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Interview25.10.2017

Autos ohne Radio sind unverkäuflich

Australischer Radio-Futurist skeptisch bei algorithmischen Markenradios

James Cridland, Radio futurologist Quelle: James Cridland James Cridland Radio futurologist James Cridland
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Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Der renommierte australische Radio-Futurist James Cridland prophezeit ein goldenes Radiozeitalter für die Veranstalter. Das klassische Radio werde in vielen Teilen der Welt zu Ungunsten algorithmischer Musikdienste immer beliebter. Zudem zeigten Studien in Deutschland, Frankreich und UK, dass 82% der Autokäufer ein Auto ohne Radio einfach nicht in Betracht ziehen würden. "Ein Auto ohne Radio, sagte die Umfrage, würde sich nicht verkaufen." Daher werde auch Tesla künftig ganz bestimmt klassische Radioempfänger anbieten.





Der US-amerikanische Automobilhersteller Tesla hat angekündigt, sein eigenes Markenradio als Musik-Streaming-Dienst auf den Markt bringen zu wollen. Für wie attraktiv halten Sie solche individualisierten Angebote?
Teslas Entwicklung ist kein Radiosender: Es ist ein Musikdienst. Die Nutzer wollen mehr als nur Musik im Radio - für sie sind Nachrichten und ihre Lieblingsradiosender ebenso wichtig. Dienstleistungen wie Pandora nehmen an Beliebtheit nicht zu, wenn man in die USA blickt: Auch in Australien und Neuseeland ist die Entwicklung ähnlich. Nur Musik wird die Tesla-Fahrer nicht unterhalten oder informieren.
Die englische Sprache ist nicht besonders genau, wenn es um den Begriff  Radio geht. Es bedeutet entweder ein Stück Hardware, die Sie in Ihrer Küche oder Schlafzimmer haben, oder eine Methode, um ein Signal an die Zielgruppe zu bringen oder eine Art Programmieren. Ich bevorzuge es, Radio als "gemeinsame Erfahrung und menschliche Verbindung" zu definieren. Es gibt weder eine gemeinsame Erfahrung noch eine menschliche Verbindung in algorithmisch gewählter Musik.

Die ersten Fahrzeuge des neuen Tesla-Massenmodells 3 verfügen nicht mehr über einen terrestrischen Funkempfänger (FM / DAB +), sondern nur über webbasierte Empfangstechnologien. Trend oder Ausnahme?
Mythos. In den Produktionsversionen des Tesla Model 3 wird ein FM-Empfänger als automatisches Software-Upgrade installiert. Sie sollten auch beachten, dass das Auto, das bereits schon ausgeliefert wird, derzeit auch kein Bluetooth-Streaming hat.
In Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich durchgeführte Forschungsarbeiten sagten, dass 82% der Autokäufer ein Auto ohne Radio einfach nicht in Betracht ziehen würden. Ein Auto ohne Radio, sagte die Umfrage, würde sich nicht verkaufen. Kein Wunder, dass Tesla auch dafür sorgen wird, dass ihr neues Auto über ein Radio verfügt.

Welche Auswirkungen haben individualisierte Markenradios auf die klassischen Radiomacher und Inhalteanbieter? Sind zum Beispiel reine Musikradios angesichts der neuen Konkurrenz überhaupt überlebensfähig - was kann klassisches Radio vielleicht besser?
Solche Dienste existieren seit vielen Jahren. Eine deutsche Version namens Aupeo ist nicht mehr verfügbar. Pandora hat es versäumt, über die USA hinaus neue Märkte zu erobern. Spotify oder Deezer, die algorithmische Musikdienste anbieten, scheinen Radio in keinem ihrer Märkte erheblich zu beeinträchtigen. Radiostationen bleiben nicht nur stark: Radio wird in vielen Teilen der Welt immer beliebter. Es gibt einige Stationen, die ihre eigenen personalisierten Angebote machen - NPR in den USA betreibt eine App, NPR One, die Nachrichten abspielt, für die sich das Publikum interessieren könnte; BNR Niewsradio in den Niederlanden plant, ähnliche Services anzubieten; auch Kronehit aus Österreichs, oder das deutsche ENERGY bieten mehr als nur algorithmische Jukeboxen.

Was ist mit der Werbewirkung individualisierter Radios im Auto?
Audi hat für seinen neuen Audi A8 viel Aufmerksamkeit auf einen neuen, hybriden Rundfunkempfänger gelegt, der - wenn die Sender es für sinnvoll halten - gezielte Radiowerbung anbietet. Global Radio in Großbritannien verfügt sogar über eine eigene Zielgruppe für Audio-Werbung, die Anzeigen für viele verschiedene Dienste verkauft. ARN in Australien hat ebenfalls mit Adswizz zusammengearbeitet, um ähnliche Inhalte zu ermöglichen. Werbung ist nur effektiv, wenn genügend Leute die Nachricht hören. Mit neun von zehn Personen, die wöchentlich Radio hören, ist es unwahrscheinlich, dass das klassische Radio in absehbarer Zeit aus der Mode kommt.

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