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Interview16.06.2016

Privater Wetterdienst setzt aufs Smartphone

Warum Laufbänder im TV von gestern sind

Norman Gabler, Geschäftsführer der Q.met GmbH Quelle: Q.met GmbH Norman Gabler Geschäftsführer Q.met GmbH
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Wetter-Services werden sich mehr "auf mobile Anwendungen spezialisieren", prognostiziert Norman Gabler, Geschäftsführer der Q.met GmbH. Kritik an den TV-Sendern im Fall des Unwetters von Braunsbach hält er für unberechtigt. Gerade an einem Sonntagnachmittag mit (zunächst) schönem Wetter würden Sondersendungen verpuffen. "Wer so denkt, ist ein TV-Dinosaurier an dem der Geist der Zeit vorbeigezogen ist."





ARD und ZDF wurden im Zuge der aktuellen Unwetterereignisse für Ihre Berichterstattung kritisiert. War die Kritik berechtigt und konstruktiv?
Die Kritik kam genau aus einer Ecke. Einem ehemaligen TV-Meteorologen der vor Jahren für die ARD gearbeitet hat und zurück ins Geschäft möchte. Uns ist nichts bekannt geworden, dass es weitere Kritik aus keiner anderen Meteorologen-Ecke gegeben hätte. Zahlreiche TV-Sender haben Brennpunkte oder Sondersendungen gesendet. Ich sehe da keine Versäumnisse. Auch im Vorfeld wurde bereits sehr gut gewarnt. Das können auch gerade wir als privater Wetterdienst bestätigen. Die Unwetterlage war bereits Tage zuvor erkennbar. Entsprechend sind wir unseren Pflichten nachgekommen und haben unsere Medienpartner und User entsprechend darauf vorbereitet. Zudem gab es bei uns eine ausführliche Berichterstattung über die einzelnen Ereignisse.

Sollte das öffentlich-rechtliche Fernsehen Anpassungen in der Wetterberichterstattung vornehmen, bzw. größere Zeitfenster für die Wetterberichterstattung bei Bedrohungslagen einplanen?
Es wurde gefordert, dass das Fernsehen bei aktuell laufenden Unwettern sein Programm mit Laufbändern untersetzen soll. Wir leben im Jahr 2016 und nicht mehr in den 90er Jahren. Heute ist das Kommunikationswerkzeug Nummer 1 das Smartphone und nicht das TV. Gerade bei dem Unwetter in Braunsbach in Baden-Württemberg wären TV-Warnungen an einem Sonntagnachmittag sicherlich verpufft. Es war Sonntag, das Wetter war im Vorfeld schön sommerlich. Die Menschen waren meist alle im Freien. Wer sitzt da schon vor einem TV und wartet bis eine Wetterwarnung durchläuft. Man muss sich nur die Quoten an heißen Sonntagnachmittagen anschauen. Wer so denkt, ist ein TV-Dinosaurier an dem der Geist der Zeit vorbeigezogen ist. Es gibt heute schon sehr viele und auch sehr gute Warn-Apps auf dem Smartphone. Damit kann man die Menschen deutlich besser erreichen. Viele Apps bieten Push-Warnungen an.

Wie sollten moderne Wetterdienstleistungen heute aussehen?
Eigentlich so, wie unter Punkt 2 beschrieben. Moderne Wetterdienstleistungen müssen den Menschen einen eindeutigen Mehrwert bieten. Sie müssen auf den Punkt kommen und das Wesentliche transportieren. Der User möchte wissen: wird es nass oder bleibt es trocken, wird es heute kalt oder warm sein? Habe ich im Freien mit Wettergefahren zu rechnen? Diese Fragen muss eine moderne und einfache Wetterdienstleistung schnell beantworten können. Da hilft kein seitenlanger beamtentechnisch aufbereiteter Wettertext wie ihn beispielsweise der Deutsche Wetterdienst früher oft verbreitet hat. Welcher Normalbürger kann etwas mit Hochruckkeil oder Tiefdruckrinne anfangen?

Welche Rolle spielen in der öffentlichen Wahrnehmung die Unwetter-Apps, von Anbietern wie dem DWD?
Wetter-Apps spielen grundsätzlich eine sehr große Rolle. Das Konsumverhalten in Sachen TV ist seit Jahren eher rückläufig. Wir schauen gezielter TV. Wir schalten den TV an und nutzen On-Demand-Angebote. Das normale TV-Programm wird nicht mehr so stark wie noch vor 10 oder 20 Jahren genutzt. Auch wetter.net bietet Wetter Apps an. Das machen mittlerweile viele Wetterdienste. Wie unter 2. beschrieben, kann man heutzutage mit dem Smartphone deutlich mehr Menschen erreichen als vor dem TV. In einem Haushalt mit 5 Personen dürfte wohl jeder ein Smartphone besitzen, das ist heutzutage ein MUSS. Aber es wird in diesem Haushalt wohl kaum 5 Fernsehgeräte geben, vielleicht noch einen großen TV für DVD, Blue-Ray oder ON-Demand Filme zu schauen.

Mit Blick auf die künftige Entwicklung: Welche Entwicklungspotentiale haben unsere Wettervorhersagemodelle? Welche Serviceleistungen sind künftig denkbar und darstellbar?
Da kann ich nur für mein Unternehmen sprechen. Wir beschäftigen als einer der wenigen deutschen Wetterdienste ausschließlich Fachpersonal, bestehend aus Diplom-Meteorologe und Diplom-Geografen. Ein Problem ist ja heutzutage, dass sich jeder Meteorologe nennen darf, ohne wirklich die entsprechende universitäre Ausbildung nachweisen zu müssen. Das macht es für den User oft schwer zu erkennen, ob ein Angebot im Netz seriös ist oder nicht. Wir betreiben eigene Wettermodelle. An diesen Wettermodellen nehmen wir permanent Verbesserungen vor. Die Atmosphäre ist ein chaotisches System, daher wird es die 100 Prozent Prognose auch niemals geben. Wir sind aber jeden Tag bestrebt uns diesem 100-Prozent-Ziel weiter zu nähern.

Die Serviceleistungen werden sich in Zukunft mehr auf mobile Anwendungen spezialisieren. Jeder wird quasi seine Wetter-App in der Tasche haben und immer bei sich tragen. Die ortsgenauen Prognosen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verbessert. Wir können aktuell bei einer 24-Stunden-Prognose auf einer Trefferquote von 98 Prozent vertrauen. Das ist ein sehr guter Wert!

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

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