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18.10.2018
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WIE DAS RADIO INS WOHNZIMMER ZURÜCKKEHRT

Und wie Inhalte auf dem Smart Speaker reguliert werden sollten

Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM)

Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) [Quelle: Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM)]


BLM-Präsident Siegfried Schneider sieht in der Verbreitung von Smart Speakern große Chancen für das Radio, allerdings auch offene Fragen für Anbieter und ggf. Regulierer. Er plädiert für einen zukunftsweisenden Rechtsrahmen, bei dem nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Werte eine Rolle spielen sollten.


Noch sind Smart Speaker nicht sehr verbreitet, doch schon heute sind Audio-Inhalte die meistgenutzten Inhalte. Welche Chancen und Risiken sehen Sie für die Branche?
Die Chancen von Online-Audio stehen für mich deutlich im Vordergrund. Vor allem Smart Speaker und Podcasts haben im vergangenen Jahr zu einem neuen Hype geführt, der den Audiomarkt insgesamt wachsen lässt. Das führt nicht nur zu einer Renaissance des Hörens, sondern auch zu einer Renaissance des Radios und der Radiowerbung.
 
Das Radio kehrt durch Sprachsteuerung mit vielen Zusatz-Optionen ins Wohnzimmer zurück. Während die klassischen Radiogeräte – abgesehen vom Autoradio – bisher meist in der Küche, im Bad oder im Schlafzimmer stehen, werden Smart Speaker vor allem im Wohnzimmer installiert. Smart Speaker nutzen bei uns aktuell fast fünf Prozent – in den USA sind sie mit 25 Prozent bereits nach dem Smartphone der zweitbeliebteste Abspielweg für Audio-Inhalte. Ich bin davon überzeugt: in dieser Entwicklung steckt – im doppelten Wortsinn – noch viel Musik. Nicht zuletzt, weil die intelligenten Lautsprecher bereits den nächsten Evolutionsschritt des Internets einläuten – nämlich die Zero-Screen-Ära, was schlicht Websuche ohne Bildschirm bedeutet. Ein Zukunftstrend mit enormen Auswirkungen, sei es auf Suchmaschinenoptimierung oder Online-Marketing.
 
Aber zurück zum Radio: Seine Reichweite insgesamt steigt durch die neuen Entwicklungen – verteilt sich allerdings auf verschiedene Ausspielwege. Und damit bin ich bei den Risiken: Für die klassischen Radio-Macher, die den Content liefern, ist es wichtig, auch in Zukunft ihren Teil vom Werbekuchen abzubekommen. Wer kriegt die Erlöse, wenn der Hörer Alexa nach einem Sender fragt? Und was, wenn er per Sprachbefehl Werbung blockiert? Will Amazon auch eigene Spots vermarkten? Mit Fragen wie diesen müssen sich die Anbieter und ggf. die Regulierung intensiv auseinandersetzen.
 
Ein Drittel der Audio-Nutzer lässt sich über den Smart Speaker Nachrichten vorlesen – welchen Regulierungsbedarf sehen Sie hier?
Aus meiner Sicht geht es hier nicht nur um Nachrichten, sondern auch um alle anderen Audio-Inhalte, inklusive Werbung. Ein ganz wesentliches Ergebnis aus dem Online-Audio-Monitor der BLM in Kooperation mit weiteren Medienanstalten, dem BVDW und VAUNET lautet: Die mit Abstand von den meisten Personen genutzte Funktion bei Smart Speakern ist das Abspielen von Audio-Inhalten. Sie liegt mit knapp 80 Prozent weit vor der Steuerung von Smart-Home-Anwendungen (25,7%) oder Online-Shopping (14,2%). Aufgrund dieser Bedeutung für Audio müssen Smart Speaker aus Sicht der Medienanstalten v.a. unter die Vorgaben der Plattformregulierung oder für Benutzeroberflächen fallen. Die wichtigste Spielregel dabei lautet Chancengleichheit.
 
Moderne Regulierung darf den Fortschritt nicht hemmen, sollte aber faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und Monopolen gegensteuern. Wir brauchen deshalb einen zukunftsweisenden Rechtsrahmen, bei dem nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Werte eine Rolle spielen sollten. Dass das möglich ist, zeigt ein Blick auf den Datenschutz. Hier hat Europa international ein Signal gesetzt: der Umgang mit Daten ist eine öffentliche Aufgabe, die man nicht den Marktkräften überlässt.
 
Fast drei Viertel der Deutschen sorgen sich bei Smart Speakern um den Datenschutz. Wie bewerten Sie das?
Datenschutz ist ein wichtiges Thema, das den Deutschen besonders am Herzen liegt und das man ernst nehmen muss – übrigens nicht nur in Bezug auf Smart Speaker, sondern in Bezug auf die vielfältigen Möglichkeiten des Internets  insgesamt. Uns allen sollte bewusst sein: persönliche Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Jeder Einzelne muss daher in der Lage sein, souverän über die Nutzung seiner Daten zu entscheiden – oder sie eben entsprechend zu unterbinden. Die Landeszentrale hat deshalb die Broschüre „Selbstdatenschutz“ entwickelt, die hier kostenfrei heruntergeladen werden kann.