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23.02.2020
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EINZELNE GESELLSCHAFTLICHE GRUPPEN SIND VON DER DIGITALISIERUNG AUSGESCHLOSSEN

Wie alle gemeinsam die Digitalisierung gestalten können

Daniela Ruhe - Hauptgeschäftsführerin Deutscher LandFrauenverband e.V.

Daniela Ruhe - Hauptgeschäftsführerin Deutscher LandFrauenverband e.V. [Quelle: dlv/ Marcus Müller-Witte]


"In Gesprächen mit LandFrauen erfahren wir, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung noch nicht für alle Menschen gleich nutzbar sind", erklärt Daniela Ruhe - Hauptgeschäftsführerin des Deutschen LandFrauenverbandes. Noch seien nicht alle Regionen sind ans Netz angeschlossen und zahlreiche Menschen haben "damit rein technisch nicht mal die Chance, den digitalen Wandel mitzugestalten".


Nach einer Untersuchung im Vorfeld eines deutschlandweiten Digitaltages steht hierzulande einer digitalaffinen Mehrheit eine Bevölkerungsgruppe entgegen, die digitalen Technologien skeptisch oder ablehnend gegenübersteht. Was bedeutet das für die Gesellschaft?
Die große Herausforderung wird sein, alle beim Thema Digitalisierung mitzunehmen. In Gesprächen mit LandFrauen erfahren wir, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung noch nicht für alle Menschen gleich nutzbar sind: nicht alle Regionen sind ans Netz angeschlossen und zahlreiche Menschen haben damit rein technisch nicht mal die Chance, den digitalen Wandel mitzugestalten. Außerdem gibt es gesellschaftliche Gruppen, die aktuell von der Digitalisierung ausgeschlossen sind, bspw. ältere Menschen ohne Computer-Kenntnisse. Auch Vereine und Verbände benötigen Unterstützung, um für den digitalen Transformationsprozess gewappnet zu sein: finanzieller und beratender Natur. Dafür setzen wir uns als Deutscher LandFrauenverband ein.

Der Digitaltag ist für uns als Zivilgesellschaft ein guter Moment, um darauf zu drängen, dass wir alle gemeinsam die Digitalisierung gestalten wollen. Wir sind einer von mittlerweile mehr als 20 Partnern, die die Idee eines bundesweiten Digitaltages von Anfang an begleiten und sehen hier die große Chance, Digitalisierung erlebbar zu machen.

Bezahlen per App, Terminvergabe online – private, aber auch öffentliche Institutionen setzen verstärkt auf digitale Lösungen. Wie lässt sich verhindern, dass Digital-Skeptiker aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden?
Klar ist: es braucht viel Aufklärung und ein deutliches Mehr an digitaler Bildung. Der digitale Verbraucherschutz spielt dabei eine Schlüsselrolle: Ob Online-Einkauf oder Handytarif – Fragen des Verbraucherschutzes spielen im Alltag eine große Rolle. Besonders im ländlichen Raum sind die Wege zu Beratungsangeboten aber weit, wenn es Probleme gibt. In unserem Projekt „LandFrauenGuides - Verbraucherinfos auf's Land gebracht“, das wir gemeinsam mit den Verbraucherzentralen initiiert haben, sensibilisieren wir für Themen rund um den digitalen Verbraucherschutz.

Die Befragten schätzen ihre eigene digitale Kompetenz im Schnitt gerade einmal als ausreichend ein. Was muss diesbezüglich passieren?
Als Dachverband versuchen wir Angebote für unsere Mitglieder zu schaffen und bieten Workshops und Seminare zu vielen verschiedenen Themen in diesem Bereich an. Es braucht aber auch gezielte Angebote vor Ort und finanzielle Mittel für die Vereine, um eigene Schulungen durchführen zu können. Denn wir wissen um die Auswirkungen der Digitalisierung auf ehrenamtliches Engagement. In der Vereinsarbeit lässt sich ein Wandel beobachten: die Vereinsnachrichten kommen per E-Mail und als Newsletter, politische Interessensvertretung werden via Online-Kampagnen untermauert, und Social media für Vereinswerbung genutzt. Damit hierbei alle mitgenommen werden, müssen wir inklusiv denken und uns immer wieder fragen, ob wir uns Sprache und Technik bedienen, die von allen verstanden werden.

Bei Lösungen über Smartphone-Apps werden die Daten regelmäßig von großen (amerikanischen) Internet-Konzernen verwaltet. Was muss die Politik gegen den Missbrauch dieser Daten tun?
Hier braucht es eine stärkere Kontrolle und viel mehr Transparenz. Gleichzeitig müssen wir sensibilisieren, was bei der Nutzung von Apps zu beachten ist. Viele Menschen gehen bspw. zu leichtsinnig mit ihren Daten um. Durch konkrete Bildungsangebote und Aufklärung wollen wir das ändern.