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Interview27.07.2022

Gegenläufige Trends in der Mitteldeutschen Medienwirtschaft

Wo es wie läuft und was die Politik tun sollte

Dirk Panter - Vorsitzender und medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag Quelle: der_Kraft Fotografie Dirk Panter Vorsitzender SPD-Landtagsfraktion Sachsen
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Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
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"Zuerst einmal brauchen wir eine Analyse, wie sich der Medienstandort in den letzten Jahren entwickelt hat", mahnt Dirk Panter, Vorsitzender und medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. Dann sollten die drei Länder zusammen in Konkurrenz zu anderen treten.





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Vor allem in den Zentren Leipzig, Dresden, Magdeburg, Halle und Erfurt hat sich eine lebendige Medienwirtschaft herausgebildet. Wie steht die Branche in Mitteldeutschland aus Ihrer Sicht im Vergleich zu anderen Regionen da?
Geht so. In Bayern, Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Beschäftigten im Medienbereich vier- bis fünfmal höher als in unseren drei Ländern – in Bezug auf die Bevölkerung. Wir sind da auf dem Niveau von Bremen, Hessen bzw. Baden-Württemberg. Zudem gibt es in der Branche gegenläufige Trends. Die Zeitungen bauen weiter Arbeitsplätze ab, auch der MDR ist weiter gezwungen, jährlich 10 bis 15 feste Stellen abzubauen. Lokalfernsehsender schließen, Radios kooperieren verstärkt. In den letzten Jahren hat auch in der Filmbranche die Zahl der Unternehmen und Arbeitsplätze abgenommen. Die Zahl der Produktionsunternehmen ist von 47 in 2015 auf 44 in 2020 gesunken. Seit Jahren fehlen in immer mehr Gewerken die Fachkräfte. Wachstum gibt es vor allem im Gamingbereich sowie XR/AR/VR-Bereich – allerdings auf geringem Niveau.

Die letzte große Standortstudie zur Medienwirtschaft in unseren drei Ländern gab es 2015. Die MDM hat eine neue in Auftrag gegeben. Ich hoffe, dass diese auch öffentlich diskutiert werden kann. Dann sehen wir genauer, wo wir stehen.

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Welche Herausforderungen hat die Pandemie für die Medienbranche vor Ort mit sich gebracht?
In meinen Augen war es ein Kampf ums Überleben. Veranstaltungen fanden nicht mehr statt. Es gab also in der Breite weniger zu berichten. Werbung brach weg, doch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten weiter bezahlt werden. Man war bereit, auf Abstand zu interviewen bzw. Abstriche bei den „Bildschirm“-Interviews in Kauf zu nehmen.

Ein kleiner positiver Aspekt war vielleicht, dass sich in manchen Unternehmen Home-Office sowie „digitales“ Arbeiten schneller durchgesetzt haben.

Mitteldeutschland gilt insbesondere beim Digitalradio als Vorreiter. Im Raum Leipzig sind etwa über die bundesweiten, landesweiten und lokalen Plattformen über 50 Radiosender zu empfangen. Ist das noch Vielfalt oder schon Überfluss?
Wir haben eine Vielzahl von Radioanbietern, die auch musikalische Vielfalt bieten. Musikalische Vielfalt ist jedoch nicht alles. Was mir fehlt, ist eine stärkere regionale und auch lokale Berichterstattung über Kultur, Wirtschaft, Sport und auch Politik vor Ort. Da haben wir zu viele weiße Flecken. Deshalb wollen wir als Freistaat die Vielfalt in Zukunft besser unterstützen. Ich hoffe, dass das mit dem anstehenden Haushalt gelingt.

Außerdem: Die Landesmedienanstalt sollte meiner Meinung nach zukünftig untersuchen, wie sich die Vielzahl auch in vielfältigen regionalen Inhalten sowie Arbeitskräften niederschlägt und dies dann kontinuierlich wiederholen.

Die Mitteldeutsche Medienförderung hat im vergangenen Jahr eine Fachkräfte-Initiative gestartet. Wie bewerten Sie die hiesige Fachkräfte-Situation?
Die Fachkräfte-Initiative ist gut und wichtig. Wir brauchen gut ausgebildetes Personal. Allerdings ist fraglich, ob damit die Fachkräfte-Lücke in der Region geschlossen werden kann. Durch die steigende Nachfrage an anderen Standorten sind in den letzten Jahren schon viele Fachkräfte aus der Region abgewandert – dorthin, wo sie dauerhaft und gut bezahlt werden. Dauerhafte und gut bezahlte Beschäftigung gab es bei uns nicht in ausreichendem Maße. Und auch heute zeigt sich, dass wir mit den Standards anderer Regionen noch nicht mithalten können. Ein schöne Landschaft und interessante Kulturangebote reichen einfach nicht aus.

Wie kann und sollte die Politik den Medienstandort Mitteldeutschland unterstützen?
Auch, wenn in den letzten Jahren die Mittel für die MDM erhöht wurden und weiter erhöht werden, so sehe ich doch, dass Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen wesentlich mehr investieren. Der Etat der MDM lag 2020 bei 14 Mio. Euro, der FFF Bayern verfügte über ca. 33 Mio. Euro, das Medienboard hatte 35 Mio. Euro, die Filmstiftung NRW hatte 40 Mio. Euro.

Aber Geld allein reicht nicht: Zuerst einmal brauchen wir eine Analyse, wie sich der Medienstandort in den letzten Jahren entwickelt hat. Zum zweiten müssten wir uns – möglichst in den drei Ländern – einigen, in welchen Bereichen wir uns profilieren wollen, wo wir Alleinstellungsmerkmale ausbilden wollen. Zum dritten müssten wir in diese Bereiche gezielt investieren sowie miteinander abgestimmt agieren: Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie MDM und MDR. Da sollten wir uns nicht untereinander Konkurrenz machen, sondern zusammen in Konkurrenz zu anderen treten. Das könnten zum Beispiel Animationsfilme und -serien für junge Erwachsene sein.

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