Eine Reihe von Verbänden fordern, das Film-Fördersystem in Deutschland schnellstmöglich durch eine konsistente Förderung aller audiovisuellen Medien zu ersetzen. Ist das deutsche Fördersystem überholt?
Das deutsche Film-Fördersystem ist nicht grundsätzlich überholt, es braucht als Reaktion auf die aktuellen inhaltlichen und technischen Entwicklungen jedoch eine Ergänzung bzw. eine Erweiterung in Richtung Games, VFX und High-End Serien. Gerade die Filmproduktion ist der Kernbereich und Motor der Creative Industries und muss aus diesem Grund seine besondere Bedeutung als Nukleus der Förderung beibehalten.
Eine Kernforderung ist ein Kulturförderungsbonus - ein 25-prozentiger Steuernachlass. Welche Vorteile würde diese pauschale Förderung bringen?
Wenn ich diese Förderung richtig interpretiere, geht es dabei um Steuervergünstigungen in Höhe von 25 Prozent für die Entwicklungskosten von interaktiven elektronischen Werken, also Games, die die kulturelle Vielfalt fördern. Eine derartige Förderung würde auf längere Zeit ermöglichen, dass hochwertige Spiele aus Deutschland heraus entwickelt werden und Hersteller ihre Finanzierung besser planen können. Es ist natürlich eine interessante Frage, wie die zu bedienende »kulturelle Vielfalt« dieser Spieleinhalte zu beurteilen sein wird, aber ich halte diese Förderung für Unterstützens wert. Games sind ein wichtiger Teil unserer kulturellen Gegenwart.
Die Verbände beklagen einen Rückstand in Deutschland insbesondere in den Bereichen Animation, VFX und Games. Was können und sollten Politik und Förder-Institutionen für diese Bereiche tun?
Die geplante Erhöhung des DFFF II ab 2018 hat insbesondere auch den Bereich VFX im Blick. Über den Kulturförderungsbonus für die Games-Industrie haben wir bereits gesprochen. Es fehlt in der Diskussion ein zusätzliches Anreizmodell für die Animationsbranche. Ich beobachte die Arbeit unserer erfolgreichen, international aufgestellten Hamburger Animationsproduzenten hier am Standort sehr und weiß um die Möglichkeiten, die ihnen bei internationalen Koproduktionen im Ausland entgegengebracht werden. Es ist dringend geboten, dass Deutschland mit weiteren Anreizmodellen nachzieht.
Die Filmförderung der Länder legt Wert auf sogenannte Regionaleffekte. Welche Rolle sollte dieser Aspekt künftig noch spielen?
Der Anteil der Länder an der bundesdeutschen Film- und Medienförderung belief sich bislang auf rund 45 Prozent, woraus sich die erforderlichen Regionaleffekte in direkter Weise ableiten. Sollte sich der Anteil der Bundesförderung erhöhen, wird dieses Gefüge sicherlich eine Neujustierung erfahren. Gerade in Bereich der Gamesindustrie ist Hamburg beispielsweise als deutscher Standort Nr. 1 sehr gut aufgestellt und kann sicherlich einem nationalen Wettbewerb standhalten.



