Deutschland steht nach aktuellen Daten vor einem starken Ausbau bei Großbatteriespeichern - welchen Beitrag können diese aus Ihrer Sicht bei der Engergiewende grundsätzlich leisten?
Wenn wir Energiewende und Klimaschutz schnell weiter voranbringen wollen, ist der zeitnahe Ausbau von Batteriespeichern unabdingbar. Im Sommer haben wir tagsüber häufig schon so viel Solarstrom, dass er einen Großteil unseres Strombedarfs decken kann. In den Abend- und Nachtstunden fehlt dieser Solarstrom hingegen. Der weitere Ausbau der Photovoltaik wird diese Unterschiede noch verstärken.
Batteriespeicher können hier Abhilfe schaffen, indem sie Solarstromüberschüsse vom Tag in die Abend- und Nachtstunden verschieben. Dadurch können sie hohe Strompreise nach Sonnenuntergang dämpfen und den Einsatz fossiler Kraftwerke sowie die damit verbundenen Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren.
Im Winter sind die zu überbrückenden Zeiträume allerdings häufig länger. Bei mehrtägigen Dunkelflauten stoßen Batteriespeicher an wirtschaftliche und technische Grenzen. Dafür brauchen wir zusätzlich andere Flexibilitätsoptionen und gesicherte Leistung. Batteriespeicher können aber auch während einer Dunkelflaute Lastspitzen abfedern und damit den Bedarf an gesicherter Backup-Leistung reduzieren.
Wie bedeutend ist der schnelle Ausbau einer intelligenten Steuerung des Stromverbrauchs in diesem Zusammenhang?
Wenn der Stromverbrauch stärker an das Angebot angepasst wird, reduziert sich der Speicherbedarf. Dadurch lässt sich das gesamte Energiesystem deutlich kosteneffizienter betreiben. Deutschland hinkt bei den dafür nötigen Smart Metern im europäischen Vergleich weit hinterher. Hier gilt es jetzt, Tempo zu machen, um die vorhandenen Potenziale zu heben. Vor allem bei Elektroautos und Wärmepumpen gibt es große Verlagerungspotenziale, die den Speicherbedarf deutlich senken können. Bei anderen Verbrauchergruppen sind die möglichen Effekte allerdings wesentlich kleiner.
Experten wenden ein, dass Großspeicher für Strommangel über längere Zeiträume nicht geeignet seien - wie sollte man sich für längere sogenannte Dunkelflauten wappnen?
Die Überbrückung mehrtägiger Stromlücken ist derzeit mit Batteriespeichern wirtschaftlich nicht darstellbar. Solche Dunkelflauten treten vor allem im Winter auf und müssen daher durch andere Technologien überbrückt werden. In einer Übergangszeit können weiterhin fossile Kraftwerke diese Lücken decken. Durch den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien sinken jedoch ihre Betriebszeiten und damit auch die Treibhausgasemissionen deutlich.
Mittelfristig müssen fossile Kraftwerke durch klimaneutrale Technologien abgelöst werden. Flexible Biogasanlagen und mit grünem Wasserstoff betriebene Kraftwerke sind hier mögliche Optionen. Auch ein stärkerer europäischer Stromverbund kann durch den überregionalen Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch den Bedarf an zusätzlicher gesicherter Leistung reduzieren.
Welchen Rahmen sollte die Politik für einen Ausbau der Großspeicher setzen?
Batteriespeicher können sehr schnell realisiert werden und damit zeitnah wichtige Flexibilitäts- und Netzprobleme der Energiewende entschärfen. Ein Nadelöhr sind derzeit allerdings fehlende Netzanschlusskapazitäten und langwierige Netzanschlussverfahren. Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen erschweren oftmals die Realisierung von Speicherprojekten. Hier muss die Bundesregierung zeitnah nachbessern.
Außerdem sollte sie darauf achten, dass Speichertechnologien unter fairen Wettbewerbsbedingungen ans Netz kommen und nicht durch Subventionen einzelne Technologien unverhältnismäßig bevorzugt werden.



