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19.08.2018
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HOLLYWOOD PERFEKT IM FÖRDERDUMPING

Warum der europäische Animationsfilm noch Luft nach oben zur Weltspitze hat

Christoph Staber, Head of Animation arx anima

Christoph Staber, Head of Animation arx anima [Quelle: arx anima]


"Auf Einzelpersonen und Einzelleistungen bezogen waren wir immer auch Weltspitze", sagt Christoph Staber, Head of Animation arx anima mit Blick auf die europäische VFX- und Animationbranche. Der neue “Animation Plan” geht für ihn in die richtige Richtung.


Der deutsche Special-Effect-Künstler Gerd Nefzer hat einen Oscar gewonnen – nur ein Leuchtturm oder ist die europäische VFX- und Animations-Branche in der Weltspitze angekommen?
Ja, auf Einzelpersonen und Einzelleistungen bezogen waren wir immer auch Weltspitze. Die amerikanische und britische VFX Industrie wird von vielen Europäern geleitet. In Londoner Firmen-Vitrinen stehen wahrscheinlich kaum weniger VFX-Oscars als in Amerika. Bei Animation hingegen hat die USA schon die Nase vorne. Pixar, Disney, Dreamworks, BlueSky sind da dann doch deutliche Flaggschiffe. Aber auch in Europa passieren einige Produktionen auf dem Qualitäts-Niveau. “Despicable me” und “Minions” stehen in Erfolg, Qualität und Aufwand den o.g. “Major”-Studios um nichts nach. Klar ist es wünschenswert, wenn in Europa mehr solche “Groß”-Projekte realisiert würden. Als ehemaliger Animator wünscht man sich immer mehr Zeit (und damit Budget) am Projekt, um die Qualität der Arbeit auf ein anderes Level zu hieven. Europa hingegen ist stark bei “independent Projekten”, die sich auch anderer Themen, sprich weniger kommerziellen Themen, annehmen. Viele dieser Projekte könnten aber sicher von einem erhöhten Marketing-Budget profitieren. Ein amerikanisch produzierter Animations-Film hat gerne auch mal 40 Mio USD Marketing-Budget, klassisch europäische Animationsfilme haben meist nicht mal 10 Mio USD Produktionsbudget.

Der europäische Animationsfilm hat also durchaus noch “Luft nach oben” zur Weltspitze.

Auch Europa will sich mit einem „Animation Plan“ verstärkt um die Branche kümmern. Zwei wichtige Punkte sind Marktzugang und Finanzierung. Welche konkreten Instrumente wären aus Ihrer Sicht die effektivsten?
Grundsätzlich geht der “Animation Plan” in die richtige Richtung und hat die kritischen Punkte richtig erfasst. Neben den genannten Marktzugang und Finanzierung halte ich den Aufbau europäischer (oder von US-Studios unabhängiger) Distributoren als wesentlichen Baustein der Stärkung der europäischen (Animations-)Filmindustrie.

Richtig erkannt wurde auch, dass europäische Animationsfilme in deutliche mehr Länder lizenziert, verkauft, vertrieben werden, als Live-Action-Filme. Und Animationsfilme haben einen deutlich längeren Auswertungszyklus, da sie keinen “modischen Zeit- oder europäischen Kultur-Stempel” haben.

Darüber hinaus wird auch als wichtig angesehen, dass Talente in Europa gehalten werden. Wie oben erwähnt arbeiten viele Europäer an kreativen Schlüsselpositionen bei den US-Produktionen. Nur durch attraktive europäische Projekte wird man diese Talente auch hier halten können.

Der Ausbau und Förderung von europäischen Koproduktions-Umsetzungskapazitäten oder -Pipelines wäre  ein anderer Punkt. Anders als beim Live-Action-Film ist die “Produktions-Pipeline”, also die Sicherstellung, dass alle Software-/Hardware und Workflow-Systeme aller Ko-Produzenten miteinander effektiv funktionieren ganz wesentlich für eine erfolgreiche Ko-Produktion. Ist so eine Pipeline einmal aufgebaut, sollte sie auch für viele weitere Produktionen genutzt werden. Diese Pipeline als wesentliches Asset zu begreifen ist für die Förderungsstruktur, die sehr stark aus kulturellen Überlegungen geleitet ist, schwierig zu vermitteln. Hier ist ein Umdenken dringend notwendig.

Und Animations- und VFX-produktionen haben einen deutlichen nachhaltigen Beschäftigungseffekt. Förderungen oder Förderinstrumente hin zur nachhaltigen Beschäftigung von europäischen, kreativen Talenten auf Senior-Level wären essentiell. Förderungen mit Jury-Entscheid über “kulturelle, nationale Identitäten” mögen für nationale Fördergremien im Realfilm noch eine Berechtigung haben, im Animationsfilm gibt es die “kulturellen Identitäten” ohnehin nicht. Daher sind hier dringend neue Fördermechanismen angesagt.

Hollywood spielt doch seit Jahrzehnten das Förderdumping der diversen Regionen weltweit perfekt. Einheitliche europäische Förder-Standards, mit klarer, nachhaltiger Perspektive einer wirtschafts- und personal-orientierten Politik, würde deutlich mehr attraktive Projekte und Budgets von Hollywood nach Europa holen und diese mit unseren Kreativen hier in Europa umzusetzen. Und wenn es “nur reine Serviceproduktionen sind”.

Außerdem sollen die Talente gefördert und gehalten werden. Wie kann das geschehen?
Teilweise schon in Frage 2 beantwortet. Aber noch mal mit anderen Worten: Am besten und effektivsten geht das mit regelmäßigen Projekten. Wenn ich nur alle paar Jahre ein spannendes Feature-Film-Projekt habe, ist es schwierig gute, talentierte Artists, Supervisor oder Manager zu halten und eine Perspektive zu bieten.

3D, VR etc. – wie sehen Sie die hiesige Branche für die Trends der Zukunft aufgestellt?
Grundsätzlich ist die VFX- und Animation-Branche schon immer sehr Technik- und Innovations-affin. Die rasante Entwicklung der Software und der Tools war immer zentrales Thema jedes Animationsproduzenten. Sicher stärker als in anderen Genres.

Darüber hinaus war das auch immer ein Thema des Produzenten, da man mit neuen, innovativen Workflow-Tools gerne mal die Effizienz verdoppeln kann. Das habe ich beim Real-Film oder in anderen Branchen kaum in der Geschwindigkeit. Andererseits erlaubt mir diese Effizienz wiederum, für das gleiche Budget plötzlich Geschichten zu erzählen oder eine visuelle Qualität auf die Leinwand zu bekommen die vorher nicht möglich war.

Für die europäische Branche gilt in diesem Zusammenhang das oben gesagte: An Talenten, Innovationen, Weiterentwicklungen mangelt es grundsätzlich nicht. Jedoch ohne regelmäßigen, europäischen Top-Projekte gibt, ist die Gravitationskraft von Hollywood, Pixar, Dreamworks etc. für Talente, Technik und Innovation einfach größer!