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Interview15.06.2016

ARD weist Kritik an Wetter-Berichterstattung zurück

Was getan wird und warum sich nicht jede Gefahr vorhersagen lässt

Silke Hansen, Leiterin der Wetterredaktion beim Hessischen Rundfunk, der in der ARD federführend für den Wetterbericht zuständig ist Quelle: HR/Sascha Rheker Silke Hansen Leiterin Wetterredaktion Hessischer Rundfunk
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Die ARD hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten mehrfach auf die Gefahr hingewiesen", sagt Silke Hansen, Leiterin der Wetterredaktion beim Hessischen Rundfunk, der in der ARD federführend für den Wetterbericht zuständig ist, zur Kritik nach der Berichterstattung zu lokalen Unwettern im Mai. Die ARD nutze vielfältige Möglichkeiten, um auf Gefahrenlagen hinzuweisen.





ARD und ZDF wurden im Zuge der aktuellen Unwetterereignisse für Ihre Berichterstattung kritisiert. War die Kritik berechtigt und konstruktiv?
Nein. Die zum Teil sehr kleinräumigen Wetterereignisse lassen sich in dieser Form – und vor allem mit diesen Folgen – so gut wie nicht vorhersagen. Die ARD hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten mehrfach auf die Gefahr hingewiesen.

Planen Sie aktuell Anpassungen in der Wetterberichterstattung, gibt es künftig ggf. größere Zeitfenster für die Wetterberichterstattung bei Bedrohungslagen?
Bei Bedrohungslagen ist es schon jetzt kurzfristig möglich, die Wetterberichte zum Beispiel in der „Tagesschau“ zu verlängern.

Wie kann der Zuschauer künftig mit noch aktuelleren und kurzfristigeren Warnungen versorgt werden?
In den Regionalprogrammen wird jetzt schon gemacht was möglich ist – auf allen Kanälen zeitnah auf die Unwetter hingewiesen und vor den möglichen Folgen gewarnt. Erreicht beispielsweise den Hessischen Rundfunk eine Unwetterwarnung, dann wird  der „Unwetterfall“ ausgelöst. Das bedeutet, die Startseiten aller Online-Angebote des Hessischen Rundfunks bekommen einen Warnbutton, der auf das Unwetter hin- und auf eine Seite mit einer Unwetterwarnkarte verweist. Die Videotexttafel 100 wird umgeschrieben und bekommt einen roten Hinweis, der zu  einer Seite mit weiterführenden Informationen führt. In allen Hörfunkwellen wird in der nächsten Moderation, spätestens aber zur nächsten halben Stunde auf das Unwetter hingewiesen. Im Fernsehen wird in der nächsten Live-Sendung die Lage thematisiert. In besonders kritischen Fällen gibt es auch die Möglichkeit, sofort Warnhinweise als Laufband einzublenden oder sehr kurzfristig Sondersendungen ins Programm zu nehmen.

Welche Rolle spielen in der öffentlichen Wahrnehmung die Unwetter-Apps, von Anbietern wie dem DWD?
Apps werden immer beliebter und machen gerade im Falle von Unwettern auch Sinn. Wer sitzt schon den ganzen Tag vor dem Fernseher oder hört aufmerksam Radio. Eine App ist in diesen Zeiten tatsächlich – zumindest für Teile der Bevölkerung – der schnellste Weg zur Information. Die Warn-App des Deutschen Wetterdienstes ist klasse. Sie bietet auch die Möglichkeit, im Falle von Unwetterwarnungen durch die App aktiv alarmiert zu werden. Also auch nachts, wenn die meisten ja schlafen.

Mit Blick auf die künftige Entwicklung: Welche Entwicklungspotentiale haben unsere Wettervorhersagemodelle? Welche Serviceleistungen sind künftig denkbar und darstellbar?
Die Vorhersagen sind im Laufe der vergangenen Jahre immer besser geworden und werden sich auch noch weiter verbessern. Kleinräumigen Unwetterereignisse und vor allem deren Folgen vorherzusagen, wird aber auf absehbare Zeit unmöglich sein. Denn nicht immer haben die gleichen Wetterereignisse auch die gleichen Folgen. In Wiesbaden gab es im vergangenen Herbst mal an einem Abend heftige Regenfälle. Sehr heftig, aber nicht außerordentlich. Innerhalb kürzester Zeit standen Teile der Stadt einen Meter unter Wasser. Das Laub der Bäume hatte die Gullideckel verstopft. Solche Vorhersagen kann die Wettervorhersage nicht leisten.

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