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Interview15.07.2021

Die JKU Linz und die systematische Neugestaltung der Online-Lehre

Wie Lehrveranstaltungen in Mikroeinheiten filetiert werden

Christopher Lindinger - Vizerektor für Innovation und ForscherInnen, Johannes Kepler Universität Linz Quelle: Erwin Rachbauer Photographie Christopher Lindinger Vizerektor für Innovation und ForscherInnen Johannes Kepler Universität Linz
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Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
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Während der Pandemie "wurde offensichtlich, dass es nicht genügt, das Geschehen im Hörsaal auf unveränderte Weise in die virtuelle Welt zu transferieren", sagt Vizerektor Christopher Lindinger von der Johannes Kepler Universität Linz. Nun sucht die Uni nach neuen Wegen, analoge und digitale Sphären miteinander zu verweben.





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Experten registrieren in der Pandemie einen Digitalisierungsschub an den Hochschulen. Welche Entwicklungen hat es an Ihrer Einrichtung in den letzten Monaten gegeben?
Die pandemiebedingte Umstellung auf Distanzlehre erfolgte an der Johannes Kepler Universität Linz sehr rasch. Während die technische Realisierung von digitalen Vorlesungen und Prüfungen kein Problem darstellte, wurde offensichtlich, dass es nicht genügt, das Geschehen im Hörsaal auf unveränderte Weise in die virtuelle Welt zu transferieren. Die Erkenntnis, wie ermüdend es für Studierende ist, sämtliche Lehrveranstaltungen in Form von Videostreaming zu konsumieren, führte zu einem Reflexionsprozess über die systematische Neugestaltung der Online-Lehre. Als zentraler Aspekt in diesem Kontext gilt das Filetieren von Lehrveranstaltungen in Mikroeinheiten. Vermittlungsformate, die von Flipped Classroom über Microlearning-Module und adaptive Lernsysteme für das Selbststudium bis zu Extended Reality reichen, befinden sich derzeit in der Testphase. Etabliert werden soll auch eine eigene Organisationseinheit, die sich mit der Entwicklung, Erprobung und Evaluierung digitaler oder hybrider Lehrszenarien und Lernarchitekturen befasst.

IT-Experten an den Hochschulen befürchten, dass Mittel für Digitalisierung nach der Pandemie nicht mehr im gleichen Umfang zur Verfügung stehen -wie lässt sich der Digitalisierungsschub verstetigen?
Die Befürchtung, dass die Mittel für Digitalisierung in Post-Corona-Zeiten gekürzt werden, teile ich nicht. Die Pandemie hat nicht nur neue Entwicklungen begünstigt, sondern auch Schwachstellen aufgezeigt, deren Beseitigung zu einer größeren Stabilität und Resilienz der Organisation führt. Durch gezielte Maßnahmen zur Kompensation dieser Defizite verstetigt sich der Digitalisierungsschub von selbst. Ein wesentlicher Parameter für die Perpetuierung der Digitalisierungsbestrebungen ist die Attraktivierung des Universitätsgeländes, um ansprechende hybride Welten entwerfen zu können und ein reges Campusleben mit digitalen Elementen anzureichern. Das nahtlos ineinandergreifende, sich ergänzende Wechselspiel entspricht der Alltagswirklichkeit heutiger Studierender, die sich ohne Mühe zwischen physischen und virtuellen Räumen bewegen. Im Wissen um die große Bedeutung des direkten zwischenmenschlichen Austauschs für den Studienerfolg müssen analoge und digitale Sphären als untrennbar miteinander verwobene Begegnungszonen begriffen werden.

Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie in Kooperationen von Einrichtungen bei der Digitalisierung?
Gerade am Beginn der Pandemie erachteten es viele Hochschulen als Notwendigkeit, das Rad neu zu erfinden. Da der Wechsel zum Distanzbetrieb sehr abrupt vonstattengehen
musste, wurden entsprechende Maßnahmen in jeder Institution nach eigenen Standards gesetzt. Eine Herausforderung stellt die Tatsache dar, dass sich die unterschiedlichen Digitalisierungskonzepte in den jeweiligen Einrichtungen ungeachtet ihrer Wirksamkeit verfestigt haben. Das Aufbrechen dieser gewachsenen Strukturen im Sinne der Zusammenführung einzelner Systeme birgt die große Chance, voneinander zu lernen und Best Practices zu identifizieren, die auf breiter Ebene zur Verfügung gestellt werden können.

Neben der Digitalisierung der Lehre lassen sich insbesondere in der Hochschulverwaltung Prozesse digital effizienter gestalten. Welche Strategie verfolgen Sie diesbezüglich?
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zwischen Digitalisierung und Computerisierung zu unterscheiden. Während es sich bei der digitalen Abbildung von papierbasierten Verwaltungsvorgängen um Computerisierung handelt, verlangt der durch die Pandemie beförderte Digitalisierungsschub nach einer radikalen Reformierung administrativer Abläufe. Dazu zählt etwa der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Personalisierung von Services. Grundsätzlich wird die Strategie verfolgt, Prozesse neu zu denken und daraus resultierende Vorhaben entlang einer Roadmap strukturiert umzusetzen.

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