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Interview29.06.2016

ZDF-Chefmeteorologe appelliert an Eigenverantwortung

Warum das Fernsehen bei Unwetterereignissen nur eingeschränkt hilfreich sein kann

Dr. Gunther Tiersch, Dipl. Meteorologe, verantwortlich für die Wetterredaktion des ZDF Quelle: ZDF/Kerstin Bänsch Dr. Gunther Tiersch Chefmeteorologe ZDF
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Deutschland erlebt bisher einen Frühsommer mit unzähligen Schlechtwetterereignissen. Der ZDF-Chefmeteorologe Gunther Tiersch appelliert jetzt an die Verantwortung des einzelnen Bürgers, sich zu informieren und zu schützen. Denn trotz der ausführlichen Berichterstattung im Fernsehen und den Warnhinweisen digitaler Apps gebe es keine absolute Sicherheit. "Vielmehr müssen wir wieder lernen, dass Wetter eine Gefahr darstellen kann", so Tiersch.  





ARD und ZDF wurden im Zuge der aktuellen Unwetterereignisse für Ihre Berichterstattung kritisiert. War die Kritik berechtigt und konstruktiv?
Das ZDF hat diese Unwetter in seinen Nachrichten und Wetterberichten angekündigt und die Bevölkerung damit, so gut wie möglich, informiert. Natürlich könnte und sollte man darüber diskutieren, wie Unwettermeldungen noch besser und schneller an die eventuell Betroffenen verbreitet werden können. Dabei kann das Fernsehen jedoch nur eingeschränkt hilfreich sein.

Planen Sie aktuell Anpassungen in der Wetterberichterstattung, gibt es künftig ggf. größere Zeitfenster für die Wetterberichterstattung bei Bedrohungslagen?
Derzeit sind keine Veränderungen vorgesehen, da in den Wetterberichten bedrohliche Wetterlagen angekündigt und in den Nachrichtensendungen im Studiogespräch auch ausführlicher erläutert werden.

Wie kann der Zuschauer künftig mit noch aktuelleren und kurzfristigeren Warnungen versorgt werden?
Das Fernsehen erreicht nicht die ganze Bevölkerung. Bei Katastrophenwarnungen können wir Laufbänder kurzfristig im Programm zeigen. Immer mehr Personen besitzen aber ein Smartphone und können sich dementsprechende APPS mit Hinweisen zu Unwettern, - unter anderem vom Deutschen Wetterdienst - einrichten.  Es gibt auch eine Verantwortung des einzelnen Bürgers, sich zu informieren und zu schützen.

Welche Rolle spielen in der öffentlichen Wahrnehmung die Unwetter-Apps, von Anbietern wie dem DWD?
Wir können nicht sagen, wie hoch die Verbreitung und Akzeptanz solcher APPS ist. Aber sie sind ein wichtiger Baustein einer verantwortlichen Unwetterwarnung. Die nahezu stündlichen Nachrichten im ZDF-Fernsehen sowie unsere Angebote im Web und in den sozialen Medien verbreiten die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und können so auch kurzfristig einen Teil der Bevölkerung warnen.

Mit Blick auf die künftige Entwicklung: Welche Entwicklungspotentiale haben unsere Wettervorhersagemodelle? Welche Serviceleistungen sind künftig denkbar und darstellbar?
Es sind in Zukunft sicher Fortschritte bei der Genauigkeit der Vorhersage  möglich. Einzelne Gewitter wird man aber erst mit ihrer Entstehung als Unwettergefahr erkennen, so dass die konkrete Warnung nur sehr kurzfristig ausgesprochen werden kann. Das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht wesentlich ändern. Wir können die Bevölkerung mit mehr aktuellen Wetterinformationen warnen, z.B. mit Radardaten, wie sie auf Wetter-Apps zu finden sind, mit Regenmengeninformationen und möglichen Sturmböen. Letztendlich ist auch der Bürger gefragt, mal an den Himmel zu schauen, um sich zu vergewissern, ob ein Gewitter oder Sturm heranzieht. Dann kann er sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Wir müssen wieder lernen, dass Wetter eine Gefahr darstellen kann.    

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