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Interview18.07.2019

Der Beschluss aus Hannover ist so unnötig wie ein Kropf

Warum TechniSat weiter auf DAB+ setzt

Peter Lepper, Firmengründer und geschäftsführender Gesellschafter der TechniSat Digital GmbH Quelle: TechniSat/ Schmauch Peter Lepper geschäftsführender Gesellschafter TechniSat Digital GmbH
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Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
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"Es handelt sich hier um einen untauglichen Versuch, die privaten UKW-Monopolisten vor Konkurrenz zu schützen", sagt TechniSat-Gründer und -Chef Peter Lepper mit Blick auf den niedersächsischen Landtagsbeschluss gegen DAB+. Die Verkaufszahlen sprechen aus seiner Sicht eine ganz eigene Sprache.





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Welche Auswirkungen hat der Beschluss des Niedersächsischen Landtags - den Antrag der FDP Niedersachsen anzunehmen (Beendigung der Förderung von DAB+) -  auf die Zukunft des digitalen Radioübertragungs-Standards in Deutschland?
Der Beschluss des Niedersächsischen Landtags, den Antrag der FDP Niedersachsen anzunehmen, wird auf die Zukunft des digitalen Radioübertragungs-Standards DAB+ keine negativen Auswirkungen haben. Es handelt sich hier um einen untauglichen Versuch, die privaten UKW-Monopolisten vor Konkurrenz zu schützen. TechniSat hat vor einigen Wochen für jedes der 16 Bundesländer einen speziellen DAB+ Katalog veröffentlicht. Man sieht, dass in Niedersachsen neben den bundesweit empfangbaren DAB+ Sendern ausschließlich die öffentlich-rechtlichen NDR-Programme über DAB+ verbreitet werden.

Dagegen gibt es in Bayern über DAB+ mehr als 50 Programme privater Anbieter. In Berlin werden etwa 30 private Programme über DAB+ gesendet. Hinzu kommt ein großes Angebot an öffentlich-rechtlichen Sendern auch von außerhalb Berlins und Brandenburg.

Was bedeuten derartige Signale für Sie als Gerätehersteller, der in Deutschland forscht und produziert und der jahrelang in DAB+ investiert hat?
Wir gehen davon aus, dass der ungeeignete Beschluss aus Niedersachsen deutschland- und europaweit auf den Verkauf von DAB+ Radios keine negativen Auswirkungen haben wird. Aber der Beschluss aus Hannover ist so unnötig wie ein Kropf, zeigt aber wie tragisch-kurios unsere Politik insgesamt geworden ist. Es muss einem darum angst und bange werden.

Wir haben in diesem Jahr 90% mehr DAB+ Geräte als im Vergleichszeitraum des Jahres 2018 in Deutschland verkauft, wertemäßig plus 30%. Daraus sieht man, dass wir bei TechniSat auch den unteren Preisbereich gut bedienen. Unsere Geräte-Palette bietet eine Vielzahl von interessanten Geräten.

Laut dem Beschluss des Niedersächsischen Landtags ist DAB+ nur eine Übergangslösung und digitales Radio werde künftig über breitbandiges Internet wie den Mobilfunkstandard 5G übertragen. Für wie haltbar schätzen Sie diese Bewertung ein?
DAB+ ist ganz klar keine Übergangslösung. Ein Internetradio ist ein additiver Verbreitungsweg und insbesondere interessant für Hörer, die ausländische Programme empfangen möchten (was auch über Satellit bestens möglich ist). 5G ist überhaupt nicht für Radioübertragungen konzipiert und völlig ungeeignet. DAB+ ist im System Point-to-Multipoint, wie es ja auch bei UKW der Fall ist. Bei DAB+ ist frequenzschonender Gleichwellenbetrieb möglich. Eine 5G Radioverbreitung wäre völliger Unsinn. Das würde die Radioverbreitung um ein Vielfaches teurer machen als dies bei DAB+ der Fall ist. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass es noch Jahre dauert bis 5G in Deutschland flächendeckend zur Verfügung steht.

Selbst das seit Jahren forcierte LTE System hat bislang leider in Deutschland noch keine Flächendeckung erreicht und zwar trotz der Aussagen aus der Politik, dass dafür Sorge getragen wird. Im Übrigen: DAB+ ist in Deutschland nahezu zu 100% flächendeckend verfügbar. Mag sein, dass es in nordischen Bundesländern, wie Niedersachsen und Co., noch Lücken gibt und man dort eben gerne DAB+ Rundfunktechnik als nicht so positiv sieht wie zum Beispiel und Bayern und Berlin.
           
Was das DAB+ Sendenetz angeht: Sollten die Sendernetzbetreiber enteignet und entschädigt werden, sollen dann die Privatsender, die nur über DAB+ senden ihren Betrieb einstellen? Und was wäre mit der Verbreitung der Deutschlandfunk-Programme? Hat sich der Niedersächsische Landtag überhaupt über Schadenersatzforderungen Gedanken gemacht? Bundesverkehrsminister Scheuer lässt mit der gescheiterten Maut grüßen.

Bei DAB+ ist der Point-of-no-Return längst überschritten. So drückte sich auch ausgerechnet der härteste Bekämpfer von DAB+ Klaus Schunk vom Privatsenderverband VAUNET kürzlich aus.

In Österreich sind gerade Ende Mai eine ganze Reihe Privatradios auf DAB+ on Air gegangen, in Norwegen ist UKW abgeschaltet. Wie bewerten Sie den niedersächsischen Vorstoß im europäischen Kontext?
Der niedersächsische Vorstoß stört die Interessen Europas (EU). Kennen die Herrschaften in Hannover nicht die EU-Richtlinie, dass zum Beispiel ab Ende 2020 in jedem Autoradio ab Werk ein digitales Empfangsteil - sprich DAB+ - eingebaut sein muss?

Norwegen hat mit der Abschaltung von UKW konsequent gehandelt. Österreich, Frankreich und andere Länder investieren jetzt auch in DAB+. Auch in Großbritannien ist das Digitalradio sehr stark verbreitet.

Welche neuen DAB+ Produkte plant die TechniSat Digital GmbH in den kommenden Monaten (gern auch mit Blick auf die IFA 2019)?
Die TechniSat Digital GmbH wird in den nächsten Monaten das DAB+ Geräteprogramm weiter ausbauen und zwar sowohl im unteren und mittleren als auch im hochpreisigen Bereich. Wir werden auch ein DIGITRADIO TechniBike auf den Markt bringen zur Nutzung bei Fahrrädern.

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