn je einen attraktiven Handel und es muss gelingen durch Aktionen Angebote und eine intelligente Vernetzung von Handel, Verkehr,  Gastronomie, Kultur und Freizeit um die  Attraktivität zu steigern. Erlebnisberatung und Service als Stärken herausstellen. Meines Erachtens brauchen wir auch eine bessere Vernetzung der Akteure in einer Stadt. Die Stadt selbst, also der Rat unserer Stadt, der Verantwortung trägt und Entscheidungen trifft  i.V.m. allen anderen Akteuren, also den Händlern und zwar den großen und den kleinen, den Kammern, den Verbänden, der Wirtschaftsförderung, der Dortmund Tourismus Gesellschaft, unseren Kultureinrichtungen egal ob städtisch oder frei. Über ein gemeinsames Budget muss nachgedacht werden!

Ein wichtiger Aspekt beim Einkaufen in den Städten ist das Thema Mobilität und Verkehr. Müssen hier neue Konzepte her,  damit auch künftig die Menschen in den Citys einkaufen gehen?
Ein ganz wichtiges Thema, von dem ich glaube, dass es in unserer Stadt vorzüglich und mit größter Aufmerksamkeit behandelt wird. Die Argumente reichen von „am liebsten möchte der Kunde bis vor die Theke fahren“ bis hin zur „radikalen Umgestaltung“, wie wir sie in Kopenhagen bestaunen können. Eine autofreie Innenstadt die zunächst unter größtem Protest abgelehnt ,dann umgesetzt wurde und heute gefeiert wird. Das streiten und Ringen um die besten Lösungen hat bereits begonnen…

Mit welchen Ideen und Programmen sorgen Sie dafür, dass die Innenstadt attraktiv bleibt?
Auch hier kann ich nur für den Cityring sprechen und über das, was unser Verein hier einbringen kann. Das Füllhorn an Ideen und Programmen ist groß. Vieles setzen wir um, so z.B. vor sieben Jahren erstmalig unsere Aktion „Spiel mich“ die zwischenzeitlich zu einer Kultveranstaltung geworden ist. Hier stellen wir jedes Jahr in den Sommerferien an unterschiedlichen Standorten (10-15) in der City von Dortmunder Bürgern gespendete Klaviere auf, die dann von jedermann bespielt werden können. Anfangs belächelt finden sich heute großartige Klavierspielerin und Klavierspieler jeden Alters in der City ein, umso regelrecht kleine Klavierkonzerte die vom Publikum bejubelt werden, zu geben. Im letzten Jahr haben wir erstmalig die Cityring Konzerte entwickelt und umgesetzt. Drei Abende, Open Air, mit großartigen Solisten und den Dortmunder Philharmonikern. Italienische Verhältnisse auf dem Friedensplatz. Jetzt im September erfolgt die zweite Auflage. Um nur zwei erfolgreiche Beispiele zu nennen. Letztendlich macht sich daran nicht die Attraktivität einer Innenstadt aus, aber es ist ein Teil dessen. Ich empfehle, einen Blick auf „Dortmund überrascht Dich“. www.Dortmund-ueberrascht-dich.de Dortmund bietet täglich Möglichkeiten, Erlebnisse, Ereignisse  und zwar in einer Vielfalt, die seines gleichen sucht. Unglaublich aber wahr. Der Satz „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ gilt auch für unsere Städte.