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19.11.2018
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KOMMT DAS ENDE DER INHALTSFREIEN MUSIKABSPIELSTATIONEN?

Was Smart Speaker für das Radio bedeuten

Jens Breuer, Geschäftsführer DEUTSCHE HÖRFUNKBERATUNG Audiomarketing GmbH

Jens Breuer, Geschäftsführer DEUTSCHE HÖRFUNKBERATUNG Audiomarketing GmbH [Quelle: Max Niemann Photography]


"Smart Speaker eröffnen Radiosendern neue Kanäle und damit zusätzliche Monetarisierungsmodelle", sagt Jens Breuer, Geschäftsführer DEUTSCHE HÖRFUNKBERATUNG Audiomarketing GmbH. Zugleich gibt es aber auch eine Reihe von Herausforderungen.


Noch sind Smart Speaker nicht sehr verbreitet, doch schon heute sind Audio-Inhalte sind die meistgenutzten Inhalte. Welche Chancen und Risiken sehen Sie für die Audio- und Radio-Branche?
Für die Audiobranche im Gesamten bedeutet das ein enormes Wachstumspotenzial mit vielen neuen Möglichkeiten. Podcasts zum Beispiel gibt es bereits seit vielen Jahren, nun erreichen Sie aber endlich auch größere Zielgruppen und damit eine vermarktungsrelevante Größe. Für die Radiomacher ist die Entwicklung von Online-Audio Fluch und Segen zugleich – vielleicht aber auch in umgekehrter Reihenfolge, denn Smart Speaker eröffnen Radiosendern neue Kanäle und damit zusätzliche Monetarisierungsmodelle. Die Herausforderung für die Sender besteht allerdings zugleich darin, dass ihre Konkurrenz nun nicht mehr nur lokal oder regional auf den Plan tritt, sondern man mit einer erheblich größeren Zahl von Audioangeboten im Wettbewerb steht. Wenn man nun sieht, dass sich viele Radiosender in den letzten zwei Jahrzehnten leider selbst zu fast inhaltsfreien Musikabspielstationen degradiert haben, stehen gerade diese Sender heute vor einem echten Problem, denn Streamingdienste bedienen meinen Musikgeschmack im Zweifel schneller und vielfältiger. Die Herausforderung für die Sender besteht nun also darin, ihre Hörer mit einzigartigen, serviceorientierten und natürlich auch regionalen Inhalten zu erreichen und zu binden. Für lineare Musikabspielstationen wird es deshalb zunehmend schwierig werden. Sender wie 104.6 RTL – Berlins Hitradio haben den Trend erkannt und bieten ihr Radioprogramm seit kurzem auch mit individueller Musikauswahl an – möglich ist dies aber nur über die Sender-App und die Website. UKW gibt das leider technisch nicht her.

Ein Drittel der Audio-Nutzer lässt sich über den Smart Speaker Nachrichten vorlesen – welchen Regulierungsbedarf sehen Sie hier?
Wie immer, wenn es um Nachrichten geht, stellt sich auch hier vor allem die Frage der Seriosität der Quelle. Wer stellt sicher, dass hinter der Computerstimme aus dem Lautsprecher tatsächlich eine ausgewogene Berichterstattung steckt? Ich halte es deshalb für wichtig, dass Inhalte, die nicht journalistischen Ursprungs sind, zweifelsfrei als solche gekennzeichnet werden. Andernfalls wäre dies eine Einladung und sehr attraktive Plattform für all die Absender, die vermeintliche Sachverhalte stark einseitig darstellen und Meinungen in ihrem Interesse manipulieren wollen.

Wie sollten andere sogenannte „Skills“ von Drittanbietern reguliert werden, die Zugang zu Audio-Inhalten bieten?
Ich sehe hier die Anbieter in der Verantwortung, Skills gründlich und nach einem standardisierten Verfahren zu prüfen, bevor sie diese in ihre Systeme implementieren. Das sollten schon aus Gründen der Qualitätssicherung in ihrem eigenen Interesse sein. Letztlich kann man ja auch nicht irgendein bahnbrechendes System in den Markt schießen und es dann in der Regulierung sich selbst überlassen. Das schließt für mich die inhaltliche Prüfung des Sprachbefehls an sich genauso wie eine technische und inhaltliche Prüfung der Verlinkung des hinterlegten Audioangebots ein. Zudem muss es für den Nutzer die Möglichkeit geben, zweifelhafte und rechtskritische Inhalte über einen sehr kurzen Rückkanal an die Anbieter zu melden, damit diese schnell aus dem Angebot verschwinden und ggf. auch keinen weiteren Schaden mehr anrichten können.

Fast drei Viertel der Deutschen sorgen sich bei Smart Speakern um den Datenschutz. Wie bewerten Sie das?
Wer sich einen Smart Speaker anschafft, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er Kompromisse in Hinblick auf den Schutz seiner Daten machen muss, denn ansonsten funktioniert das System schlicht und ergreifend nicht. Es geht ja schon damit los, dass die Mikrofone der Geräte – und davon hat allein Alexa schon mal sieben - permanent auf Empfang sein müssen, um zu erkennen, wann sie von Ihnen angesprochen werden. Die Verbindung zum Server erfolgt zwar offiziell erst dann, wenn man Signalwörter wie zum Beispiel „Alexa“ oder „Ok, Google“ genannt hat. Trotzdem bleibt der Smart Speaker natürlich eine kleine Blackbox, bei der nur der Anbieter weiß, welche Informationen er wirklich über uns sammelt. Hier könnte man meiner Ansicht nach gerne transparenter sein und den Nutzer im Zweifel auch selbst entscheiden lassen, welche Daten er von sich preisgeben möchte. Man muss sich vielleicht einfach bewusst werden, dass das übergeordnete Ziel eines Smart Speakers darin besteht, möglichst viele Informationen über uns und unser Verhalten zu sammeln, damit wir als werberelevante Zielgruppe so greifbar wie möglich werden. Nicht umsonst wird Ihr Smart Speaker Ihnen innerhalb relativ kurzer Zeit Ihre Lieblingspizza bestellen und Ihr Stamm-Taxi auf Kommando anfordern können. Der Smart Speaker macht uns das Leben bequem, deshalb lassen wir ihn nur allzu gern daran teilhaben.