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Interview15.03.2017

Bundesförderung für alle audiovisuellen Produktionen wäre großer Wurf

Nicht nur Kinofilme sollen unterstützt werden

Prof. Dr. Klaus Schaefer, Geschäftsführer FilmFernsehFonds Bayern Quelle: FFF Bayern / Kurt Krieger Prof. Dr. Klaus Schaefer Geschäftsführer FFF Bayern
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Das deutsche Filmfördersystem insgesamt ist sicherlich nicht überholt, aber in einigen Bereichen verbesserungsbedürftig und auch verbesserungsfähig", sagt Prof. Dr. Klaus Schaefer, Geschäftsführer FilmFernsehFonds Bayern. Der Reform-Vorschlag verschiedener Verbände würde der Branche aus seiner Sicht zu deutlich mehr Planungssicherheit verhelfen.





Eine Reihe von Verbänden fordern das Film-Fördersystem in Deutschland schnellstmöglich durch eine konsistente Förderung aller audiovisueller Medien zu ersetzen. Ist das deutsche Fördersystem überholt?
Das deutsche Filmfördersystem insgesamt ist sicherlich nicht überholt, aber in einigen Bereichen verbesserungsbedürftig und auch verbesserungsfähig. Die Forderungen der Verbände zielen ja auf die Filmförderung des Bundes. Hier haben wir ein fragmentiertes System aus dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF), der kulturellen Filmförderung der BKM und den German Motion Picture Fonds (GMPF) des Bundeswirtschaftsministeriums. Außerdem gibt es dann noch die Filmförderungsanstalt des Bundes (FFA). Die Forderung der Branche geht dahin, ein einheitliches, steuerbasiertes Fördersystem zu schaffen, das weitgehend automatisch funktioniert, keine Kappungsgrenzen enthält und von seinem Gesamtvolumen nicht gedeckelt ist. Ein solches System, das es in anderen europäischen und auch außereuropäischen Staaten bereits gibt, würde der Branche zu deutlich mehr Planungssicherheit verhelfen.

Eine Kernforderung ist ein Kulturförderungsbonus - ein 25-prozentiger Steuernachlass. Welche Vorteile würde diese pauschale Förderung bringen?
Es wird nicht nur ein 25-prozentiger Steuernachlass gefordert, der nur dann etwas bringt, wenn die jeweilige Produktionsfirma tatsächlich hohe Steuern zahlen muss, was bei den vielen kleinen und mittelständischen Produktionsfirmen nicht immer der Fall ist. Vielmehr umfasst die Forderung der Branche auch den Wunsch, einen 25-prozentigen Anteil an den Herstellungskosten an den Produzenten auszuzahlen in den Fällen, in denen er eben keine Steuern zahlen müsste. Der Vorteil einer solchen Regelung liegt auf der Hand: Mit einer 25-prozentigen Grundfinanzierung ist ein Projekt zwar noch lange nicht durchfinanziert, aber die Basis ist gelegt und die Verhandlungen mit anderen Finanziers – seien es Länderförderungen, Fernsehveranstalter, Verleiher oder Vertriebsunternehmen – sind deutlich einfacher.

Die Verbände beklagen einen Rückstand in Deutschland insbesondere in den Bereichen Animation, VFX und Games. Was können und sollten Politik und Förder-Institutionen für diese Bereiche tun?
Auch diese Klage richtet sich im Wesentlichen an den Bund. Viele der deutschen Länderförderungen fördern ja heute schon in mehr oder weniger großem Umfang Animation, VFX und Games. Allein die Bundesförderung beschränkt sich fast ausschließlich auf die Unterstützung von Kinofilmen allerdings auch von animierten. Eine kleine Ausnahme bildet der GMPF, der auch hoch budgetierte internationale Serien für das Fernsehen oder andere Plattformen fördern kann. Ein großer Wurf wäre, wenn der Bund gleichzeitig mit der Einführung eines 25-prozentigen steuerbasierten Fördersystems diese Beschränkung auf den Kinofilm aufheben und auch andere audiovisuelle Produktionen in den Förderbereich einbeziehen würde.

Die Filmförderung der Länder legt Wert auf sogenannte Regionaleffekte. Welche Rolle sollte dieser Aspekt künftig noch spielen?
Die Filmförderungen der Länder vergeben ausschließlich oder zu ganz großen Anteilen Steuermittel aus den Landeshaushalten. Hier gilt die haushaltsrechtliche Vorgabe, dass Landesfördermittel nur in dem entsprechenden Land ausgegeben werden dürfen. Würde man
also den Regionaleffekt aufheben, dürfte die Länderförderungen keine staatlichen Mittel ihrer jeweiligen Länder mehr vergeben. Dann würden dort, wo sich auch andere Partner – wie zum Beispiel Sender – an der Förderung beteiligen, diese sich zurückziehen, da der Hebeleffekt durch die staatlichen Mittel entfiele. Der Regionaleffekt ist ja auch in der Sache sinnvoll. Er stellt sicher, dass die im jeweiligen Land ansässigen Produktionsunternehmen und vor allem die im jeweiligen Land tätigen Filmschaffenden tatsächlich von der Förderung profitieren. Auch bei uns hätten die bayerischen Produzenten und die bayerischen Filmschaffenden wenig Verständnis dafür, wenn wir unsere Fördermittel an ihnen vorbei nach Berlin, Südkorea oder Kanada transferieren würden. Was nichts daran ändert, dass wir gemeinsam mit den in anderen Ländern angesiedelten Förderinstitutionen große Projekte und Koproduktionen finanzieren und damit auf den Weg bringen können.

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