MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
19.12.2018
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

180 MILLIARDEN JÄHRLICH FÜR DIE KLIMAZIELE

Wie sich Banken für Nachhaltigkeit und E-Mobility aufstellen sollten

Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland

Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland [Quelle: Triodos Bank]


"Seit einigen Jahren erlebt der Markt vor allem für „grüne“, also ökologische Nachhaltigkeit, einen rasanten Aufschwung, weil auch die konventionellen Kreditinstitute sich nach und nach dafür interessieren", stellt Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland. Das kann kaum verwunden, liegt doch in der Nachhaltigkeit auche in großes Potenzial.


Die Themen Nachhaltigkeit und E-Mobility werden für die Bankenbranche immer wichtiger. Was macht die neuen grünen und nachhaltigen Geschäftsfelder so attraktiv?
Wirklich neu sind die Geschäftsfelder nicht. Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank finanzieren schon lange ökologisch und sozial nachhaltige Unternehmen und Projekte und bieten nachhaltige Investments an, die auch eine nachhaltige Rendite mit sich bringen. Seit einigen Jahren erlebt der Markt vor allem für „grüne“, also ökologische Nachhaltigkeit, einen rasanten Aufschwung, weil auch die konventionellen Kreditinstitute sich nach und nach dafür interessieren. Das gestiegene Interesse an nachhaltigen Geschäftsfeldern – der Begriff Nachhaltigkeit ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da er sehr unterschiedlich streng verwendet wird – resultiert in unseren Augen aus einer Mischung aus Chancen und Risiken.

Das Erreichen der Klimaziele von Paris und der Sustainable Development Goals (SDGs) ist eine enorme, gesamtgesellschaftliche Aufgabe und damit eine große Chance für die Banken. Es ist wichtig, dass die Finanzbranche einen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leistet und der Finanzierungsbedarf dafür ist mit geschätzten 180 Milliarden jährlich auch ein enormes Potential. Dies erkennen mehr und mehr Banken. Auf der anderen Seite ist es für Finanzinstitute schlichtweg zu riskant, die bekannten Klimarisiken zu ignorieren. Dabei geht es nicht nur um die unkalkulierbaren langfristigen Risiken des Klimawandels, sondern auch um eine potentielle Verschärfung der Regulierung. Dies wäre beispielsweise eine deutlich erhöhte CO2-Abgabe, die umgehend Auswirkungen auf CO2-intensive Unternehmen und deren Kapitalgeber hätte. Sogenannte „Brown Assets“ haben schon heute ein höheres Risiko. Deshalb sind Banken gut beraten, sich davon zu trennen und vermehrt in „Green Assets“ umzuschichten.

Welche konkreten Geschäftsmodelle verbinden Sie mit Ihrem Engagement beim Thema Ethik und Nachhaltigkeit?
In der Finanzierung von ökologischer Nachhaltigkeit gehörte die Triodos Bank bereits in den 1980er Jahren in Europa zu den Pionieren, was beispielsweise Windkraftanlagen betrifft. Noch heute zählt die Finanzierung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu unserem Kerngeschäft. In Deutschland investieren wir mittlerweile aber in die gesamte Wertschöpfungskette der „grünen“ Energie. Dazu gehören beispielsweise auch Batteriespeicher zur Netzstabilisierung oder Investitionen in Verteilernetze. Letztere sorgen für eine lokale Integration von nachhaltig erzeugtem Strom. Sie werden künftig nach unserer Überzeugung einen wesentlichen Anteil an der dezentralen Energieversorgung sowie der smarten Nutzung von Energie spielen – und damit den Strommarkt der Zukunft prägen sowie die Energiewende voranbringen. Damit wollen wir einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten.

Im Bereich der ethisch-sozialen Nachhaltigkeit liegt ein Schwerpunkt in der Finanzierung von Pflegeeinrichtungen. Die Finanzierung von Pflege ist in unserer alternden Gesellschaft eine der zentralen Herausforderungen. Wir zeigen, dass qualitativ hochwertige Pflege mit finanzieller Solidität einhergehen kann. Gleiches gilt für nachhaltige Immobilien. Bei Nachhaltigkeit im Immobilienbereich geht es uns nicht nur um Energieeffizienz und Baustoffe, sondern auch um den sozialen Mehrwert, den Immobilien im urbanen Umfeld stiften können –  als Begegnungsort von Generationen, durch bezahlbaren Wohnraum oder als Modell, in dem Wohnen, Arbeiten und Dienstleisten an einem Ort verbunden werden können.

Wie profitieren Ihre Kunden konkret von den neuen nachhaltigen Geschäftsfeldern?
Unsere Kunden profitieren in doppelter Hinsicht: Dadurch, dass wir ausschließlich in nachhaltige Unternehmen investieren, erhalten die Kunden neben der finanziellen auch eine sozial-ökologische Rendite. Ihr Geld schafft positiven Mehrwert in der Gesellschaft. Die finanzielle Rendite ist dabei nicht das Ziel, sondern die Konsequenz unseres nachhaltigen Geschäftsmodells. Warum das so ist, zeigt ein Blick in den Investmentbereich: Dort haben Studien belegt, dass sich die Berücksichtigung von ESG-Kriterien (Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsfaktoren) im Portfolio positiv auf das Risiko-Rendite-Profil auswirkt.

Ein konkretes Beispiel dafür wie unsere Kunden profitieren, ist das Triodos Bürgersparen. Es handelt sich dabei um ein einfaches Sparprodukt mit attraktiven Zinsen für die Anwohner von z.B. Windkraftanlagen, die von der der Triodos Bank finanziert wurden. Die Anwohner können dadurch ohne Risiko finanziell von dem Windpark profitieren. Die Einbindung von Anwohnern ist z.B. in Mecklenburg-Vorpommern bereits gesetzlich bei der Umsetzung von Erneuerbare-Energie-Projekten vorgeschrieben. Daher werden Angebote, die dies auf möglichst unkomplizierte Weise ermöglichen, wie das Triodos Bürgersparen, in Zukunft sicherlich häufiger genutzt. Das Bürgersparen ist aber keineswegs auf Windprojekte begrenzt, es kann grundsätzlich für alle in Deutschland finanzierten Projekte der Triodos Bank eingesetzt werden.

Was fordern Sie von der Politik, damit eine Mobilitätswende hin zu mehr Nachhaltigkeit tatsächlich gelingt. Welche Rahmenbedingungen sollten sich wie ändern?
Auf die Mobilitätswende bezogen, sind Anreize – etwa Prämien für E-Autos – ein Anfang, sie reichen aber nicht aus. Die externen Kosten im Automobil- und Verkehrssektor trägt bislang die Gesellschaft, beispielsweise in Form von verschmutzter Luft oder hohem CO2-Ausstoß. Damit die Mobilitätswende gelingen kann, müssten die Unternehmen für die externen Kosten selbst aufkommen. Im Bereich des Klimawandels wäre wiederum eine angemessene CO2-Abgabe ein guter Weg, die Unternehmen zum Umdenken zu bewegen. Klimaschädliche Mobilität würde dadurch verteuert.

Im Bereich der E-Mobilität bleibt darüber hinaus das Henne-Ei-Problem zu lösen, ob zuerst die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden muss, um eine stärkere Durchdringung des Marktes zu erreichen oder zunächst neue Modelle an E-Autos für Schwung beim Absatz sorgen müssen. Auf Seiten der Ladeinfrastruktur ist die Politik in unseren Augen gefordert.