Deutschland steht vor einem starken Ausbau bei Großbatteriespeichern – welchen Beitrag können diese leisten?
Der Grund Ihrer dezidierten Nachfrage zu GROSSbatteriespeichern beruht vermutlich auf dem großen Hype um das Thema, der sich durch ein Anfragevolumen von etwa ca. 390 GW in den Übertragungs- und Verteilnetz begründet.
Großbatteriespeicher können einen erheblichen Beitrag zur Transformation des Energiesystems leisten. Neben dem Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch oder Netzengpassmanagement lösen Speicher auch das Problem der zuletzt viel diskutierten negativen Strompreise. Des Weiteren können sie auch zur Spannungs- und Frequenzhaltung beitragen.
All das trifft aber auf alle Energiespeicher zu, also nicht nur elektrochemische Speicher wie Batterien, sondern auch auf thermische Energiespeicher in Zusammenhang mit Wärmepumpen, Pumpspeicherwerken, etc. Und wenn wir über Batteriespeicher reden, gibt es nicht nur Großspeicher, sondern auch Heimspeicher und vor allem Speicher in Elektroautos, die hier Beiträge leisten können.
Was können Großbatteriespeicher ggf. noch besser wie die anderen Erwähnten? An den richtigen Orten platziert kann eine marktdienliche und eine netzdienliche Betriebsweise zusammenfallen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, während an „falscher“ Stelle positioniert diese Betriebsweisen gegenläufig sind. Und große Speicher haben den Vorteil niedrigerer spezifischer Kosten.
Wie bedeutend ist der schnelle Ausbau intelligenter Steuerung des Stromverbrauchs?
Die eben erwähnten Aufgaben werden jetzt benötigt, nicht in weiter Zukunft. Von daher ist Tempo geboten. Und aufgrund der Aktualität der letzten Wochen sei hinzugefügt: Die bei der Bundesregierung so geliebte Flexibilität durch Gaskraftwerke liefern keinen Beitrag zur Beseitigung der stark negativen Strompreise, Speicher sehr wohl. Ein Handeln in die richtige Richtung durch die Bundesregierung drängt.
Großspeicher seien für längere Dunkelflauten nicht geeignet – wie sollte man sich darauf vorbereiten?
Wenn wir uns heute Großspeicher ansehen, können diese ihre Nennleistung zwischen einer und zwei Stunden bereitstellen. Das ist aber keine technologische Rahmenbedingung von Batteriespeichern. Energie und Leistung können hier unabhängig voneinander dimensioniert werden: die Dauer hängt von der Batteriekapazität und die Leistung von der installierten Umrichterleistung ab.
Die derzeitige Art der Dimensionierung hängt von den Märkten ab, in denen heute Batterien aufgrund der existierenden Regulierung Geld verdienen können: hauptsächlich im Regelenergiemarkt. D. h. Batterien können auch wesentlich länger Energie zur Verfügung stellen.
Vollkommen absurd ist, was man über Pläne der Bundesregierung lesen kann. Die Ausschreibung für Flexibilität wird so gestaltet, dass Batterien gegenüber Gaskraftwerken keine Chance haben. Oder wie ist zu interpretieren, dass die Flexibilitätsanbieter innerhalb kürzester Zeit zweimal 10 Stunden die vereinbarte Menge liefern können müssen?
Aber vollkommen richtig: Batterien könnten technologisch zwar auch über Tage oder eine Woche hinweg Energie liefern, das wäre aber aus ökonomischen Gründen wenig sinnvoll. Es gibt also durchaus eine Nische für mit Wasserstoff betriebene Gaskraftwerke. Die Prioritäten scheinen mir derzeit aber völlig falsch gesetzt.
Welchen Rahmen sollte die Politik für den Ausbau von Großspeichern setzen?
In allererster Linie bräuchten wir keine Lex Großbatteriespeicher, genauso wenig wie eine Lex Gaskraftwerke. Was wir benötigen ist dringende Flexibilität. Und hier – das Wort ist doch gerade sehr beliebt – benötigen wir wirklich Technologieoffenheit.
In Bezug auf Großspeicher und die derzeitige Lage würde ich mir wünschen, dass wir zu Regeln kommen, die die Speicher schnell ans Netz bringen. Das beinhaltet sowohl, dass Anfragen für einen Speicher nicht an zig Orten gestellt werden und somit nur selten gebaut werden wie auch, dass Netzbetreiber Anschlussbegehren schnell bearbeiten.
Lassen Sie mich abschließend noch etwas abschweifen. Großspeicher sind zwar als einzelne Speicher GROSS. In Summe der installierten Kapazität sind sie aber klein. Auch wenn Deutschland bei der Elektromobilität hinterherhinkt, schon heute übersteigt die Kapazität der in Autos verbauten Batterien diejenige der Großspeicher um ca. einen Faktor von 25! Hier benötigen wir den Durchbruch, dass die E-Mobilität vorankommt und diese gleichzeitig ihre systemdienlichen Möglichkeiten umsetzen kann und muss. Und wir sollten die Notwendigkeit von Wärmespeichern nicht länger ignorieren, die die steigende Zahl von Wärmepumpen flexibilisieren.


