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26.07.2021
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Wie digital die Wirtschaftsuniversität Wien ist - und noch wird

Tatjana Oppitz - Vizerektorin für Infrastruktur und Digitalisierung, Wirtschaftsuniversität Wien

Tatjana Oppitz - Vizerektorin für Infrastruktur und Digitalisierung, Wirtschaftsuniversität Wien [Quelle: Klaus Vyhnalek]


"In Zukunft werden Universitäten ganz unterschiedliche physische, hybride und digitale Lehr- und Lernangebote haben", prognostiziert Vizerektorin Tatjana Oppitz von der Wirtschaftsuniversität Wien. Dabei gelte es einen optimalen Mix aus physischer und digitaler Welt zu schaffen, um die Vorteile beider Welten zu nutzen.


Experten registrieren in der Pandemie einen Digitalisierungsschub an den Hochschulen. Welche Entwicklungen hat es an Ihrer Einrichtung in den letzten Monaten gegeben?
An der WU Wien wurde bereits vor Ausbruch der Pandemie eine Digitalisierungsstrategie entwickelt, die sowohl die Digitalisierung der Lehre als auch jene der Forschung und Administration gesamtheitlich behandelt. Mit dem Ausbruch der Pandemie und den ersten digitalen Semestern konnte daher unmittelbar und rasch flächendeckendes Distance-Learning und Arbeit aus dem Home-Office umgesetzt werden. Der spürbare Digitalisierungsschub und die Umstellung von Präsenz- zu Online-Lehre hat allerdings sowohl für Lehrende als auch für Studierende besondere Herausforderungen gebracht. In der Lehre gibt es nun deutlich mehr Online-Formate und die IT-Infrastruktur wird gerade in der Forschung, wo große Datenmengen bearbeitet werden, sehr stark genutzt. Blended-Learning-Formate, bei denen in Lehrveranstaltungen Online-Angebote mit Präsenzveranstaltungen kombiniert werden, sind vermehrt eingesetzt. Im Flipped Classroom eignen sich Studierende zuhause, häufig über digitale Medien, das grundlegende Wissen an, um danach in einer Präsenzveranstaltung, gemeinsam mit anderen Studierenden, das erlernte Wissen zu vertiefen. Die Mitarbeitenden an der WU verwenden regelmäßig Videokonferenzen, halten Workshops in digitalen Formaten ab, nutzen verstärkt elektronische Workflows und arbeiten insgesamt mobiler und digitaler. Wichtig ist es allerdings auch zu betonen, dass eine Universität von Internationalität, Interaktion, Austausch und direkter Begegnung lebt - jede Einschränkung in dieser Hinsicht behindert. Die WU Wien versteht sich als Präsenzuniversität, da schmerzt das Fehlen persönlicher Begegnung besonders.

IT-Experten an den Hochschulen befürchten, dass Mittel für Digitalisierung nach der Pandemie nicht mehr im gleichen Umfang zur Verfügung stehen - wie lässt sich der Digitalisierungsschub verstetigen?
Als einzige Wirtschaftsuniversität Österreichs ist es für die WU wichtig nachzudenken, wie wir die Lehre in Zukunft gestalten können und sollten. Der einzigartige WU Campus ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstverständnisses und der Kultur unserer Universität. Die Kollaboration und Kommunikation spielen eine immer wichtigere Rolle und finden gleichermaßen in Präsenz am Campus und in der digitalen Welt statt. Ziel ist es, einen optimalen Mix aus physischer und digitaler Welt zu schaffen, um die Vorteile beider Welten zu nutzen. Aus meiner Sicht hat sich der Digitalisierungsschub bereits verstetigt und wird auch anhalten. Wir werden auch in Zukunft Mitarbeitende und unsere Gebäude mit der optimalen Technik ausstatten. Die Studierenden kommen verständlicherweise mit der berechtigten Erwartung an die Universität, dass es ein zeitgemäßes Angebot an digitalen Werkzeugen gibt. In Zukunft werden Universitäten ganz unterschiedliche physische, hybride und digitale Lehr- und Lernangebote haben. So könnten zum Beispiel Studierende in Grundlagenfächern eine Wirtschaftskrise und ihre Effekte simulieren. Der studentische Lebenszyklus wird stark personalisiert und maßgeschneidert administriert werden. Internationale Erfahrungen werden an der eigenen Universität gemacht werden können, ohne ins Ausland zu reisen. In der Forschung wird die Arbeit mit riesigen Datenbeständen zum Alltag gehören.

Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie in Kooperationen von Einrichtungen bei der Digitalisierung?
An der WU arbeiten die unterschiedlichen Fachbereiche und Departments partnerschaftlich mit den IT-Verantwortlichen zusammen. Zweifelsohne braucht jede digitale Transformation ein professionelles Change-Management. Damit sollen Studierende, Forschende und Mitarbeitende auf ihrer Reise in die digitale Welt gezielt unterstützt und begleitet werden. Im Hinblick auf den Umgang mit Produkten von Drittanbietern ist es wichtig zu evaluieren, welche Tools den datenschutzrechtlichen Vorgaben und den Informationssicherheitsstandards entsprechen und die Anwender darüber zu informieren. Daten von Mitarbeitenden, Forschenden und Studierenden oder Inhalte von empirischen Untersuchungen sind sehr sensibel und müssen daher geschützt werden. Im Hochschulbereich sind beispielsweise Open Source Angebote sehr beliebt, weil man die Produkte stark individualisieren kann und sich nicht in die Abhängigkeit eines Unternehmens begibt.

Neben der Digitalisierung der Lehre lassen sich insbesondere in der Hochschulverwaltung Prozesse digital effizienter gestalten. Welche Strategie verfolgen Sie diesbezüglich?
Die Digitalisierung spielt in der Administration der WU Wien eine wesentliche Rolle. Deshalb haben wir diesen Bereich, neben der Lehre und der Forschung, von Anfang an in unserer Digitalisierungsstrategie berücksichtigt und strategisch vorbereitet. Wir möchten insbesondere Verwaltungsabläufe vereinfachen und automatisieren. Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche wie etwa das Forschungsmanagement, die Finanzen oder etwa das Personal. Damit die digitalen Angebote der WU miteinander verknüpft sind und zuverlässig funktionieren ist ein professionelles IT-Management nötig. Gleichzeitig darf man die Informationssicherheit und den Datenschutz nicht aus den Augen verlieren.