Deutschland steht vor einem starken Ausbau bei Großbatteriespeichern – welchen Beitrag können diese leisten?
Es gibt einen großen Bedarf an Flexibilität durch Speicher, daher eine breite Projektpipeline und großes Investoreninteresse – gleichzeitig beobachten wir aber zurzeit, dass viele Projekte an regulatorischen Unsicherheiten, Netzanschlussfragen und langwierigen Genehmigungsverfahren scheitern oder verzögert werden. Insofern besteht eher die Gefahr einer Speicherlücke als eines ungebremsten Ausbaus.
Unabhängig davon ist die systemische Rolle von Großbatteriespeichern wissenschaftlich gut belegt: Sie stellen kurzfristige Flexibilität bereit, stabilisieren Frequenz und Spannung und ermöglichen es, fluktuierende erneuerbare Energien effizient zu integrieren. Speicher sind daher kein optionales Add-on, sondern ein integraler Bestandteil des Energiesystems. Entsprechend ruft der Netzentwicklungsplan nach bis zu 93 GW Speichern bis 2037. Entscheidend ist dabei, Erzeugung, Speicherung und Verbrauch gemeinsam zu denken – insbesondere auch mit Blick auf Netzanschlüsse, die aktuell zwischen diesen Nutzungen konkurrieren, statt systemisch optimiert zu werden.
Wie bedeutend ist der schnelle Ausbau intelligenter Steuerung des Stromverbrauchs?
Er ist zentral – und die Debatte wird häufig noch falsch geführt.
Wir haben in Deutschland kein strukturelles Erzeugungsproblem, sondern zunehmend ein Flexibilitätsproblem. Das hat sich zuletzt auch an einzelnen Wochenenden mit hoher erneuerbarer Einspeisung sehr deutlich gezeigt: Strom ist ausreichend vorhanden, aber nicht immer dort und dann, wo er gebraucht wird.
Intelligente Steuerung – also Demand Side Management, digitale Netzintegration sowie flexible Lasten und gleichzeitig örtliche Flexibilität (Netzausbau) und zeitliche Flexibilität (Speicher) systemisch verknüpfen – ist deshalb essenziell. Sie ermöglicht es, Verbrauch zeitlich und räumlich an das Angebot anzupassen. In Kombination mit Speichern entsteht so ein hochflexibles Gesamtsystem.
Besonders im Industrie- und Gewerbebereich zeigen sich hier große Potenziale: Prosumer-Modelle mit eigener Erzeugung, Speichern und flexiblem Verbrauch entlasten einerseits das Netz und senken gleichzeitig die Kosten. Voraussetzung ist jedoch, dass regulatorische Hürden – etwa bei Kundenanlagen, Eigenversorgungskonzepten und etwa Energy Sharing – abgebaut werden.
Großspeicher seien für längere Dunkelflauten nicht geeignet – wie sollte man sich darauf vorbereiten?
Zunächst ist eine Differenzierung wichtig: Es gibt Leistungsspeicher und Energiespeicher – und sie erfüllen unterschiedliche Funktionen.
- Batteriespeicher sind heute vor allem als Leistungsspeicher im Einsatz. Sie gleichen Schwankungen über Sekunden, Minuten und Stunden aus und sind dafür technologisch und wirtschaftlich, durch möglichst viele Zyklen, optimal geeignet.
- Für längere Zeiträume – Tage, Wochen oder saisonale Verschiebungen – kommen andere Technologien in Betracht, etwa Wasserstoff, thermische Speicher oder Lageenergiespeicher. Da geht es um wenige Zyklen im Jahr und damit ein komplett anderes wirtschaftliches Umfeld.
Die Technologien existieren bereits, sind jedoch häufig noch nicht wirtschaftlich im Markt darstellbar. Das liegt auch daran, dass Speicher – anders als andere Teile des Energiesystems – rein marktlich finanziert werden und keine Fördermechanismen oder Subventionen erhalten.
Wichtig ist außerdem: Für längere Dunkelflauten stehen heute weiterhin Reservekraftwerke zur Verfügung, die systemisch eingebunden sind. Das ist also noch keine Aufgabe für die heutigen Speicher. Der Handlungsdruck für saisonale Speicher entsteht also erst perspektivisch.
Die Schlussfolgerung ist klar: Wir brauchen kein „Entweder-oder“, sondern ein abgestuftes System aus verschiedenen Speichertechnologien – wobei Flexibilität durch etwa Pumpspeicher und Batterien bereits heute unverzichtbar ist.
Welchen Rahmen sollte die Politik für den Ausbau von Großspeichern setzen?
Der Markt ist grundsätzlich vorhanden – was fehlt, ist ein konsistenter regulatorischer Rahmen, die notwendige Flexibilität ins System zu integrieren.
Aus BVES-Sicht sind vier Punkte entscheidend:
- Planungssicherheit: Klare und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen
- Investitionssicherheit: Vermeidung von Doppelbelastungen und regulatorischen Unsicherheiten
- Genehmigungssicherheit: Beschleunigte und standardisierte Verfahren
- Systemische Einordnung: Speicher müssen als das behandelt werden, was sie sind – eine eigenständige Säule des Energiesystems
Derzeit werden Speicher regulatorisch immer noch in die Schublade Verbrauch oder Erzeugung gequetscht, obwohl sie etwas deutlich anderes sind und nicht in diese Schubladen passen. Das führt zu unpassenden Belastungen und Kosten, unnötiger Bürokratie und verzerrten Marktbedingungen. Eine klare Einordnung als Flexibilitätsoption und „vierte Säule“ neben Erzeugung, Transport und Verbrauch würde viele dieser Probleme lösen. Die innovative deutsche Speicherbranche steht bereit.

