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20.05.2019
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GEGEN OBERGRENZE BEI PUBLIKATIONSGEBÜHREN

Warum ein führender Wissenschaftsverlag Open Access trotzdem begrüßt

Carsten Buhr, Geschäftsführer DE GRUYTER

Carsten Buhr, Geschäftsführer DE GRUYTER [Quelle: DE GRUYTER/ Bettina Ausserhofer]


"Wir begrüßen jeden Vorstoß, der Open Access in tragfähiger und durchführbarer Weise forciert", betont Carsten Buhr, Geschäftsführer von DE GRUYTER. Bei Plan S sieht er im Detail durchaus Gesprächsbedarf - etwa bei den Obergrenzen für Publikationsgebühren oder bei den Hybrid-Modellen.


Mit dem Plan S wollen verschiedene europäische Forschungsförderer den Open-Access-Ansatz für die Veröffentlichung öffentlich geförderte Forschungsergebnisse forcieren – wie bewerten Sie den Vorstoß?
Wir begrüßen jeden Vorstoß, der Open Access in tragfähiger und durchführbarer Weise forciert, so auch Plan S, wenn auch nicht jedes Detail.

Der Plan S fordert unter anderem, die Publikationsgebühren zu deckeln. In welcher Form und Höhe sollte das aus Ihrer Sicht erfolgen?
Diese Forderung gibt es seit geraumer Zeit und ist nicht zielführend, sofern nicht Flexibilität gewahrt bleibt. Publikationsgebühren für einen Beitrag in einer Zeitschrift mit dem höchsten Impact Factor in einem Fachgebiet, die eventuell über 90 Prozent der eingereichten Artikel zurückweist, können nicht die gleichen sein, wie für eine Zeitschrift mit niedrigerem Impact Factor. Unterschiedliche Voraussetzungen in den wissenschaftlichen Fachgebieten und eine Vielzahl an redaktionellen Bearbeitungsmöglichkeiten führen zu einer Bandbreite an möglichen Kosten, die mit der Herausgabe wissenschaftlicher Erkenntnis verbunden ist. Eine Obergrenze wird langfristig nicht zu mehr Open Access führen und der Wissenschaft in vielen Bereichen schaden.

Der Plan lehnt auch sogenannte Hybrid-Modelle ab, bei denen kostenpflichtige Publikationen einzelne Arbeiten freigeben – was bedeutet das für den Markt der Wissenschafts-Publikationen?
Das ist der größte Schwachpunkt von Plan S. Die Wahrheit lautet: Niemand mag „hybrid“ Open Access. Es ist chaotisch und ein organisatorischer Alptraum für die internen Arbeitsbereiche jedes Verlages. Viele Geldgeber und Bibliotheken glauben, Verlage bieten „hybrid“ Open Access nur an, um das sogenannte „Double Dipping“, die doppelte Kostenabrechnung für den gleichen Artikel, durchführen zu können. Viele seriöse Verlage kommunizieren transparent Informationen, wann und inwiefern sich Abo-Preise reduzieren, wenn eine bestimmte Anzahl von „hybriden“ Open-Access-Artikeln in einer Zeitschrift veröffentlicht wurde. Einige wenige tun dies nicht und rechnen doppelt ab. Das daraus resultierende Misstrauen erschwert die Arbeit für die Verlage mit fairen und transparenten Geschäftsmodellen.

„Hybrid“ Open Access ist ein leichter und pragmatischer Weg Open Access auf Artikelbasis innerhalb von Subskriptionszeitschriften zu ermöglichen. Dies allein wird aber nicht zu vollständigem, also „goldenem“ Open Access führen. Notwendig sind konkrete Partnerschaften zwischen Geldgebern und den Wissenschaftsverlagen, um Subskriptionszeitschriften vollständig in Open Access umzuwandeln.

Kritiker wenden ein, dass Verlage im Falle einer Open-Access-Pflicht die Qualitätsprüfungen nicht mehr in gleichem Umfang ausführen könnten – wie sehen Sie das?
Das ist Unsinn und eine sich seit Jahren hartnäckig haltende regelrechte „Fake News“ in der Wissenschaftsgemeinde. Die Tatsache, dass eine Zeitschrift Open-Access-Zugang hat, bedeutet nicht, dass sie schlechter ist als eine Subskriptionszeitschrift oder dass das „Peer Review“ ausbleibt oder qualitativ niedriger ist. In beiden Modellen gibt es exzellente, genauso wie weniger gute Zeitschriften.