Herr Häckl, ARD und ZDF wurden im Zuge der aktuellen Unwetterereignisse für Ihre Berichterstattung kritisiert. War die Kritik berechtigt und konstruktiv?
Ich würde die bundesweiten Sender ein bisschen aus der Verantwortung nehmen. Denn bei den jüngsten Unwettern in Braunsbach oder Simbach sprechen wir von heftigen, jedoch sehr lokalen Wetterereignissen. Bei Orkan Kyrill war das ganz anders, das war eine deutschlandweite Bedrohungslage, von der wir bereits viele Tage im Voraus wussten. Hier war es selbstverständlich, dass die Vollprogramme mit Sondersendungen am Start waren. Bei solchen Ereignissen macht es absolut Sinn, das laufende Programm zu unterbrechen. Dann sollte auch ein Reporter vor Ort sein. Bereits vorab legen wir dann beispielsweise für die RTL-Gruppe intern fest, wohin wir welche Reporter hinschicken. Bei lokalen Unwettern, wie jüngst in Baden-Württemberg oder Bayern ist das schon schwieriger, da ein lokales Unwetter keinen Menschen in Schleswig-Holstein interessiert. Im aktuellen Fall hätten sich vielleicht trotzdem deutschlandweite Laufbänder auch bei den großen Sendern angeboten, etwa mit Warnhinweisen im Raum Braunsbach auf der Hut zu sein. Aber natürlich ist man generell im Nachhinein immer klüger.
Muss das Fernsehen bei der Wetterberichterstattung prinzipiell flexibler werden, damit der Zuschauer noch aktueller und kurzfristiger mit Warnungen versorgt werden kann?
Unter Umständen ja. Aber da sehe ich hauptsächlich die ARD mit ihren 3. Programmen eher in der Pflicht. Denn während örtliche Unwetter toben, kann man vielleicht nur 10 Kilometer weiter entfernt bei Sonnenschein und Latte Macchiato im Cafe sitzen. Gerade solche regionalen Ereignisse können die Dritten Programme am besten betreuen. Beispielsweise mit Tickerlösungen und ggf. mit Sondersendungen.
Welche Rolle spielen in der öffentlichen Wahrnehmung Unwetter-Apps, ersetzen diese irgendwann das Fernsehwetter?
Beim Wetter ist es genauso wie bei der Nachrichten-Berichterstattung im Fernsehen. Die Einordnung von Zusammenhängen wird im Fernsehen immer wichtiger. Denn nur wir als Fachleute können den Zuschauern helfen, Zusammenhänge zu verstehen und Wetterereignisse besser einzuordnen. Dabei spielt gerade das gewachsene Vertrauen zum Programm und den Moderatoren eine enorm wichtige Rolle. Wenn die Zuschauer einen schon seit 20 Jahren kennen und die Leute wissen, in der Mehrzahl der Fälle hatte er Recht, ist das Vertrauen meist da. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht auch mal danebenliegen kann. Verabschieden müssen wir uns dagegen von dem Glauben, dass wir als Fernsehmacher die Leute da draußen als erste von den neuesten Ereignissen informieren. Gerade bei bildstarken Themen sind die Internetmedien oft viel schneller als wir Fernsehleute. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auf unsere Stärke als Dienstleister und Einordner des Geschehens konzentrieren. Eines gehört aber auch zur Wahrheit – trotz des Hypes auch um viele Wetterapps konnten wir die meisten Menschen in den Unwetterregionen nicht vor den fatalen Folgen schützen.
Welche Wetterdienstleistungen bietet die RTL-Gruppe wo und wie an?
Wir machen in unserer Redaktion das Wetter für die gesamte RTL-Mediengruppe. Zu unserer Hauptarbeit gehört in erster Linie die Logistik, so dass wir unsere Reporter und Kameraleute dorthin schicken, wo etwas passiert. Für den Internetbereich haben wir unsere Kollegen von wetter.de, die sämtliche Internetlösungen anbieten.



