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09.04.2020
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DEUTSCHLANDRADIO BLEIBT DIGITALRADIO-TREIBER

Intendant Steul fordert die Politik zum Handeln auf

Dr. Willi Steul, Intendant Deutschlandradio

Dr. Willi Steul, Intendant Deutschlandradio [Quelle: Deutschlandradio]


DAB+ ist weltweit in mehr als 40 Ländern auf dem Vormarsch. Hierzulande hat sich traditionell das Deutschlandradio für Digitalradio stark gemacht. Im exklusiven Interview auf Meinungsbarometer.info bekräftigt der Intendant von Deutschlandradio, Dr. Willi Steul, die Fortführung seines Engagement zur weiteren Etablierung von DAB+. Gleichzeitig ruft er die Politik zum Handeln auf, damit der Übergang vom analogen zum digitalen Rundfunk beschleunigt wird.


Die digitalen Verbreitungswege für den Hörfunk werden intensiv diskutiert. Warum sehen Sie DAB+ in der Offensive?
In mehr als 40 Ländern weltweit ist DAB+ auf dem Vormarsch. DAB+ ist in der Verbreitung kostengünstiger als UKW und als Mittelwelle. DAB+ ist ökologisch, weil die Technik deutlich weniger Strom verbraucht. Es bietet Vielfalt, denn mit Digitalradio endet die UKW-Frequenzknappheit. Das heißt, es werden mehr Programme möglich, für deutlich weniger Geld. Das sind die wesentlichen Vorteile. Gleichzeitig lässt sich über das DAB+ Signal eine Menge anderer Informationen z. B. zur Verkehrslenkung übertragen, und deshalb ist auch der Kurs der EBU ganz eindeutig pro Digitalradio. DAB+ ist die Zukunft und parallel dazu die Verbreitung von Programminhalten über das Internet.

Das Deutschlandradio ist hierzulande einer der Vorreiter in Sachen DAB+. Wann werden die Programme flächendeckend digital empfangbar sein?
Flächendeckend sind wir im Jahr 2020 zu empfangen. Im jetzigen KEF-Vorschlag, dem die Länder noch zustimmen müssen, ist das Geld für den weiteren Ausbau zwischen 2017 und 2020 enthalten. Dann wird das Netz von Deutschlandradio flächendeckend ausgebaut sein. Eine wichtige Bemerkung noch: Wir erreichen bereits heute, über DAB+ potentiell mehr Menschen als über unser UKW-Netz.

Sie haben den KEF-Vorschlag gerade erwähnt. Wie zufrieden sind Sie damit?
Man erkennt unsere Wirtschaftlichkeit an. Deutschlandradio erhält künftig anstatt 48 Cent vom Rundfunkbeitrag jetzt 49 Cent. Wir können unser DAB+ Projekt fortsetzen - wieso sollte ich nicht zufrieden sein?

Auf Initiative von Deutschlandradio, der ARD und weiterer wichtiger europäischer Radioveranstalter ist die Europäische Digitalradio Allianz ins Leben gerufen worden. Wie bewerten Sie diese Allianz?
Das ist ein echtes Signal. Wenn Sie sich ansehen, welche Mitglieder dort dabei sind - die BBC, die ARD, Deutschlandradio, die NRK in Norwegen, RTBF in Belgien. Das sind die großen, wichtigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und einige andere noch dazu. Unsere europäische Radioallianz macht sichtbar, dass wir Europäer gemeinsam den Weg mit DAB+ gehen. Wir werden über diese Allianz in Brüssel gemeinsam mit der EBU für DAB+ werben, weil es ja auch um Fragen der europäischen Regulierungspolitik geht.

Apropos Regulierungspolitik. Eine Forderung aus dieser Allianz ist, dass nur noch Radios mit DAB und UKW-Empfängern verkauft werden können. Wie stehen Sie dazu?
Das liegt natürlich in der Natur der Sache. DAB+ ist auf dem Vormarsch, selbst wenn das etliche noch bezweifeln - auch bei uns in Deutschland. Wir sind auf diesem Weg und ich kann nur jedem empfehlenbeim Neukauf eines Gerätes nur noch ein Radio kaufen, das DAB+ fähig ist. Das tun im Übrigen auch die Verbraucherzentralen. Für zu Hause empfehle ich, kaufen Sie ein Hybridgerät: also ein Radio, das Internet-, UKW- und DAB+ fähig ist.

Mit vielen Vorschusslorbeeren hat 2015 das sogenannte Digitalradio-Board der Bundesregierung die Arbeit aufgenommen. Wie bewerten Sie die bisherige Arbeit aus Berlin und welche maßgeblichen Impulse erhoffen Sie sich von dort für das Radio der Zukunft?
Im Digitalradio-Board haben wir alle Partner zusammen, um Digitalradio in Deutschland weiter zu etablieren. Dabei sind unter anderem der Verband der Automobilhersteller, die Gerätehersteller, der VPRT und natürlich die ARD und das Deutschlandradio. Denn es muss klar sein, dass nicht allein der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Digitalisierung vorantreiben kann. Nicht zuletzt, weil auch die Interessen der Privatradio-Betreiber immer auch in der Regulierung zu berücksichtigen sind. Es geht in erster Linie darum, ganz systematisch alle Problemfelder offen anzusprechen und dann verabreden wir im zweiten Schritt konkrete Lösungsansätze.

Wie ist derzeit der Diskussionsstand zur weiteren Dauer der Simulcastphase von UKW und DAB+. Gibt es hier bereits eine Entscheidung?
Da ist meine Antwort: So kurz wie nur irgendwie möglich, weil der Parallelbetrieb von UKW und DAB+ sehr teuer ist. Je kürzer die Simulcastphase, umso geringer sind dann die gesamten Kosten für den weiteren DAB+ Ausbau. Ich bin der Meinung, wir brauchen hier ein deutliches Signal von der Politik, denn Rundfunk muss traditionell immer reguliert werden. Der Markt allein kann das nicht leisten. Als Vorbild sehe ich die Umstellung von analog auf digital beim Fernsehen. Hier wurde politisch klug reguliert und hier ist der Umstieg geglückt. Und das sollte jetzt beim Radio genauso sein. Zumal ich bei den Endgeräten im Handel kein Kostenargument mehr erkennen kann. Denn mittlerweile gibt es bereits ab 25 Euro DAB+ Geräte im Handel.